Tankstelle versus Späti


Eine beliebte Berliner Einrichtung ist ja der Spätkauf, auch gerne Späti genannt. Überall in der Stadt und besonders in den berüchtigten Trendbezirken bieten kleine Lädchen Nachteulen und Chaoten, die es tagsüber nicht zum Einkaufen schaffen, alles, was man zum Überleben braucht.

Man braucht keine Analyse zu bemühen – die Top-Seller beim Spätverkauf sind mit Sicherheit Bier und Zigaretten. Ich selbst habe schon in unzähligen Nächten dort Nachschub für Parties und Krisengespräche geholt, mich mit Gummibärchen und Eis versorgt und fand es immer großartig, dass es diese Möglichkeit gibt.

Die liebe Chloe hingegen zeigte sich von Anfang an völlig unbeeindruckt von dieser Berliner Institution –

„Spätkauf – Spätkauf – was soll daran so besonders sein? Haben wir auch:

Die Tankstelle ist der Spätkauf des Südens!“

Natürlich stimmt das grundsätzlich, das Prinzip ist ähnlich: auch hier werden nächtlich gestrandete mit dem Nötigsten versorgt. Aber da gibt es doch entscheidende Unterschiede – und ich kann da mitreden, schließlich bin ich doch von einer Tankstelle verfolgt. Wahrscheinlich steht mein Haus in einer der wenigen Gegenden mitten in Berlin, in denen eine Tankstelle näher ist als der Spätkauf (wenn auch nicht viel, aber nachts zählt jeder Meter) und wegen Umzugs rückt diese sogar immer näher und wird mir künftig bei jedem Verlassen des Hauses direkt ins Auge springen – ich kann nur sagen: NOGGERAlARM!

Zu den Unterschieden:

  • im Spätkauf ist es heimelig, er erinnert an diese niedlichen Miniausgaben von Supermärkten, in denen es eben von allem etwas gibt und oft, wegen der häufig ausländischen Besitzer, gibt es fremde Produkte zu bestaunen, Mekkafood, echte YumYum-Suppen, vietnamesisches Kulturgut etc. Welche Tankstelle hat schon soviel Exotik im Sortiment?
  • genau wie früher im Tante Emma Laden bei meiner Oma im Dorf kann man sich im Späti einzelne weiße Mäuse, Riesengummierdbeeren und saure Bohnen aus verschiedenen Boxen bestellen. Wo gibt es das denn heute noch? Klar, Candybars an denen man den Kram selber in die Tüte schippt, die gibt es, aber dieses tolle Gefühl einen Mäusespeck einzeln eintüten zu lassen – das kriege ich nur noch morgens um vier im Späti. Frag mal den Tankstellen-Typen, ob er dir ein einzelnes Colafläschchen aus der Tüte holt…
  • Und das Licht – im Späti schummerig und völlig passend für den nächtlichen Einkauf – in der Tankstellen hingegen Neonterror für die müden Augen, da kann man ja eigentlich nur zu Beginn der Nacht reingehen, wenn das Styling noch sitzt oder ganz am Ende, wenn alles egal ist.

Außerdem glaube ich bemerkt zu haben, dass die Tankstelle im Süden viel mehr ist als ein Ort an dem man etwas kauft, trifft man sich da nicht auch, zumindest die Dorfjugend, oder die Jugend aus mehreren von der Tankstelle belieferten Dörfern?

Und weiterhin gibt es sie nur in der Einzahl: die Tanke.
Spätis dagegen gibts wie Sand am Meer, in der Nähe jedes Clubs, an U-Bahnstationen sowieso, man kann sie zu Fuß erreichen…das geht bei euren Tankstellen nicht!

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3 Antworten

  1. […] leo.org -Wörterbuch in der Definition des schönen Wortes “Späti” mit einem ganz alten Artikel zitiert […]

  2. Ich bin auch frischer Berliner und seit dem ersten Tag über alle Maße von den Spätis begeistert.
    Ich habe mein junges Leben in München verbracht und da gibt es auch so gut wie keine Möglichkeit, nachts irgendwo noch Bier oder was auch immer zu kaufen. Wenn, dann schamlos überteuert.

    Spätis sind klasse =)

  3. […] mit Heimweh im Herzen durch die Puppenkiste zur Zweit-WG. Ich habe einen großen Durst. Jedoch kein Späti weit und breit in Sicht. Ich vermisse […]

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