Wunderheilerin schlägt auf den Magen


Tatort aus Köln: „Rabenherz“. Sonntag, 25. Januar 2009, 20:15
Gesamturteil nach Schulnoten: 4-5

Wenn Chloe schon zwei Tage braucht, um Rezensionstechnisch auf die Sprünge zu kommen, dann kann der Tatort keinen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Jedoch anbei ein kurzer (weil ich ob meiner fehlenden Disziplin bereits von Maya angemahnt wurde) Eindruck seitens SpreeSees:

Ein Arzt wird in der Klinik tot aufgefunden. Von Anfang an ist eigentlich klar, dass die verstörte Krankenschwester Maria Everbeck (Anna Maria Mühe) völlig krank ist und ganz sicher hinter ihrer verschrobenen Religiosität ein profanes Mordmotiv stecken muss. Das Leitmotiv des Films – das Erbrochene – soll den Zuschauer jedoch vom zu schnellen Aufdecken des Falls ablenken. Der Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) wird aufgrund eines Magenleidens zum Kotzen gebracht und der andere, unser völlig gesunder adipöser Freddy Schenk (Dietmar Bär), darf dieselbige bei seinen verdeckten Ermittlungen von einer Patienten aufwischen. Meine Couchsitznachbarin und Frau vom Fach schrie beim Anblick sofort entsetzt: „Das macht man doch nicht ohne Handschuhe!“.

Das bleibt aber nicht das einzige surreale Element im Kölner Tatort. Unsere verstörte Krankenschwesterin (pardon, diesen Fehler werde ich als Deutsch-als-Fremdsprache-Migrationskind niemals los) schwebt plötzlich in einem Wald umher und wird von ihrem Gewissen verfolgt. Maria stilisiert sich als Erlöserin. Mit ihren Wunderhänden hat sie schon viele Patienten vom Krebs geheilt; da ist doch ein kleiner Mord für den eigenen Seelenfrieden schon mal drin! Dass nämlich der falsche „Gott in Weiß“ sie in ihrer unerwiderten Liebe bis zur Abtreibung und gar fast bis zum Tod getrieben hat, erfahren wir erst ganz zum Schluss (können es uns aber schon denken, als im Aufzug andere heiße Krankenschwestern über Affären tuscheln und Maria noch apathischer als sonst dreinblickt).

Nur Schade, dass die Rächerin der Entrechteten keine Ahnung von Rechnern hat und somit den Wechsel im Diensteinsatzplan bei ihren Berechnungen nicht einkalkuliert. So erwischt der vergiftete Tee, den sie in eine der beiden Teekannen gießt, damit Gott richtet und nicht sie, doch einen Unschuldigen. Wer sich also mit seinen eigenen Theorien oder seinem Glauben glaubt reinwaschen zu können, der trinkt am Schluss mal lieber selber den vergifteten O-Saft. So geschehen nach der finalen Vergewaltigung: Der Psychologe erkennt, dass Maria sich selber umbringen will und trinkt das Gift zuvor aus. Maria geht beim Höhepunkt der Vergewaltigung durch denselbigen das Licht auf und sie alarmiert rechzeitig die Retter. Aber bis dahin ist das Hirn auch verloren! Nein, nicht das des Zuschauers – der schüttelt nur noch den Kopf – , sondern das des Psychologen, den die fehlende Sauerstoffzufuhr wohl für immer zum Pflegfall werden lässt.

Aber um ehrlich zu sein, wussten wir am Schluss rein gar nix mehr. War das der Psychologe? Wer hat nun wen vergiftet? Blöder Tatort. Und da ich zudem mit Wunderheilern rein gar nix am Hut habe, wollte ich eigentlich eine 6 geben. Lediglich für Maya werte ich den Tatort auf 4-5 auf, da ihre Lieblingsstereotype „Ärzte-Krankenschwester-Techtelmechtel“ bedient wurde.

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Eine Antwort

  1. Das war wirklich ein sehr merkwürdiger Tatort. Ich habe noch weniger kapiert… danke, Chloe, Mensch, der hat das Zeug vor ihr ausgetrunken! Ich dachte nur: Hää, kann sie jetzt etwa auch das Gift irgendwie mit den Händen oder sonstigen Körperteilen übertragen? Naja. Die Dialoge fand ich immerhin nicht alle schlecht, vor allem die zwischen den Kommissaren. Der Schenk ist so wunderbar unbeeindruckt immer, selbst wenn alle aufstehen in der Kantine um ihn herum, juckt ihn das nicht die Bohne. Ganz ehrlich, das finde ich toll. Und wie er „Magen, Magen, Magen“ äffte, gefiel mir auch. Lässt der Ballauf doch einfach die Spiegelung sausen, und macht sich nichtmal viel draus, dass er das dann selber zahlen muss. Das schockte mich mehr als einige andere dunkle Szenen, tsts.

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