Warten aufs Christkind mit Bill Kaulitz und Jimi Blue Ochsenknecht


Nach Tagen voller November-Blues, voller ich-kann-den-Himmel-nicht-sehen-und-der-grauenhafte Hochnebel-verschluckt-alle-Orientierungsspitzen-vom-Alex-bis-zum-Schornstein-und das-Leben-ist-grau-und-öd-Blues, habe ich mein Eremitinnendasein aufgegeben.
Die Vorhersage auf Sturmböen (heute) und Schneefall (spätestens morgen) weckte in mir – Windsbraut und Schneehaserl das ich bin – die Lebensgeister. Außerdem ist nicht mehr vor die Tür zu gehen ja auch keine Lösung.

Doch kaum war ich draußen, wurde ich wieder mit den Widrigkeiten der modernen Warenwelt konfrontiert. Inzwischen ist es ja so weit, dass die seit August herrschende kulinarische Adventszeit langsam in die tatsächliche Vorweihnachtszeit übergeht. Ich war also nicht überrascht mitten auf einer Schoko-und Glaskugel und Co.-Aktionsfläche gelandet zu sein, als ich ein Kaufhaus betrat. Doch was ich da zu sehen bekam, konnte ich meinen heidnischen Augen kaum glauben:

foto01781

Weihnachtsschund auf dem Grabbeltisch

Adventskalender von Tokio Hotel, Wilde Kerle und welche mit Sexy X-mas Motiven (= Menschen, die nur mit Unterwäsche bekleidet, dafür aber mit Engelsflügeln und Nikolausmützen ausgestattet sind).

Sorry für den harten Ton (das ist der Manic-Maya-Modus), aber – was soll denn diese Scheiße????

Ich bin nun wirklich frei von irgendwelcher Frömmelei und als Ungläubige auch nicht gerade die, die nach dem wahren und echten Sinn der Heiligen Nacht ruft, aber ich bin doch soweit eine Verfechterin des humanistischen Abendlandes, als dass mich diese Säkularisierung von Weihnachtsbräuchen zu dämlichen Fan-Devotionalien ankotzt.

Was hat Tokio Hotel denn bitte mit Weihnachten zu tun? Warten wir jetzt mit Bill und seinen Bandkumpanen auf das Christkind?

Statt Drei Nüsse für Aschenbrödel drei Haarspraydosen für den „Sänger“ der Wunderteeny-Band, damit er mit seiner Pseudo-Nena-Frisur durch den Monsun kommt!

Wer kauft das denn seinem Kind? Solche Eltern muss man doch der Super Nanny melden.

(Für einen kurzen Moment voller Verzweiflung und Verwirrung glaubte ich – dort vor dem Grabbeltisch mit den schlimmen Dingen – den wahren Grund für die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen erkannt zu haben: die Angst kleine Tokio-Hotel-Fans und Wilde-Kerle-Seher zu gebären – dann doch lieber keine Nachkommen! Kaum hatte ich das Kaufhaus verlassen, wurde die Reizüberflutung geringer, mein Geist wieder klarer und ich verwarf ich die These doch als gar zu steil)

Ich kann nur allen Eltern zurufen: Schützt eure Kinder vor diesem Schrott!

Reicht es nicht, dass die das ganze Jahr über in Halloween-Verkleidung herumlaufenden Jungs vom Goethe Institut herumgeschickt werden, um Deutschland zu repräsentieren? Was soll die Welt denn von der einstigen Nation der Dichter und Denker halten, wenn alle nur noch Tokio Hotel mit uns verbinden? Mir passt das überhaupt nicht, ich kann mich damit keinesfalls identifizieren.

Ha -Und diese Bübchen mit ihrer nichtssagenden Musik und den albernen aufgesetzten Text haben den MTV EMA für den besten Live-Act gewonnen!

Kein ernstzunehmender Musiker lässt ein Foto von sich auf einen Adventskalender gefüllt mit Vollmichschokoladentäfelchen drucken. Jeden Tag ein neues Lied, dass sie nicht schreiben und veröffentlichen und dafür ein gutes Musikstück auf ihrer Chartsplatzierung, das wäre ein Tokio-Hotel-Adventskalender nach meinem Geschmack!

Wobei – wenn Adventskalender jetzt völlig unabhängig von Winter-Weihnachtsthemen sind und mit Musikern bedruckt sowie Genussmitteln gefüllt sind- dann aber bitte mit ein paar Alternativen für erwachsene Fans!

Ich hätte da schon einige Vorschläge:

Der Reggae-Adventskalender mit einer erlesenen Auswahl von verschiedenen Grassorten, am 24. gibt es dann im großen Türchen sogar nen Kanten vom Schwarzen Afghanen, da schmeckt die Gans unterm Tannenbaum dann doppelt so gut.

Schön wäre auch ein Babyshambles/Amy Winehouse-Adventskalender mit 24 verschiedenen Shots und kleinen Dosen von Kokain, Heroin und allem was sonst ordentlich reinpfeift.

Für Raver tut es eine Version mit bunten Pillchen und für ältere Herren kommt die Sexy X-mas Ausgabe ebenfalls mit Pillen, nur sind die alle blau…

Na ja – genug davon.

Nach diesem schweren Schlag kann ich nur hoffen, dass der alte Dickens die Geister der wahren Weihnacht mal wieder auf die Erde schickt, oder wenigstens der selige John Peel ein wenig Musikgeschmack vom Himmel schneien lässt. Am besten jedoch beides und bitte schnell!!!

Ich wende mich jetzt wieder dem Blues zu, dem ich-kann-diese-fade-sinnentleerte-Welt-in-der-die-Menschen-dämlichen-Idolen-nachrennen-nur-schwer-verstehen-Blues.

Ich sing den Blues – ich sing den Blues…

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4 Antworten

  1. […] fotografierte sie Mode-Mäuschen in der Galerie Lafayette. Letzte Woche trieb dann eine harmlose Weihnachtsaktionsfläche die kleine November-Blues-Leidende in den Manic-Maya-Modus. Ich amüsierte mich köstlich über […]

  2. […] Während sich Manic-Maya noch über den Tokio-Adventskalender aufregt und sich zynisch Parodien erspinnt, scheint sie in der Tat eine Marktlücke entdeckt zu […]

  3. […] anders deuten – Weihnachten rückt immer näher, auch für nicht-Besitzer des ein oder anderen Adventskalenders ist das nun […]

  4. […] Maya, ab sofort bist Du mein persönlicher Byron, Shelley & Keats in einem ! Dein lyrischer November-Blues klingt auf Englisch noch […]

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