Erkenntnis


Ja, ich neige gerne dazu, mich über Programmierer zu beschweren. Sie rauben mir aber auch jeglichen Geduldsfaden und machen mich manchmal glauben, dass ich eines Tages ob eines falsch abgesprochenen Sonderzeichens von heute auf morgen ergraue.

Und plötzlich stoße ich auf den Spiegel-Artikel „Erfolgreich mit Autisten„, der es mir wie Schuppen vor den Augen fallen lässt: Ich bzw. die Programmierer leben in einer anderen Welt! Die wollen mich und meine Anforderungen an die IT-Tools nicht verstehen, sie können es einfach nicht:

Schwer hingegen fällt ihnen Teamarbeit. Empathie zählt nicht zu ihren Stärken. In einer Arbeitswelt, die Teamfähigkeit meist ganz oben in jedes Anforderungsprofil schreibt, haben sie kaum eine Chance (…)

Das mit der fehlenden Empathie werfe ich dem männlichen Geschlecht ja generell gerne vor. Und prompt bestätigt mich der weise Spiegel in meiner Annahme:

Jungen sind laut dem Verein „Autismus Deutschland“ viermal häufiger betroffen als Mädchen.

Wenn ich so zurückblicke, habe ich in der Tat auch noch nie mit einer XX-Programmiererin zusammengearbeitet. Ist es dann überhaupt förderlich, als Frau in dieser Branche tätig bin? Der nächste Absatz gibt mir zu denken….

Eine ruhige Umgebung ist wichtig. Autisten können Reize, die auf sie einströmen, nicht ausblenden. Sie nehmen alles auf einmal in der vollen Stärke wahr. Auf Dauer strengt das sehr an. Und so sind Autisten meist schon nach ein paar Stunden Arbeit völlig ausgepowert.

Meine laute grelle Stimme, meine Pfennigabsätze und mein stetes Nachfragen „Was machen Sie da gerade und wie lange dauert das denn noch!“ muss eine völlige Reizüberflutung darstellen.

Immerhin nehme ich es nun nicht mehr persönlich, wenn wie beim letzten Mal mein Programmierer nach drei Stunden mit der Begründung „Ich bin nervlich völlig am Ende“ sich wieder ins Hotelzimmer verkriecht. Das ist genetisch, das ist entschuldigt!

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9 Antworten

  1. Es tut mir Leid, deine neu gewonnene Erkenntnis damit belasten zu müssen, ich weiß wie schwer die Bürde des Kontaktes mit Empathielosen auf dir liegt, dennoch kann man das nicht einfach durchgehen lassen. Wie du schon öfter erwähnt hast, maynt Maya, dass man Menschen nicht ständig unterfordern sollte. Genauso wenig finde ich es richtig, Leute allzu leicht zu entschuldigen. Die Genetik kann auch nicht immer für alles herhalten. Schon Simone de Beauvoir, die sich ebenfalls mit der Problematik beschäftigen musste, hat erkannt,

    „dass nicht die Physiologie Werte begründen kann: die biologischen Gegebenheiten bekommen vielmehr den Wert, den der Exisitierende ihnen gibt.“

    Sei standhaft! Gib dem Autismus der Programmierer keinen Wert!!!

  2. Maya, ich habe bloß keinen Bock mehr auf genetische Fettnäpfchen vor dem Vorstand. Als ich neulich unserem Projektleiter über den Projektor eine Grafik an die Wand klatschte und nachfragte, was er wohl aus dem desolaten Zahlenmaterial ableiten könne, antwortete er etwas verlegen und mit einer gewissen Errötung im Gesicht: „Nix“. Ich war ob der frechen Antwort so wütend, dass ich mit einem üblen Wortspiel auf seinen Namen patzte. Mein CFO kniff fortwährend die Augen zusammen und ich deutete diese unverschämte Geste mit dem Satz „Ich kann dieses beschissene Machogehabe nicht mehr abhaben!“ noch fettnapfiger… Maya, Eine Rot-Grün-Sehschwäche bleibt eine Rot-Grün-Sehschwäche!

  3. Hihi – dann sage ich es hier eben auf dein Geheiß hin noch einmal:
    Liegt alles im Auge der Betrachterin!

    Ansonsten musst du mir den Zusammenhang von Augen zusammenkneifen und Machogehabe vielleicht mal „off the record“ erklären. Irgendwie verstehe ich den nämlich weder mit noch ohne genetischer Argumentation.

  4. Das war der Blink, eh Wink, mit dem Zaunpfahl, dass es der Projektleiter mit den Augen hat…

  5. Und es mit den Augen zu haben ist jetzt neuerdings Machogehabe????
    Ich stehe auf dem Schlauch.

  6. Also:
    1. Projektleiter hat Sehfehler.
    2. CFO versucht mich dezent darauf hinzuweisen und zwinkert mit den Augen.
    3. Chloe chlaubt, dass es sich dabei um eine plumpe Anmache handelt.
    4. Situation eskaliert.

  7. AAAAAhh – manchmal schluckt sich der Apfel der Erkenntnis etwas schwieriger – mir blieb er heute eine Weile im Hals stecken – und das ausgerechnet bei einem Beitrag, der Erkenntnis heißt.
    Nenn mich Schneewittchen, als Eva bin ich offensichtlich ungeeignet!
    Aber zurück zur Situation –
    dann war das ja alles nur ein bedauerliches Missverständnis, ganz ohne Genetik und sexuelle Belästigung!

  8. Genetik schon: Rot-Grün-Sehschwäche.
    Die Herrin vom See entschuldigt Schneewittchens umnebelten Blick. Ich sitze ja quasi am Quell der Erkenntnis: Auf der mystischen Apfelinsel! Momentan wird zwar schon geernet, aber nur Hopfen. Sobald die ersten Äpfel reif sind, schicke ich Dir einen Gruß aus Avalon.

  9. Hier ein Link zum Thema, grade gefunden: http://www.msnbc.msn.com/id/7899821/

    Bill Gates ist sozusagen der Ober-Autist…

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