Papapapapaparazzo – Maya sucht den Superfotografen


Manchmal hält das Leben grausame Desillusionierungen für einen bereit.
Die tiefste Enttäuschung meines aufregenden Nebenberufslebens als Käseblatt-Reporterin trat mir eindeutig in Gestalt eines Fotografen entgegen. Ich hatte so viele Hoffnungen in diese Begegnung gelegt und nun mutierte ich zum Lyrischen Ich in Tucholskys „Ideal und Wirklichkeit“:

Du präparierst dir im Gedankengange

das, was du willst – und nachher kriegst das nie…

Man möchte immer eine große Lange

und dann bekommt man eine kleine Dicke –

C’est la vie-!

Ja – Meine Erwartungen waren gigantisch gewesen. Kein Wunder bei all den großartigen cineastischen Vorlagen.

Joe Bradley kann sich auf Irving Radovich verlassen (Roman Holiday), Marcello Rubini hat seinen Paparazzo (La dolce vita), Baby Schimmerlos den Herbie Fried (Kir Royal) …

Auf der guten alten Kinoleinwand wimmelt es nur so von journalistischen Dreamteams. Wie glorreich stellte ich mir deshalb schon seit jeher das Leben als Reporterin vor. Seite an Seite mit dem knipsenden Kollegen, der meine goldenen Worte mit den passenden Bildern garnieren sollte, wollte ich Stadt, Land, Welt bereisen und beschreiben.

Ideal = große Lange

(1)Im entscheidenden Moment, kurz vor der provokanten Interviewfrage, genügte nur ein verstohlenes Zwinkern, und er wüsste, dass er draufhalten muss,

(2) auf der Jagd nach guten Storys und Motiven wäre uns kein Weg zu weit,

(3) bei aufregenden Abenteuern könnte ich ihm zurufen „hast du das im Kasten?“ und nach getaner Arbeit würden wir noch kameradschaftlich etwas trinken gehen, wobei unsere Gespräche von gegenseitigem Respekt und Bewunderung für die Arbeit des anderen geprägt wären.

Unsere Eigenschaften würden sich kongenial ergänzen und nur ab und zu hätten wir Differenzen über Berufsethos und die Wahl der Lebens- und Sexualpartner oder kleine liebevolle Kabbeleien. Kurzum – wir wären eingespielter als die besten Tatortkommisare und natürlich viel, viel  glamouröser.

Und wen habe ich tatsächlich abbekommen? Ein trotteliges Äffchen (er sieht wirklich so aus – oft schäme ich mich für ihn, wenn wir gemeinsam unterwegs sind, für sein Gesicht kann er ja nichts, aber auch Outfit, Umgangsformen und Art zu sprechen sind allenfalls possierlich, tatsächlich aber zum Fürchten).

Das ist nicht fair!

Nicht der Traumkollege setzte sich also damals, in der Woche vor meinem ersten Interview, mit mir in Verbindung, sondern ein ziemlich ungehobelter Typ, der es auch bei unserer allerersten Begegnung nicht für nötig hielt, erst einmal „hallo“ zu sagen und sich vorzustellen und der- seitdem ich ihm deshalb einen strafenden Manic-Maya-Blick zuwarf – nur noch sehr ängstlich und unsicher mit mir spricht.  Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine fruchtbare Gemeinschaftsarbeit. Auch seine fotografischen Fähigkeiten sind eher mittelmäßig – von Kongenialität konnte ich noch keine Spur entdecken. Stattdessen entwickelte er sich zum Anwärter für die Nervbacke des Jahres. Ganz ehrlich – was für Chloe der Programmierer, das ist für mich inzwischen der Fotofritze geworden. Ein Sargnagel – a real pain in the ass!

Wirklichkeit = kleine Dicke

(1) Er weiß nie, wann und wie er draufhalten muss und wird auch kein Gespür dafür entwickeln, denn er übt seine bescheidenen Künste meist vor oder nach meiner Recherche aus und er hört auch nicht auf mich – eine Tatsache die Charly zu der Aussage verführte:

Das passt dir also nicht am Äffchen – es tanzt nicht nach deiner Pfeife!

Dabei stimmt das nicht – gerne würde ich mich von einem guten und erfahrenen „partner in report“ eines Besseren belehren lassen. Ich hätte gar kein Problem damit, dass ich nicht den Ton angebe, wenn dabei nur etwas Sinnvolles herauskommen würde – im Idealfall ein gutes Bild.

(2) Nein das Äffchen schafft es sogar, sich bei von mir vorbereiteten Fototerminen in meiner Abwesenheit dermaßen daneben zu benehmen, dass er unverrichteter Dinge wieder weggeschickt wird. Und wenn es mal nicht anders geht und wir wirklich miteinander losziehen, sind ihm selbst präziseste Angaben („im Kassenraum des Museums“) nicht gut genug. Mit der Begründung, er wisse ja nicht wo die Kasse sei, muss man sich mit ihm vor dem Gebäude und mit Unterstützung des Telefons treffen.

(3) Aufregend ist also nicht der Gegenstand der Reportage, sondern das Dirigieren des Fotofritzen mit dem Organisations- und Orientierungstalent eines Kleinkinds. Das Abenteuer Mutterschaft hatte ich mir eigentlich für später aufgehoben. Das einzige, das ich ihm zurufe ist daher: „Hast du irgendetwas Brauchbares?“. Kein Wunder also,  dass das Fotoäffchen und ich nach gemeinsamen Aufträgen möglichst schnell wieder unserer Wege gehen und keinesfalls überflüssige Worte miteinander reden, weder beruflich noch privat.

Wenig Glamour also und viel Peinlichkeit!

Tja Maya – da fantasierst du dir so einen Schwachsinn zusammen und dann bist du beleidigt, weil das Leben nicht so ist, wie du es dir mit 13 in dein rosarotes Tagebuch gemalt hast?

Selbst schuld – kann man da sagen, denn wer sich so etwas wünscht, der muss ja auf dem harten Boden der Realität aufschlagen. Sogar der verständnisvolle Charly konnte bei meiner zornigen Wehklage über die Unzulänglichkeiten des Kollegen nur sagen:

Aber Maya – du maynst doch selber immer: Filme sind nicht die Realität!

Aber träumen muss doch wohl erlaubt sein. Chloe übrigens hatte sich eines schönen Oktobertages einmal als hervorragende Reportagebegeleiterin und Aushilfsfotografin erwiesen. Leider träumt sie nicht von einer zweiten Laufbahn. Und so muss ich weiter den Gedankengang präparieren und auf bessere Zeiten warten – C’est la vie!

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2 Antworten

  1. Liebe Maya,

    manchmal glaube ich wirklich, dass wir Seelenverwandte sind !! Auch ich leide gerade hier am Strand unter einem Linsengucker – jedoch einem Hobby-Fotografen. Meine maennliche Begleitung brachte heute gar den Satz: „Kannst Du mal bitte aus dem Bild gehen!“ Wow! Selbst als ich meinen Quatsch-Chloe-Modus anhatte, konnte ich seine Aufmerksamkeit nicht auf mich lenken. Jeder Gedanke galt dem Apparat. Tja, zwischen so ein Paar kann ich mich niemals stellen.

    Ade aus Goa

    Chloe

  2. […] dieses Streckenplans wird ihnen wohl das Gleiche durch den Kopf gehen, wie meinem Kollegen, dem FotogrÄffchen. Als ich ihm neulich erklärte, warum er mal wieder ein Bild von “dem alten Gebäude mit der […]

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