Bergfräulein & Seekönigin


Es war einmal vor langer Zeit, da bestiegen nur Herren Burg und Berg. Die Bergsteigerlegende Paul Preuß prägte zumal das Schlagwort „Die Frau ist der Ruin des Alpinismus“. Preußens Ende, das er dem Alpinismus verdankte, trat bereits im Alter von 27 im Jahre 1913 ein. Den Durchbruch der Bergsportemanzipation mit der eigens auf die Ergonomie der Frau zugeschnittenen Isomatte Venus Light (gesehen bei Vaude), taillierten Rückensystemen und Pastellfarben im Hochgebirge bekam er somit leider nicht mehr mit.

Zur Moderne. Die olle fast Dreißig-jährige Chloe begab sich letztes WE nach all den Trockenübungen in der Kletterhalle zum ersten Mal in ihrem Leben an einen Frischluftfelsen. Das feminine Frischfleisch holte sich gleich nach der ersten Route wahre Outdoor-Orden ab, die bevorzugt auf Knien verliehen werden.

Kletterorden

Kletterorden

 

Schwierigkeitsgrade gebe ich mal lieber nicht an, da ich so schlecht lügen, mich aber auch nicht so schlecht machen mag. Jedenfalls ging das Ganze ne ganze Weile. Rauf und Runter, ge- und ungewollt. Dass man nach fünf Stunden mal muss, ist wohl verständlich. So begab ich mich auf die Suche nach einer geeigneten Örtlichkeit im Grünen. „Für Königstigerdamen“ – wie eine Freundin von mir zu sagen pflegt. Plötzlich meinte ich mich im Park der Tamponforensik zu befinden. Ich kann es nicht leugnen: Inmitten der aufgedunsenen Celluloidpfropfen gedachte ich beim Pinkeln Paul Preußens Worte. Somit hatte ich zumindest einen provokativen Einstieg für diesen Blog gefunden. Meinen ersten Vorstieg packte ich aus lauter Trotz stolz nach der Pause im Gebüsch.

Aber wie ein Traum
so fliegt auch die Zeit
und der goldne Tag geht vorbei

Die hohen Berge stiegen wir selig gen Abend zum Essen ins Tal. Einer der Seemänner empfahl ein Restaurant, das mir noch unbekannt. Vom Bierdeckel war ich gleich vorneweg ganz entzückt.

Brauereigasthof Schöre

Hernach trat noch ein nettes Duo auf. Trompete und Tuba sorgten für das i-Pünktchen in der inzwischen von Touristen benetzten Urlaubsregion. Und unvermittelt geschah Unfassbares: Ich erkannte eine Melodie!!! Mein angeschwollenes Knie fing der Blutanstauungen ungehindert mit dem Wippen an. Die Blechinstrumente setzten dann plötzlich aus und die reife Bierbankschunkelfraktion mit der gigantischen Bridge von – na was wohl?!?! – „Die Fischerin vom Bodensee“ ein:

Ein weißer Schwan
ziehet den Kahn
mit der schönen Fischerin
auf dem blauen See dahin

 

Dank Mayas Compilation konnte ich plötzlich lauthals mitsingen. EEEEeein weißer Schwaaaaaaaaaaan. Mit dieser inbrünstigen Bekenntnis zum Kitsch beeindruckte ich vor allem meine Begleitung. Aber warum sollte man schwülstige Schlagerklischees nicht genießen dürfen, nachdem man den ganzen Tag seine Frau am Hang gestanden ist! Als Faun wandle ich zwischen Bergsportbrutalität sowie Bierbankidylle gerne auf und ab..

Ein Tag am Bodensee
der kann wie ein MÄÄÄÄääääääärchen sein
die Boote sie ziehn
mit Verliebten dahin
und keiner bleibt am Land

Liebe Maya, auch für diese Lied aus Deiner Compilation mag ich Merci sagen!

 

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2 Antworten

  1. […] mich am nächsten Morgen um 7.30 Uhr aus den süßesten Träumen reißen, um mich wieder in die Berge zu […]

  2. […] uns kurzsichtig macht, wohne ich nämlich keinesfalls dort, wo alle Urlaub machen. Die fröhlichen Blaskapellen im Biergarten haben uns inklusive Touristen verlassen. An den Molen werden die ersten Boote […]

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