MTV EMA USA LOL


Ich schimpfe ja immer gerne auf MTV, weil sie keine Musik mehr spielen und stattdessen lieber am laufenden Band die absurdesten Reality-Formate senden unterbrochen von der noch absurderen Werbung. Zum Glück gibt es das Internet und tape.tv (siehe Zerstreuungs-Link).

Für eines ist der ehemalige Musiksender aber immer noch gut: Für Live-Shows und Preisverleihungen. Da sitzt selbst Maya wieder vor der Glotze und singt beseelt:

I want my MTV

So auch gestern, als es um die EMA – die Europe Music Awards – ging, die diesmal in der Geburtsstadt der Popmusik stattfanden – in Liverpool. Britisch war da ansonsten allerdings recht wenig. Als hätte MTV geahnt, dass einen Tag nach der Wahl in den USA ein neues Zeitalter der Europäisch-Amerikanischen Freundschaft anbrechen würde, waren sowohl Host Katy Perry (in bezaubernden Pinup-Outfits und Bühnenbildern) als auch die Betreuer der on-stage VIP-Lounge  30 Seconds to Mars (mit Jared Leto, dessen Nirvana-Gedächtnis-Klamotte schrie: „ich wäre soooo gerne wie Kurt Cobain“) aus Obama-Land. Nicht nur sie, sondern auch die vielen amerikanischen Musiker betonten ausnahmslos erstmal, wie glücklich sie über den Ausgang der US-Wahlen seien, die EMAs kamen mir deshalb zeitweise wie eine musikalische Wahlparty vor, aber was solls, ich habe mich ja schließlich auch gefreut.

Zurück zur Musik: Ein paar Briten durften in Liverpool schließlich doch auftreten, zum Beispiel die gealterten Jungs von Take That, die das 15-jährige Jubiläum symbolisierten, traten sie doch schon bei den ersten EMAs auf. Sie waren diesmal ziemlich am Anfang dran und brachten mich unfreiwillig zum Lachen. Der Titel, na ja, nicht gerade ein Knaller, die Gesangsqualität war bei Boybands eigentlich eh schon immer Nebensache, nur damals konnten sie sich das noch leisten, weil sie ganz lecker aussahen und sich durch außergewöhnliche Kostüme und schweißtreibende Tanzeinlagen hervortaten.

Und hier sind wir beim Problem von Boybands über 30: Die lassen sich nicht mehr von Produzenten und Drillmeistern zu sexy Outfits und spektakulären Gruppenchoreografien verdonnern. Bei Take That war das gestern allerdings ein schwieriges Thema, denn offensichtlich wissen die nicht so richtig, was sie mit ihrem Körper machen sollen, wenn nicht jede Bewegung vorher geübt wurde:

Was macht denn Mark Owen da? Sieht aus als würde er ein imaginäres Gegenüber abwatschen…

Ebenfalls etwas „drüber“ fand ich Bonos Laudatio für Paul McCartney, der die Trophäe als „Ultimate Legend“ bekam und selber irgendwie nicht allzu viel zu sagen hatte, vielleicht steckt ihm die Scheidung noch in den Knochen. Aber was soll’s, alle waren begeistert, es war halt in Liverpool.

Und neben seinen Verdiensten als Beatle ist dem guten alten Paul ja auch zu verdanken, dass es die großartigen The Wombats gibt, die wurden schließlich an seiner Popschule (LIPA) ausgeblidet und ausgerechnet sie habe ich verpasst. Irgendwie misteriös, denn im ganzen Internet kann ich kein Video ihres gestrigen Auftritts finden. Dabei haben sie sich den besonderen Spaß gegönnt und Leona Lewis Schmacht-Ballade „Bleeding Love“ gecovert. Bis ich das Video finde, muss also das hier herhalten

(Daraus lernen wir: Nicht jede Coverversion ist schlecht, selbst Frau Lewis hat sie artig mit „Good job, boys“ gelobt, nur reine Cover Bands gehören gesteinigt.)

Alle anderen Auftritte von den Ting Tings über Kanye West (mit und ohne Estelle im Stern-Kleid), die Killers und Pink haben mir auch durch die Bank weg gut gefallen, nur Duffy hat meine Erwartungen nicht ganz erfüllt und darüber dass Tokio Hotel „beste Headliner“ wurden, verliere ich kein weiteres Wort.

Sehr amüsant waren aber definitiv auch die Fur TV Schnipsel für die „Rubber Rocks“ Kampagne. Dieses Anliegen verfolge ich selbst ja seit einiger Zeit auch mit großem Sendungsbewusstsein.

Was für ein Spaß, nach gestern Abend bin ich zumindest kurzfristig wieder versöhnt mit MTV.

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4 Antworten

  1. Den fabelhaften Wombats Auftritt gibt es zwar immer noch nicht auf Youtube, aber immerhin hat MTV ihn jetzt mit einiger Verzögerung online gestellt. Wahrscheinlich musste da erst noch was geklärt werden…

  2. […] Blogger-Fahne am Wochenende hochhielt, hat sich wieder völlig mit der Realitätsaufnahme via Monitor […]

  3. […] und dem Zeigefinger folgt nun der lustige Ausstieg mit Zeigefinger. Wie ich bereits bei den MTV EMAs bemerkt habe, gibt es ja zum Glück noch ein paar mehr kreative Köpfe, die sich mit dem Thema […]

  4. […] -Und diese Bübchen mit ihrer nichtssagenden Musik und den albernen aufgesetzten Text haben den MTV EMA für den besten Live-Act […]

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