There’s a soul in the city


Fast hätte man vergessen, dass aus Detroit nicht nur Ford, Eminem und House kommen, da meldet sich ein Jubiläum:

Vor einem halben Jahrhundert gründete ein Mann namens Berry Gordy Jr. in der Mo(tor)town Detroit die Tamla  Record Company. Was damals so als kleiner Familienbetrieb begann, sollte einige der größten Legenden der Soul-, Pop- und Discomusik hervorbringen und massentauglich machen. Für Mythen und Legenden haben wir was übrig bei Spreesee, für Massentauglichkeit nicht unbedingt. Bestens in Kurzform aufgearbeitet wurde die ganze Geschichte des Labels vom großartigen Magazin Tracks auf arte in diesem Beitrag.

Ausführlichere Übersichten bitte im Lexikon der Popularmusik oder bei MTV (in diesem Fall lohnt es sich sogar mal) nachsehen und -hören.

Ganz nebenbei – für den Motown-Mythos völlig unerheblich – produzierte das Label einen beträchtlichen Teil des Soundtracks meiner Kindheit und war stilbildend für meinen eigenen Musikgeschmack. Denn das Familiengefühl bei Motown prägte auch das Familiengefühl der „vonderSprees“, die damals noch die „vomKesselrands“ waren. Ja – Die Vorliebe meines Vaters für die dicken, schwülstig-emotionalen Klänge, die überladenen Sounds und den vielstimmigen und expressiven Gesang ließen in Klein-Maya über die Jahre hinweg die Sehnsucht nach schlichteren, trockeneren, knackigen Rocksongs reifen…mit möglichst wenig Schnörkeln und ohne Tanzchoreographie.

Charly hingegen lässt auch heute noch furchtbar gerne die alten Soulpuppen  tanzen, wofür ich ihn dann sofort als „Kitscher“ brandmarke. Nichtsdestotrotz freue ich mich heimlich eigentlich doch meistens, olle Motown-Songs zu hören und kriege sofort gute Laune sowie den Anflug eines AXA -Gefühls. (Ein großer Philosoph und Wahlberliner würde hier nun sagen: „so sind sie halt die Frauen: launisch und unlogisch“ – Tja, Maya maynt: So ist das mit Pauschalaussagen, manchmal treffen sie zu, manchmal halt auch nicht.)

50 Jahre Motown – ein Grund zu feiern und ein Grund für ein klitzekleines und ganz subjektives Mini-Mixtape meiner „Maya remembers Motown“ Videos. Viele Motown Songs ließen sich übrigens auch als wunderbares Beispiel für gelungene Coverversionen heranziehen, eins meiner liebsten Themen.

Jetzt aber „speakers in the windows“ und los mit dem Sound des jungen Amerika (passt farblich und (aufbruch-)stimmungsmäßig ja auch fantastisch zum neuen Mr. President):

I just called von Stevie Wonder war eines meiner allerersten Radiolieblingslieder. Es kam 1984 raus und hatte mich sofort überzeugt. Für meinen Vater blieb der Genuss allerdings leicht getrübt, denn er drehte zunächst stets lauter, musste mir dann aber immer den Text übersetzen, weil ich wissen wollte, was der Mann in dem schönen Lied singt. Den Inhalt fand ich als Vierjährige allerdings nicht so grandios wie die Melodie – ist heute noch so:

Papa was a rolling Stone – Dieser ebenfalls große Hit meiner Kindheit, wäre textlich interessanter gewesen, seltsamerweise habe ich mir den nicht übersetzen lassen. Sowohl von den Temptations als auch in der Version von George Michael nicht zu verachten, aber das Original kommt hier einfach mit perfektem Outfit und gekonnter Performance besser weg:

Und da wir schon bei rollenden Steinen sind, liegt dieses fantastische Cover nahe (im Original warens Martha Reeves and the Vandellas):

Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich lieber hätte, die blaue Karottenhose von Mick Jagger oder den abgefahrenen David Bowie-Overall…

Boys2Men stammen ebenfalls aus der Motownschmiede, die damals aber schon unters Universaldach gezogen war. Wer – wie ich – in den Neunzigern pubertierte, kam am Schmusegedudel von diesem Gesangs- ähh wieviele warens denn? Quartett oder Trio, nicht vorbei. Ich war kein Fan, aber die waren damals so allgegenwärtig wie die Cosby-Show und immerhin konnten sie doch etwas besser singen als andere zeitgenössische Boy Bands:

Na ja, nach diesem Tiefschlag servierte Motown mir in der Gegenwart aber noch zwei Perlen, über die ich mich doch sehr gefreut habe.

Mercy in der Version der Strokes (auch stellvertretend für alles vom großen Marvin Gaye):

Und Erykah Badu, die arme muss jetzt hier ungerechterweise für alle Motown-Frauen stehen. Die Supremes, dachte ich mir, sind ja durch „Dreamgirls“ noch allen gut im Gedächtnis und Diana Ross wollte ich nicht. Das stechendste Argument ist ohnehin, dass Badu mit Bag Lady einen Beitrag zu unserem vielgeliebten Handtaschendiskurs liefert:

Danke Motown!

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4 Antworten

  1. Dass Charly, Maya und Chloe als Kinder einer motorisierten Stadt voll auf wie Benztown voll auf Motown stehen ist ja klar!

  2. Man sollte um diese Uhrzeit keine Kommentare mehr verfassen… Der Fehler ist ein Ausdruck meiner Müdigkeit. Wie soll ich bloß das Wochenende überstehen? Bin jetzt schon durch.

  3. Fein. Eure Kindheitserinnerungen sind natürlich größtenteils auch meine Kindheitserinnerungen. Danke dafür. Mein Vater musste mir übrigens immer „In The Army Now“ übersetzen und wollte nicht, aber das war wohl kein Motown 😉 Und von Stevie Wonder habe ich immer bei „Isn’t She Lovely“ mitgeträllert. Die besungene Tochter Aisha ist ja jetzt auch schon über 30…. wah

  4. Hallo,

    bin hier zufällig gelandet.

    Sehr gut geführter Bolg, Angenehm zu lesen, man merkt das hier jemand mit viel
    Energie am werk ist. Möchte mich meinem Vorschreiber anschließen.Ist immer wieder erfreulich zu lesen das auch andere die gleiche Meinung haben.

    Weiter so.

    Gruß

    Michael

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