No-Gos bei Dates: Finger weg vom Schlund!


Handtaschen gibt es in diversen Größen. Am liebsten sind mir geräumige, die Platz für Zeitung, Notizblock sowie den neuen Kracht lassen. Zu meinen Schuhen passen sie farblich nicht immer, zu den Handschuhen aber sicher. Jedenfalls verbindet Frau viel Geschichte mit den Beuteln aus Leder, Stoff oder sommerleichtem Bast. Während auf Fotos gerne mal unsere Köpfe rollen, tollen unsere edlen Accessoires recht keck um unsere Hüften oder setzen sich unter der Achselhöhle ins rechte Licht der Chronologie unserer Modehysterie. Chloe besitzt lediglich ein paar sehr ausgewählter Stücke. Immer in Maßen. Denn – wie sie gerne zu sagen pflegt –

Das führt ja zu nix!

Wann soll man all die schönen Begleiter tragen? Gleichzeitig geht es ja eh nicht. Für Berliner Frauenverhältnisse scheint Chloe dennoch sehr gut bestückt zu sein. Ihr Date aus dem Club bemerkte nämlich am nächsten Tag im St. Oberholz am Rosenkrieger Platz (Insider!):

Oh, Du hast tatsächlich zwei Handtaschen für Deinen Trip nach Berlin mitgenommen.

Ich patzte weibisch, dass man schlecht seine sackförmige überdimensionierte Tote Bag als Ausgehhandtasche zu einem Tanz mit einem Faun umschlingen kann! Dass mein Faun am nächsten Tag statt eines Flo- einen Reh-Applikationsgürtel trug, ließ ich unkommentiert.

„Bag follows function“ ist eines meiner Leitmotive bei der Auswahl meines Heims am Riemen. In einem Club werde ich sicherlich nicht in die Verlegenheit geraten und ein Buch aus meiner Tasche zum Schmökern rausziehen wollen.

In meine kleine Baguette-Handtasche passt während meiner achtstündigen Zugfahrt gen Norden hingegen nur schlecht eine Wasserflasche oder eine Tüte Gummibärchen rein.

Aber nun zum Wesentlichen. Der absolute No-Go beim ersten Date: Man(n) hat niemals die Berechtigung unaufgefordert seine Zubehörteile in das Fass mit Boden einer Frau zu stecken!

Das ist keine Wickeltasche, in der wir Frauen Eure notwendigen Utensilien zum Leid unseres Rückens gleich mitschleppen. Solch Schmarotzerverstauungsverhalten ist unverfroren! Eine Analogie: Stellt Euch vor, wir würden Euren Sportflitzer gleich beim ersten Date beim Ausparken mit einer Beule kastrieren. Der Vergleich hinkt? Ich hinke auch immer ganz schön, wenn Handy, Geldbeutel und der Schlüsselbund mit dem Umfang eines Reisebügeleisens gegen meine Taille schleifen. Ohne Vertrag – z.B. Ehevertrag – ist ein derartiges Muli-Geschäft nicht zu dulden. Was ich von der Institution Heirat an sich halte, sei vorläufig dahingestellt. Frech ist es allemal, wenn die ganze unwissende Welt da draußen plötzlich davon ausgeht, dass der Nerd neben Dir Dein Handtaschenabschnittsgefährte ist, nur da er seine Kreditkarte bei Dir parkt. Ich hasse den Satz „Kann ich mal meinen Geldbeutel haben?“. Der Zugriff unbefugter Hände in meinen ledernen Schlund ist strengstens untersagt. Mein Interieur ist scheu! So hielt z.B. neulich ein Typ am Nachbartisch im Restaurant neben seinem Sportwagenschlüssel plötzlich ein Tampon in seinen Händen. Wäre er cool gewesen, wäre er zumindest nicht so peinlich rot angelaufen…

Als ich nun gestern neben so nem Date im Theater saß und gerade meine Eintrittskarte in die minimalistische Handtasche ablegen wollte, nutzte der Stauraumwirt die Gelegenheit und schob schäbig seinen fetten Geldbeutel ohne zu fragen hinein. Ich bin immer noch so wütend darüber und beende den Diskurs mit einem Wort: Handguillotine !

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7 Antworten

  1. Ich stimme absolut zu! Bis auf die Tatsache, dass ich, in meinem anderen Leben, durchaus auch schonmal Clubabende erlebt habe, bei denen ich gerne ein gutes Buch dabeigehabt hätte. Das wäre mal so ein richtiges Statement. Im Atomic Café, das mir inzwischen viel zu jung und viel zu aufgesetzt alternativ geworden ist, mit einem Buch in der Ecke zu sitzen. Ha!

  2. Liebe Chloe, da hast du ein oft viel zu stiefmütterlich behandeltes Thema, das auch mir schon lange auf der Seele brennt, beherzt angefasst!
    Ich finde diesen Rüpel, der so mal eben deine Tasche als mietfreien Lagerraum okkupierte einfach unverschämt. Das gehört sich nicht – die Handtasche einer Frau ist eindeutig eine Intimzone, zu der nun wirklich nicht jeder Zugang bekommen kann. Meiner Meinung nach sollte dieses Privileg nur langjährigen Gefährten und stets unter Protest gestattet werden. Eigentlich ist es eine Unart. Taschenehen sollten schon um des lieben Friedens willen verboten werden. Denn neben dem eigenen Hinken und dem ständigen hilflosen Fragen des Mannes nach den geparkten Habseligkeiten kommt es ja zu weiteren lästigen Nebenwirkungen: das aus Unkenntnis für weibliches Chaos geborene verzweifelte eigenständige Wühlen, bei dem Mann schließlich alles zu Tage bringt, hast du ja schon erwähnt. (Fassungslos musste ich Charli schon mehrmals davon abhalten, den gesamten Inhalt des Allerheiligsten einfach irgendwo auszuschütten.)
    Mir aber ist weiterhin aufgefallen: eine geteilte Tasche ist perfide wie eine elektronische Fußfessel. Du fühlst dich zwar frei, aber du bist es nicht. Denn sobald du dich etwas vom Inhaber der Gastpassagiere entfernst, musst du mit vorwurfsvollen und beleidigten Blicken, ja sogar Sprüchen rechnen.

    „Ähh – hallo – und wie soll ich jetzt bezahlen?“

    Maya maynt, wenn der Mann sich zur Kasse bewegt, könnte er voraussehen, dass er in Kürze ein Zahlungsmittel benötigt, er könnte es bereits anfordern und nicht einfach davon ausgehen, dass man ihm alles auf Schritt und Tritt hinterherträgt. Ich bin schon für gemeinsame Erlebnisse, aber Schlangestehen ist jetzt nicht gerade meine liebste Paaraktivität.
    Fußfessel die Zweite: wenn du sein Handy beherbergst und es klingelt während er nicht in Sichtweite ist, hast du nur grauenhafte Alternativen für deine Reaktion zur Auswahl.
    Sekretärin spielen? No way.
    Klingeln lassen? Wer hält das schon aus…
    Losbrüllen „Mann – dein Handy klingelt?“ Zu peinlich.
    Die schlimmste Schmach ereilte mich aber neulich im Theater, als meine Tasche plötzlich mitten im zweiten Akt laut vibrierend zwischen meinen Füßen über den Boden schubberte. Was für einen Grund es geben mag, das Handy in diesem Fall nicht ganz auszuschalten, bleibt mir so schleierhaft wie für Charli meine Aufregung unerklärlich:

    „Das hört doch niemand!“

    Und selbst wenn wir eigentlich unser Hab und Gut schon längst wieder auseinanderklamüsert haben, oder vielmehr ich, zu Hause angekommen, alles sofort wieder rauswerfe, hat das ganze Drama stets noch ein Nachspiel. Denn Charlie hält meine weibliche Taschenhöhle grundsätzlich für einen alles verschlingenden Höllenschlund. Was auch immer jemals einen Blick dort hinein geworfen hat, vermutet er sobald ich da bin grundsätzlich erst mal in meiner Tasche, auch wenn es schon Tage her ist, dass ich seinen Autoschlüssel oder sonst etwas in Obhut nahm und er ihn inzwischen fünfmal selbstständig zu transportieren vermochte, heißt es:

    „Wo ist der Autoschlüssel? Bestimmt noch in deiner Tasche!“

    Es scheint ein prägendes Erlebnis zu sein, diese Dinge zu überantworten. Ich kann da leider nicht richtig mitreden, denn ich trage meinen Kram stets selbst. Obwohl in meinem männlichen Freundeskreis zahlreiche Taschen- und Rucksackmänner wandeln, die gar nicht etepetete in solchen Fragen sind und mir schon oft Platz in ihren Beuteln anboten, sowie sich gegenseitig ihre Päckchen auf den Rücken luden und beluden.
    Das Verhältnis zum Behältnis scheint doch recht unterschiedlich ausgeprägt. Was chlaubst du Chloe? Sind wir einfach nur unbeschreiblich weiblich oder gar Taschen-Autistinnen?

  3. Autistin wohl nicht. Jedoch verteidige ich gerne mein Königreich! Handtaschenbesetzungen bzw. Kreditkartenkommunen sind in meinem Rechtsempfinden illegal. Das höchste der Gefühl ist und bleibt es, einen Rucksack mit Maya nach Belzig zu teilen. Aber aufgrund des furchtbaren Inhalts, einer Cola Light, kamen wir eh nur selten in die Verlegenheit, uns gegenseitig etwas herauszuholen.

    Über Deinen eloquent ergänzenden Text freute ich mich enorm. Er durchleuchtete das Thema bis ins tiefste Innenfutter unserer Lieblingsstücke. Ich hoffe, dass Charly (in Deinem Schreibwahn hast Du wohl mehrmals seinen Namen als Rache für Vibrationsalarme orthografisch massakriert) auch noch was zu Lachen hat. Zumindest sprachst Du mutig aus, was tausende von Frauen in Beziehungen tagtäglich erdulden müssen!
    Als Single kämpft man neben der Gefahr einer Geldbeutelinvasion zusätzlich mit dummen Kommentaren zum Wert der Handtasche. Ein Date – noch Doktorand – war einmal so von meiner Hugo Boss-Handtasche geblendet, dass er fortwährend im Gespräch erwähnen musste, wie viel er verdient bzw. später verdienen wird. Glaubte der etwa ernsthaft, dass er bei Eintritt einer Lebensgemeinschaft mit mir meinen Fetisch finanzieren müsse? Dabei war meine Tasche ein Factory Outlet Glücksgriff für den Preis einer popeligen Esprit-Farce gewesen. Von wegen Kleider machen Leute! Ich bin doch der größte Schwabe den es gibt.

    @Isarpiratin: Ja, hier unten am See stehe ich selbst oft mit dem Rücken an der Wand bei den Tönen zu Cover Bands und wünschte mir direkt einen Updike oder Goethe in die Hand. Aber das lieferte nur noch mehr Baggerpotential für die 18-jährigen Seemänner. Wenn ich ob der Ohrtortur demonstrativ nicht mehr tanze, kommen die Abiturienten reihenweise von Hinten angepirscht und zwingen einen zum Schunkeln: „Komm, ich zeig Dir, wie man das macht!“ – Auch in diesem Fall hätte ich gerne ein Buch in der Hand, um den 1.9 Promille-Idioten eine überzubraten!

  4. Oh Chloe – gerade hatte ich die Erinnerung an die chemische Geschmackskombination aus meiner gewonnenen Cola Light (wenn die wüssten) und den Gummibärchen verdrängt, die uns die Flämingfahrt über begleitete…und jetzt ist die Erinnerung wieder da! Belzig, Belzig – was bist du doch öd` und leer…

    Und ach – wie konnte ich nur Charly falsch schreiben?
    Ich schäme mich.
    Tatsächlich hat mich das Thema so in Aufruhr versetzt, dass ich Zuflucht bei der Vokaltheorie suchte – ich wollte wohl kurzerhand die Disharmonie auch linguistisch unterstreichen. Du weißt ja, manchmal macht Maya sich die Welt wie sie ihr gefällt. Meine fantastischen Ausschweifungen führten schließlich auch schon öfter zu bunten Übertreibungen deiner Lebensgeschichte.

    Lesen im Club? Nö, da geht man doch einfach in den nächsten, wo die Musik besser ist.

    Schunkellehrern gehört allerdings eine übergebraten, nur Bücher sind doch dafür viel zu schade. Vielleicht hätte ich dir in Belzig doch ein Nidhögg-Schwert oder eine andere geeignete Waffe kaufen sollen. Das könnte man dann zur Not auch gemeinschaftlich aus dem Rucksack zerren, wie Excalibur vom Grund des Sees – Moment mal – „Herrin vom See“ – der Sage nach war das Schwert doch schon in deinem Besitz…hättest du es mal behalten, um dein eigenes Königreich zu verteidigen… Handtaschenmitbewohner könntest du damit sicher locker in die Flucht schlagen.

  5. […] Familienbesuchs und Feier einer Schnapszahl in die Mutterstadt gereist, sah ich mich nicht nur der Taschen-WG ausgesetzt – nein, der gut gefüllte Kühlschrank meines Gastgebers war auch mal wieder umgezogen. […]

  6. […] ich nicht. Das stechendste Argument ist ohnehin, dass Badu mit Bag Lady einen Beitrag zu unserem vielgeliebten Handtaschendiskurs […]

  7. […] Abgründe beiseite… wieder zum Wesentlichen: in puncto Handtaschen wissen männliche SpreeSee-Leser bereits, wie sie Maya manisch und mich cholerisch werden lassen. […]

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