Music Diary 2013

Ups – unter „Das Neueste“ steht tatsächlich noch der Link zum Jahresrückblick 2012.
Zugegeben – im letzten Jahr hat sich SpreeSee rar gemacht. Aber nur weil hier fast nichts zu hören/lesen war, heißt das nicht, dass es in der WG still war. Aus Chloes Zimmer dringt üblicherweise melancholisches Tango-Gesäusel – Insider behaupten gar, sie wolle demnächst selbst am Bandoneon herumquetschen. Ein Best of mayner Ohrwürmer 2013 habe ich im traditionellen musikalischen Jahresrückblick zusammengestellt:

Musikalischer Jahresrückblick 2013 by Popkonsulin on Mixcloud

Monika, das war wohl nichts

Mein Chef schaute mich völlig enttäuscht an, als ich gestern auf seine Frage: „Sehen wir uns morgen?“ mit einem klaren Nein antwortete. Ich stellte ihm frei, mir die Notwendigkeit meines Erscheinens zu erklären, aber das war ihm dann doch zu viel. Also versicherte ich ihm, meinen Aufgaben zu Hause gewissenhaft nachzukommen – ich brauche einfach dringend eine Büropause. Tatsächlich hatte ich angenommen, auch er wäre froh, am Freitag mal Ruhe in den Redaktionsräumen zu haben. Mittags war er rückwärts wieder aus der Tür gegangen, weil meine Kollegin Monika und ich uns einem Kreisch-Lachanfall hingaben. Auf seiner Flucht rief er verdattert: „Was ist denn das hier für ein Hühnerhaufen?“.
Grund für die Unterbrechung der konzentrierten Arbeit auf meiner und der anderen Seite des Schreibtischs war die Veröffentlichung von Morrisseys Autobiographie. Ich musste meine enttäuschte Kollegin trösten, sie wollte sich das Buch für eine Rezension bestellen und aus den Ankündigungstexten las sie heraus, was sie nie hatte wahr haben wollen. Jetzt ist es ihr zur traurigen Gewissheit geworden: der charismatische Sänger steht auf Männer!!! Skandal!
„Man hat doch immer nur gemunkelt, aber jetzt ist es raus. Ich hatte mir immer noch Chancen ausgerechnet…“, lamentierte sie.
Ich bin einiges von Monika gewöhnt, sie ist eine sehr liebe, äußerst lebensfrohe Berliner Blondine (beides original!) mit einer manchmal unerträglich großen Naivität und Unbedarftheit, die sich aufführt wie eine Teenager, je näher das Wochenende rückt. Ihre Star-Schwärmereien sollten mich also kaum überraschen, sie schafft es aber doch immer wieder, mich mit ihrem kindlichen Gemüt aus der Fassung zu bringen. Fasziniert von soviel Ignoranz, versuchte ich meine Verblüffung zu verstecken und zog sie auf: „Dabei habt ihr so viel gemeinsam, er ist ja Vegetarier wie du!“ –
Monika: „Du sagst es, Maya, ich habe sogar eine „I want you to go vegetarian“-Postkarte von ihm an meinem Kühlschrank, aber jetzt ist unser Verhältnis getrübt, mit der neuen Erkenntnis, ist es nicht mehr das gleiche.“
– Dann war es vorbei, ich konnte nicht mehr an mich halten, der Lachanfall begann. Mit großen Augen schaute sie neben ihrem Monitor vorbei zu mir: „Was hast du?“ – „Ich fasse einfach nicht, das war doch schon immer klar, seit the Smiths Zeiten schon…“ schluchz-kichere ich und winde mich im Lachkrampf – so ansteckend, dass Monika einstimmt, allerdings immer noch nicht überzeugt: „Woran hast du das erkannt?“
Sie hat natürlich recht, der gute Morrissey träumt bekanntlich nur von sich selbst, Hinweise gab es ansonsten keine…

Das Buch hat Monika nun dennoch bestellt, ich hoffe, es folgen keine weiteren schockierenden Enthüllungen. Um vorbereitet zu sein, lasse ich mir sie jetzt stilecht vorsingen:

SpreeSee-WG: Chloe und der „Optimizer“

Von ihrem eigenen Wecker wacht Chloe eigentlich nie auf. Den schlägt sie einfach mundtot. Aber wenn Mayas Wecker durch die Wand zirpt, springt Chloe in nur drei Schritten unverzüglich ins Bad. Damit sich die Damen in der Porzellanabteilung nicht ins Gehege kommen, geht Chloe schnell rechtzeitig duschen, bevor Maya nach ihrem ersten Kaffee in der Lage ist, einen Duschkopf gefahrlos zu bedienen. Meistens ist Maya aber sehr viel später dran als Chloe. Dann sehen wir uns morgens gar nicht. So konnte ich neulich erst abends ein Rätsel lösen…

Morgens griff ich also mit übermüdeten Augen nach der elektrischen Zahnbürste (meiner neuen Lieblingsanschaffung mit Ladeglas!!). Plötzlich sah ich auf meiner rechten Hand braune Flecken. Aber nur auf den Knochen von Mittel- und Zeigefinger, oberen Handrücken und unterer Handinnenseite. Maya und ich hatten nachts noch Nogger auf dem Balkon verdrückt. War ich bei meiner Katzenwäsche so nachlässig gewesen? Ich versuchte die vermeintlichen Eisspuren mit Wasser und Seife wegzuwaschen. Nichts! Es kam nichts herunter. Jetzt wurde ich doch nervös. Was ist das?

Bei der Arbeit starrte ich beim Tippen derart besorgt auf die rechte Hand, dass meine Kollegin nachfragte, was denn los sei. Ich zeigte ihr das Desaster. Nach ihrer Vermutung handelte es sich aufgrund des Rotstichs um einen Henna-Unfall. Ich solle mir keinen Kopf machen, das gehe schon wieder weg. In meinem Kopf ging der Film jedoch nun richtig ab: Wo sollte ich mir das denn zugezogen haben? Henna?!?!

Apropos Kopf… Als ich dann das erste Mal im Büro auf Toilette lief, sah ich – die vorher völlig von der Hand abgelenkt – noch zusätzliche Verfärbungen: Auf meiner linken Wange war ich fleckig wie die Milka Kuh! Ich ersparte es mir, nach Hautkrankheiten zu googeln. Der Tag war für mich gelaufen. Und Maya bekam ich erst um 19 Uhr zum Yeah Yeah Yeahs Konzert zu Gesicht.

Abends kam dann die Erleuchtung mit Frau von Spree….

Chloe völlig aufgelöst: „Maya, Maya! Der Tag hat ganz schrecklich angefangen…“

Maya: „Ja, klar! Du hast Deine Konzertkarte zuhause liegen lassen und ich musste für Dich nochmals den ganzen Weg zurücklaufen.“

Chloe fast den Tränen nahe: „Weil ich so durch den Wind war. Schau Dir mal meine Hand an!“

Mayas Gesicht entgleist vollkommen bei Chloes Anblick. Seit kurzem kämpft Chloe mit der schlimmen „Tangostirn“. Und nun noch ein weiterer Ausschlag? Ob das nicht der Bote einer unheilbaren Krankheit ist? Was wäre Spree ohne See? WG ohne Chloe? Wer taucht dann in einer ollen Bootcut Jeans plötzlich unerwartet vor Maya auf und bringt sie damit wochenlang zum Lachen? Oder wessen neue elektronische Einkäufe könnte Maya sonst im Bad als Vibrator fehlinterpretieren?

Chloe wird bei Mayas traurigem Blick erst recht panisch: „Ja! Als erstes dachte ich auch, dass ich über Nacht Altersflecken bekommen hätte!“

Mayas kurzer Ausflug ins Dramatische weicht bei diesem Schwachsinn sofort ihrem gewohnten Pragmatismus: „Chloe! Seit wann kommen die in Schlieren!“

Chloe redet einfach weiter: „Jedenfalls glaube ich jetzt, dass der Perser daran Schuld ist!“

Maya verwirrt: „Was?“

Chloe völlig sachlich: „Naja. Meine Kollegin meinte, dass das sehr nach Henna aussähe. Und gestern war ich doch auf der Museumsinsel Tango tanzen. Vermutlich hatte mein persischer Tanguero Henna in der Hand! Schau mal, wenn Du Dein linke Hand in Tanzhaltung in meine rechte legst, kommen genau die Hennaspuren raus!“

Maya bei vollkommen klaren Verstand: „Chloe! Kranker als Deine Flecken sind gerade Deine abgesponnen Erklärungen. Zeig nochmals die Hand!“

Maya wirft nun endlich einen kühlen Blick auf die Hand und fängt tierisch an zu lachen: „Chloe! Also wenn Du mich fragst, sieht das nach einem klassischen Unfall mit einem Selbstbräuner aus!“

Chloe in Abwehrhaltung: „Niemals! So etwas benutze ich nicht! Habe ich auch noch nie benutzt! Zu viel Chemie, vergiss es!“

Maya: „Bist Du Dir ganz sicher? Hast Du vielleicht eine Creme umgestellt?“

Und da schämt sich Chloe nun ganz arg. Hatte sie doch in ihrer Argumentationskette gar den unschuldigen Perser zum Hennaattentäter ernannt.

Chloe: „Doch! Ich habe eine Probe von meinem Kosmetiker aus der Puppenkiste benutzt. Aber da stand mit keinem Wort drauf, dass es ein Selbsttöner sei!“

Maya schüttelt den Kopf: “Sei froh, dass es kein billiger Töner war, sonst wärst Du jetzt orange! Mensch, Chloe! Solche Erfahrungen macht man mit seiner Zeit. Als Teenager zum Beispiel und nicht mit Mitte Dreißig!“

Chloe vehement: „Ich lüge doch nicht! Vor Dir verheimliche ich doch keine Selbsttönerexperimente und verleumde im gleichen Atemzug einen persischen Tanguero!“

Erst als wir wieder in der WG waren und ich Maya die Verpackung zeigen konnte, schenkte sie mir Glauben.

Maya: „Unfassbar! ‚Optimize – Verfeinert & Mattiert’. Mehr steht hier nicht. Die müssen das mit dem Selbstbräuner doch draufschreiben! Du solltest Dich bei denen beschweren. Stell Dir mal vor, Du wärst so vor Deinen Kunden aufgetaucht!“

Dr. Grandel Optimize - Eine Probe mit Folgen

Dr. Grandel Optimize – Eine Probe mit Folgen

Das Geschäft mit der Liebe

(Huch – zweideutiger Titel…keine Angst Chloe – hier geht es nicht um die Gelegenheitsprostitution, die sich die Damen in deinem Bekanntenkreis gegenseitig unterstellen, bei dem Thema besteht noch etwas Recherche-Bedarf!)

„Maya ist seit 13 Jahren mit ihrem Freund zusammen!“ mit diesem Attribut charakterisieren mich Chloe und der Regisseur gerne unabhängig voneinander, wenn sie mich neuen Leuten vorstellen. Die Reaktionen reichen von überrascht, ungläubig, fassungslos bis neugierig. Fast wie vorprogrammiert kommt die Frage:

Was ist euer Geheimnis?

Meine Antwort darauf fällt hilflos aus:

Wenn ich das so klar benennen könnte, dann würde ich ein Buch schreiben und reich werden. Aber ich glaube, dass Glück dazu gehört und es keine allgemein gültigen Erfolgskriterien für Beziehungen gibt, schließlich sind die Erwartungen ja auch sehr individuell.

Andere Menschen sind da weniger vorsichtig. Sie schmeißen locker mit Garantien um sich. Die Ratgeber-Literatur ist DAS Profitcenter auf dem Buchmarkt und da wird das Blaue vom Himmel versprochen. Auf ein besonders widerliches Exemplar machte mich meine Kollegin aufmerksam, als sie die Redaktionsstube aufräumte:

Hier: Das Geschenk für Freundinnen in Liebesnöten – wenn du das ner Single-Freundin schenkst, haut die dir das doch umme Ohren!

Ich wurde hellhörig, „Freundin in Liebesnöten“ – würde ich so nicht ausdrücken – aber da kenne ich doch jemanden…

Ich: Wie kommst du jetzt da drauf? Ich hätte vielleicht eine Abnehmerin.

Kollegin präsentiert mir eine knallgelbe Doppelseite, schüttelt den Kopf und warnt:

Nein – das ist kein Geschenk, sondern ein Beleidigung, das geht doch nicht!

In der Hoffnung, dass das Ausmisten auch Ordnung im Kopf schaffen würde, hatte die Kollegin Schreibtisch und Regale geleert, zum Vorschein kamen unzählige Verlagsprogramme, aus denen wir uns sonst gerne Rezensionsexemplare aussuchen. Aus Langeweile fiel ihr Blick auf die Seiten, die wir sonst sofort überblättern:

Lebenslanges Liebesglück zum Preis von 12,99€ verspricht das Produkt aus dem Hause rütten&loening unter dem Dach des renommierten Aufbau-Verlags

Lebenslanges Liebesglück zum Preis von 12,99€ verspricht das Produkt aus dem Hause rütten&loening unter dem Dach des renommierten Aufbau-Verlags

Das erwähnte Machwerk, bei dem ich sofort an Chloe denken musste, heißt Wirklich alles über Männer und es enthält hauptsächlich sexistische Unverschämtheiten über Männer, die mir Schauer über den Rücken jagen. So viele Plattitüden und einfache Lösungen auf so kleinem Raum, das gab es nicht mal in der Bravo Girl. Und dann richtet sich das ausgesprochen dumme Buch auch noch an „schlaue, selbstbewusste Frauen, die es in die Vorstandsetage geschafft haben“.

Äußerst amüsiert über die Dreistigkeit von Autorin – „Dating-Queen und Männerflüsterin“ die laut Werbung nach abgebrochenem Studium der Kunstgeschichte ihre Berufung in einer Online-Partneragentur fand – und Verlag schickte ich Chloe die quietschgelbe Verheißung samt Schlüsselsatz per Whatsapp:

Ich: Schöne, kluge, erfolgreiche Frauen scheitern an dem Irrglauben, dass der Mann ein eben so komplexes Wesen sei, wie sie selbst.  Jetzt weißt du Bescheid.

Chloe: Kann es nicht mehr hören… Dieser Kommerz um meinen Beziehungsstatus!!!

Meine Kollegin hüpfte gleichzeitig aufgeregt auf und ab, als sie mayn erschrockenes Gesicht sah, platzte es aus ihr heraus:

Was sagt deine Freundin? Kannst du es mir sagen? Oder ist es zu privat, was sagt sie???

Ich erklärte ihr, dass Chloe es weniger lustig fände und sich von der Industrie geschröpft fühle, währenddessen tippte ich schnell noch meine Entschuldigung an Chloe und schwor, sie niemals auf ihr Single-Dasein reduzieren zu wollen. Mich hatte ja eher der platte Ansatz und die Verunglimpfung der Männer abgestoßen, mit der die „taktisch versierte“ Autorin den Leserinnen die Jagd auf das Steinzeitmännchen erklärt. Der Mann – so Anna Wilde – sei ein scheues Reh auf einer Lichtung, der sich lediglich für Frauen mit den Eigenschaften „willig, griffig, doof“ interessiere. Ihre Empfehlung an die „Schwestern“: absolute Selbstverleugnung. Wer ein geeignetes Brechmittel sucht, dem empfehle ich die Leseprobe auf der Verlagsseite, es geht in diesem Stil weiter. Die Männer, die ich kenne, sind glücklicherweise nicht so, oder verstellen sich ihrerseits sehr erfolgreich.

Chloe hingegen hielt sich nicht an Details auf, sondern will überhaupt nichts mehr verkauft bekommen, kein Wunder, geneigte Leser erinnern sich sicher, dass sie der Branche der „Dating-Queen“ schon ein paar Euro in den Rachen geschmissen hat. Als Gegenleistung gab es zwar keinen Traummann, aber einige unterhaltsame Geschichten.

Die Kollegin relativierte  Chloes Einwand schnell:

Ach was – Kommerzialisierung betrifft doch jeden Beziehungsstatus – die Singles bekommen den Ratgeber und die Partnerbörse, die Pärchen Romantik-Wochenenden im Hotel, Blumen, Pralinen und Partnermassage-Kurse.

Recht hat sie – aber das Geschäft mit der Liebe schlagen wir aus: Wir kaufen nix!

SpreeSee-WG: Zweiraumwohnung für Zwei

Zwei Jahre lang führten Maya und Chloe also eine „Fern-WG“. Daher waren beide doch etwas aufgeregt, ob mit Chloes Wiedereingliederung an der Spree die WG auch den Alltag überleben würde. Und nicht nur die beiden, sondern auch alle um sie herum sind überrascht, wie harmonisch die 24/7 Druckbetankung verläuft. Bei jedem Telefonat fragen Chloes Eltern besorgt: „Streitet Ihr beiden Euch auch nicht? Versteht Ihr Euch weiterhin gut? Wie läuft das gemeinsame Zusammenleben?“

Das neue Umfeld reagiert auch oft verstört, wenn ich erzähle, dass ich mit über dreißig Jahren mit „meiner besten Freundin“ zusammenwohne.

Chloe und Maya – der Inbegriff der Deutsch Albanischen Freundschaft (DAF) – tauchten vor kurzem gemeinsam auf einem albanischen Konzert in Berlin auf.

Albaner: „Oh! Deine Freundin ist Deutsch. Woher kennt Ihr beiden Euch eigentlich?“

Chloe: „Wir wohnen zusammen.“

Albaner zählt unsere Falten und hakt nach: „Und warum?“

Chloe nutzt die Vorlage: „Weil wir ein Paar sind!“

Albaner versucht die Contenance zu wahren: „Ja. Ja, das ist gut für den Verein, wenn er auch soooolche Leute hat. Das zeigt wie offen wir sind. Aber dahinten in der Ecke solltet Ihr es nicht zu laut sagen.“

Neulich wurden wir auch gefragt, ob wir eine Zweck-WG seien. Schließlich sei das oft ein finanzielles Kalkül. Maya stellte überrascht fest: „Ja, am Anfang war das tatsächlich irgendwie so. Aber inzwischen verdienen wir beide und sind aus freien Stücken zusammen. Es ist tatsächlich schön, jemanden um sich herum zu haben. Das hat sich so entwickelt.“ Chloe stimmt dem zu. Manchmal tut es einfach gut, auf dem Weg zur Küche einen Menschen zu sehen, der sich in seinem Bett mit hochgestreckten Beinen und Laptop auf dem Bauch über eine Sitcom krank lacht. Ein Stück Seelenfrieden.

Aber viel lieber als Maya anzuschauen, quatsche ich sie natürlich mit frischerlebten Geschichten voll! Nach einem Date kam ich zur Berichterstattung in die Küche.

Maya: „Und?“

Chloe: „Ich glaube, ich habe es verbockt!“

Maya: „Wie geht das denn so schnell?“

Chloe: „Ich lachte an der falschen Stelle.“

Maya: „Komm zum Punkt!“

Chloe: „Also… Wir saßen so zusammen und er erzählte mir, dass er mit Ende dreißig immer noch mit seinem besten Freund zusammenwohne. Ich fand das natürlich total sympathisch und schrie freudig heraus, dass auch ich dieses Lebenskonzept teile. Er meinte dann jedoch, dass er gerade auf Wohnungssuche sei. Ich bestätigte, dass auch wir beide uns vergrößern wollen, da uns die Wohnung zu klein wird. Er meinte, dass…“

Maya: „Dass, dass, dass… komm zum Punkt!“

Chloe: „Dass es bei ihm anders sei! Beide haben beschlossen auseinanderzuziehen, um frei für die große Liebe zu sein, die im Jahre 2013 kommen könnte! Ich prustete laut heraus: ‚Du glaubst an die große Liebe?’ Dumme Reaktion meinerseits…“

Maya: „Autsch! Aber auch selten dämlich, präventiv eine WG aufzulösen!“

Chloe: „Ebend!“

Maya etwas nachdenklich: „Aber vielleicht hat er doch irgendwie recht. Vielleicht blockiere ich Dich auch? Vielleicht lernst Du deshalb niemanden kennen?“

Chloe: „Ich war zwei Jahre quasi von Dir getrennt und habe dennoch niemanden kennen gelernt. Da habe ich doch lieber Spaß und belaste mich nicht mit falschen Hoffnungen in einer einsamen Wohnung!“

Nur ein einziges Mal gab es einen kleinen Zwist… Chloe kam spät von der Arbeit nach Hause und sah ihre Pflanze im Zimmer leblos durchhängen.

Chloe: „Ui. Ich muss mal gießen.“

Maya völlig außer sich, als hätte ich auf einen Knopf gedrückt: „Ja! Ja! Ich habe dieses verwahrloste Mahnmal extra so stehen lassen, damit Du siehst was Du ihr antust. Ich habe doch nicht zwei Jahre lang für Dich die Pflanze liebevoll gehegt und gepflegt, damit Du sie in nur zwei Wochen Anwesenheit umbringst! Schau bloß hin was Du ihr angetan hast.“

Chloe: „Ach, Du kennst sie doch. Einmal ordentlich gießen und am nächsten Morgen steht sie wieder wie eine Eins! Kein Grund zum Drama.“

Maya: „Du Barbar!“

Ich glaube, ich muss mal etwas Blumenerde von unserem Balkonnachbarn stibitzen…

Chloe schlägt die ewige Jugend aus!

Neulich saßen Maya und Chloe mit einem Stapel alter ZEIT Magazine auf der grünen Couch und lasen sich nach altem Brauch gegenseitig die großen Fragen der Liebe vor. Maya erlaubte sich den Spaß und machte Chloe auch auf eine besonders kryptische und außergewöhnliche Kontaktanzeige aufmerksam: „Das klingt doch spannend! Schreib dem doch mal.“

Chloe schrieb, chlaubte aber nicht daran, dass sich der Suchende jemals mit einer Antwort melden würde. Eine Woche und ein paar E-Mails später trat Chloe mit hängenden Schultern in die Küche.

Chloe seufzend: „Na, da haste mir ja mal wieder was ganz Besonderes eingebrockt!“

Maya: „Was ist denn jetzt schon wieder los?“

Chloe: „Erinnerst Du Dich noch an die Kontaktanzeige?“

Maya: „Hast Du etwa auf mich gehört und ihm geschrieben?“

Chloe: „Klar. Ich hör ja immer auf Dich!“

Maya: „Und? War er so speziell wie die Selbstaussage in der Anzeige?“

Chloe: „Man denkt ja immer, dass man alles erlebt hat…“

Maya: „Erzähl schon!!!“

Chloe: „Am Anfang war der Briefwechsel noch ganz nett. Aber dann hat er mir unterstellt, dass ich zu dumm für ihn sei!“

Maya: „Wie?“

Chloe chramt Ihr i-Phone hervor: „Ich muss das vorlesen. Den Schwachsinn kann ich unmöglich in eigenen Worten widergeben. Es ist zu schräg. Also… Er schrieb:

Ja, das Auslaufmodell ist noch nicht untergebracht, und Du scheinst nicht zu wissen, auf wen Du dabei bist, Dich einzulassen.

Ich versuchte in meiner Antwort die Situation etwas aufzulockern und dann kam das zurück:“

Was Du Dir da so zu meiner Wenigkeit zusammenreimst ist schon recht amüsant wie erhellend für mich, zeigt es doch in welcher Gedankenwelt Du Dich so eingerichtet hast. Zu lesen, was Du so locker zu Dingen ablässt, wovon Du außer vom Hörensagen keine große Ahnung haben kannst, ist schon aufschlussreich lustig.

Aber immerhin sprichst Du trotz heraushängender Lässigkeit auf meinen Erkenntnisvorsprung günstig an.

Leider ist es nicht angeraten, diesen explizit unter die Leute zu bringen, schließlich sind diese mir – obwohl anfangs mal der Allgemeinheit zum Nulltarif zugedacht –  goldwert geworden, nachdem ich sie klugscheißernden Besserwissern immer wieder wie Sauerbier anpreisen musste.

Maya wie immer neugierig: „Was für ein Erkenntnisvorsprung?“

Chloe: „Er ist Biophysiker und glaubt auf was ganz Großes gestoßen zu sein.“

Maya misstrauisch: „Und das hat bis jetzt noch keiner gewürdigt?“

Chloe: „Nein. Er hat schon diverse Anläufe, gar Dissertationen, gewagt. Aber die Akademie ignoriert sein Wissen!“

Maya: „Wie schrecklich! Diese Vorstellung! Da arbeitet ein Mensch ein Leben lang an einer Idee und keiner glaubt ihm. Was hat er denn untersucht?“

Chloe: „Ja, ja… ich lese weiter…“

Aber wie gesagt, ursprünglich ging es mir nur darum, endlich mal herauszufinden was unser Leben natürlich begrenzt.

Maya höchst erquickt: „Chloe! Der Mann besitzt den Schlüssel zum ewigen Leben und Du schlägst das Angebot einfach aus! Denk an uns, an Deine Freunde! Wir könnten das durchaus gebrauchen!“

Chloe mit ruhiger Stimme: „Warte, warte! Jetzt kommt es ganz dicke, Maya!!“

Da ich unerwartet in einer derart sensiblen Angelegenheit statt auf Interesse nur auf besserwissende Klugscheißer gestoßen bin, habe ich über den Abschluss meiner Forschungen hinaus keine weitere Anerkennung gesucht.

Wozu etwas in falsche Hände geben, wenn es in den eigenen besser aufgehoben scheint?

So bin ich nun mal im Besitz eines Wissens zu gesundheitlichem Selbsterhalt, welches nicht nur Dich ziemlich alt aussehen lässt.

Derzeit gibt es für mich auch keinen Grund, dieses mit mehr als einer idealen Partnerin zu teilen, bis sich vielleicht mal eine sichere Möglichkeit zur Vermarktung ergibt.

Maya: „Chloe! Das ist hochromantisch. Der Mann ist auf der Suche nach einer Frau, der idealen Partnerin!, die als einzige an seine Idee glaubt. Und die darf dann auch aus dem Jungbrunnen trinken!“

Chloe: „Nur zu schade, dass es mir an der nötigen Intelligenz oder Naivität fehlt. Das folgende Angebot nahm ich nicht an.“

Ich würde also einer Partnerin einiges bringen und ihr auch die Teilhabe an einer großen Idee eröffnen.

Allerdings hat sich bisher nur mein Eindruck verfestigt, dass um diesen besonderen Wert zu erkennen, die Intelligenz der Angesprochenen nicht über das Brett vorm Kopf hinausreicht.

Mir soll’s recht sein. Dir auch?

Sicher sind wir nicht in der gleichen Liga, aber wenn Du wirklich noch wo anders ankommen willst, solltest Du einer herausfordernden Idee folgen. Ich habe eine, aber ließe sich damit Dein Altersvorbehalt neutralisieren? Fragen über Fragen.

Chloe erbost: „Altersvorbehalt! Der Kerl ist jetzt schon dreißig Jahre älter als ich. Und was hat das ganze überhaupt mit wahrer Liebe zu tun? Welche Frau will denn mit so einem Mann ernsthaft eine Beziehung eingehen!“

Maya mit erhobenem Zeigefinger: „Die ideale Partnerin, Chloe! Du verstehst das nicht. Für ihn bedeutet doch gerade das die große wahre Liebe: Wenn er eine Frau findet, die seine Idee, die alle seit Jahren belächeln, teilt.“

Chloe ernüchternd: „Ja, vielleicht bin ich sogar für die Liebe zu doof. Dann sterbe ich halt dumm und alt und trinke lieber Gin statt Jugendbrunnen“

Mayas und Chloes neuer Jungbrunnen aus Kanada

Mayas und Chloes neuer Jungbrunnen aus Kanada

SpreeSee-WG newborn: Chloe fehlt der Schatten!

Ich bin wieder hier! Seit zwei Monaten ist Chloe nun zurück. Zurück in Berlin! Somit konnte ich auch endlich ruhigen Gewissens Charlys bissigen Kommentar von vor 2,5 Jahren freischalten…

Am Anfang musste Maya jedoch erst meinen Abschiedsschmerz von der Puppenkiste ertragen. Bei -20 Grad Ankunftstemperatur froren mir die kullernden Tränen über der Warschauer Brücke fest. Als wäre das nicht genug, wurde ich in meinem neuen Lebensabschnitt als „Beraterin“ zusätzlich ins eiskalte Wasser geworfen.

Mit hängenden Schulten saß ich in der Küche.

Maya irritiert: „Chloe! Was ist denn los? Gefällt Dir der neue Job nicht?“
Chloe verwirrt: „Naja. Die arbeiten mit anderen Methoden!“
Maya: „Aber Du kannst doch Scrum!“
Chloe: „Ja, ja. Aber, aber… die wollen, dass ich male!“
Maya mit großen Augen: „M A L E N?“
Chloe: „Ja… Kein Power Point! Ich soll meine morgige Präsentation komplett auf Flipchart halten.“
Maya völlig verständnislos: „Aber warum?“
Chloe erschöpft: „Das scheint wohl gerade der neueste Beraterschick zu sein. Weg von Digital, zurück zum Papier. Mit Zeichnungen statt mit Worten sollen die Kernbotschaften ausgedrückt werden. Gedanken visualisieren… Ach, was weiß ich! Aber alle meine Kollegen waren auf ganztätigen Schulungen, um diese Präsentationstechnik zu lernen!“
Maya besorgt: „Du kannst…“
Chloe: „… gar nicht malen!“
Maya: „Was hast Du jetzt gemacht?“
Chloe: „Naja. In der Küche lag so ein Ringbuch mit Skizzen-Vorlagen herum. Bikablo heißt das „Trainerwörterbuch der Bildsprache“. Ich setzte mich dann hin und suchte passende Motive zu meinem Inhalt heraus. Links mit dem Buch in der Hand und rechts mit einem Edding bewaffnet traute ich mich an mein erstes Flipchart-Blatt heran.“
Maya: „Ist es was geworden?“
Chloe: „Meine Kollegin trat prüfenden Blickes neben mich heran. Und dann kam das vernichtende Urteil: Es fehle der Schatten!“
Maya entsetzt: „Der S C H A T T E N?!?“
Chloe: „Ja! Der Schatten! Schließlich falle das Licht von O B E N!“
Maya trocken: „Von oben!“
Chloe: „Ich sag Dir, da steckt die Büromaterial-Mafia dahinter! Mit der Digitalisierung werden immer weniger Ordner und Klarsichthüllen verkauft. Das muss ja irgendwie kompensiert werden. Also redet man den Leuten ein, dass sie noch mehr White Boards, Flipcharts, Post its in allen Farben der Welt, Klebepunkte zum Auswerten von Ideen…“
Maya bremst aus: „Was ist jetzt mit dem Schatten??“
Chloe: „Und dann gibt es diese speziellen Stifte mit einem besonders großer Keilspitze, um auf Flipchart-Zeichnungen Schatten einzumalen. Wirkt perspektivischer. Aber natürlich nicht irgendwelche Stifte! Die müssen dann schon von der Marke „Neuland“ sein.“
Maya: „Und?“
Chloe: „Ich habe jetzt auch nen Schatten!“
Maya: „Wahnsinn! Diese ganze Industrie. Vielleicht springt dabei auch mal ein Job für MoMa heraus? Die Printmedien zahlen doch immer weniger für Karikaturen. Das wäre quasi eine sichere Investition in MoMas Zukunft! Er könnte Kurse anbieten wie ‚Merkel oder Manager: Bei uns lernen Sie wie Sie vor einer großen Gruppe sicher und mit ruhiger Hand Führungspersönlichkeiten aufs Flipchart bringen!’
Chloe: „Nette Idee, Maya. Aber ich muss jetzt ins Bett. Und vielleicht sollte ich vorher noch ein paar Stimmübungen wie unser nerviger neuer Nachbar machen. Wer weiß, ob ich nicht in naher Zukunft die Gitarre auspacken und mit den Schulungsteilnehmern die Prozesse nachsingen muss!“
Maya: „Du kannst doch nicht einmal…“
Chloe: „.. ich weiß: Gitarre spielen! Für diese zahlreichen ‚Coaches’ bin ich wohl eine Goldgrube!  Die Visual Facilitators reiben sich schon die Hände… Der vom See muss alles noch beigebracht werden! Malen, singen… “
Maya: „… tanzen kannst Du doch aber schon ganz… „
Chloe: „Naten e mire!“

Am nächsten Morgen schaute Maya der traurigen Chloe verständnisvoll hinterher, als diese mit einer riesigen Papierrolle unterm Arm aus der Tür watschte.

Man muss erwähnen, dass Maya sterben würde, bevor sie nur ein einziges Smiley irgendwohin malen oder gar in einer E-Mail einsetzen würde! Neuerdings bietet sie auch auf eine ganz perfide Art und Weise den Emoticons die Stirn:

Maya ist gegen Emoticons

Maya schreibt die Emoticons einfach aus! Mit der Begründung: „Unsere Sprache bietet so viele schöne Möglichkeiten sich auszudrücken, da braucht es keine Bilder!“