Sportschuhe sind keine Schuhe!


Wer wie Chloe den schwarzen Gürtel für Qualität inne hat, der weiß auch dieselbigen zu organisieren! Ihre Accessoires sind daher alle prozessorientiert nach dem First in – Last out-Verfahren (FILO) im Flur angesiedelt. Für den normalen Anwender wie folgt zu merken:

Tret ich herein, leg ich zuerst ab. Tret ich heraus, leg ich zuletzt an.

Ferner ist mein offenes FILO-Regalsystem ganz nach den Leitfäden des visuellen Managements gestaltet. Auf einen Blick erschließt sich der Garderoben-Projektmanagerin – nachdem sie zur Sicherheit noch ihr Weather-Pixie zu Rate gezogen hat – die Match-Plantechnik. Ob Handschuh, Regenschirm, Gürtel, Handtasche oder Schuhe: alles kann blitzschnell der Damenoberbekleidung zugeordnet werden. Die Reduzierung der Durchlaufzeiten ist höchstes Prozessziel! Dadurch schaffe ich mir mehr Freiräume für Telefonate, Make up und Leibesübungen. Zum Glück kann ich meine 5 S auch morgens um 5 im Schlaf sowie anderen betäubten Zuständen aufsagen:

Seiri (Sortieren: Jahreszeit ferne Handschuhe werden eingemottet)
Seiton (Systematisieren: Schuhe werden nach Absatzhöhe und Farbe abgelegt)
Seisō (Säubern: Das Regal wird stets um alte Saisonmodelle und -farben bereinigt)
Seiketsu (Standardisieren: Handtaschen immer mit der Öffnung nach vorne aufstellen)
Shitsuke (Selbstdisziplin (engl.: MONK): Erhaltung der Ordnung, Sauberkeit und Einhaltung der Standards)

Wenn nun ein Mann zum ersten Mal die Wohnung dieser Total Quality Woman betritt,

könnte er von Chloes bis zur Perfektion angewandten Kaizen-Methoden schon etwas verunsichert sein. Um meine Dates nicht weiter zu irritieren, habe ich daher vorerst von einem Kanban-System im Schuhregal abgesehen. [Anmerkungen des Über-Schuhs: Zu gerne würde ich bei jedem Kauf eines neuen Paar Schuhe die Mindestabsatzhöhe ermitteln, um eine Just-in-Time-Besohlung in Auftrag zu geben].

Zwangsneurotische Abgründe beiseite… wieder zum Wesentlichen: in puncto Handtaschen wissen männliche SpreeSee-Leser bereits, wie sie Maya manisch und mich cholerisch werden lassen. Aufpassen, Jungs! Nun wieder Notizblock und Stift zum Thema No Gos beim ersten Date zücken. Einen wahren Trampel erkennt man am folgenden Satz:

Du hast aber viele Schuhe!

ICH habe keinen Schuhtick! Männer können einfach nicht zählen. Das ist alles. Laut meiner für Chloe typischen 5-Sekunden-Recherche besitzt eine Frau im Durchschnitt knapp 14 Paar Schuhe. Da liege ich sogar drunter!
Denn, nun an alle Männer, hier der wesentliche Tipp zur Schuhrechnung des Fußwerks: Sneaker sind keine Schuhe, Kletterlatschen sind keine Schuhe, Wanderstiefel sind keine Schuhe, Adiletten sind keine Schuhe, FlipFlops sind keine Schuhe, Gummistiefel sind keine Schuhe und meine Joggingschuhe erst recht nicht!

Warum? Weil der Kauf dieser Schuhe mit keinem Glückshormon oder hysterischem Schrei verbunden ist. Weil der Kauf dieser Schuhe uns in den Rande des Wahnsinn treibt. Weil: „Iiiiiihhhhh, das ist so hässlich, das kann ich niemals tragen!!!“ Am Samstag durchlief ich ganz München mit meiner lieben Freundin und bekannten SpreeSee-Chefkommentatorin nach einem beschissenen Paar Indoor-Sportschuhen. Zwei Kriterien waren lediglich zu beachten: helle Sohle und Funktion. Ich konnte mich dennoch nicht überwinden, über die altbackene Optik hinwegzuschauen. Und jeder Versuch gewisser Brands, ihren Hallenschuhen etwas Pepp zu verleihen, war einfach nicht Ernst zu nehmen:

sportschuh

Ja, wir Frauen geben gerne mal 300 Euro für einen Hauch von Leder aus. Aber bei 125 Euro für nen Sportschuh, den ich gerade mal zwei Stunden in der Woche hinter vier geschlossen Turnhallenmauern trage, weicht die Kaufsucht der Nüchternheit. Ja, liebe Männer: Wo die Rationalität anfängt, hört der Schuh auf, Schuh zu sein !

Am Schluss kaufte ich nix. Schob das Problem auf bzw. warte immer noch auf Mayas Hilfe!! Du kannst mich doch nicht so fahrlässig hässlich meine Sportdates… äh Matches antreten lassen! Wo bleibt Dein Mode-Altruismus??

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5 Antworten

  1. Da ich direkt links außerhalb des sichtbaren Bildauschnitts stand, wartete ich schon neugierig auf den dazu passenden Beitrag… erst dachte ich, der mit den Discout-Preisen ist es, quasi als Ironie! Aber das ist ja Mayas Bericht vom „Tatort“. Den ich diesmal wegen Schlafnachholbedarfs verpasst habe 😉

    Ja, was soll ich sagen – so isses. Heute lief (nein, ging) ich an einem vertrauenserweckenderen Sportschuhladen als dem ollen Scheck am Samstag vorbei und musste gleich an Dich denken. Aber da warst Du ja schon wieder weg und musst Dich jetzt also doch an den Outlet-Verkauf oder an Maya halten… mal sehen, was die vielen, vielen Tags wohl für die Statistik bewirken werden? Bestimmt kommen jetzt ganz viele XING-Jünger und Bad Banker hierher…

  2. Tja – die leidige Schuhfrage. Allerdings kann ich mir zu dieser Sache doch ein paar Anmerkungen kaum verkneifen:

    1. Du hast mit deiner Beschreibung all den Menschen, die auch schon seit ewigen Zeiten Schuhe und Accessoires im Flur aufbewahren endlich eine evidente theoretische Grundlage geliefert. Das ist gut, wenn man so einen schönen abstrakten Rückhalt hat, es macht alltägliche Handlungen besonders.

    2. Ich finde Bemerkungen über die Anzahl von Schuhen prinzipiell hinfällig. Man tauscht ja auch keine anderen Listen von sonstigen Habseligkeiten aus. Du hast aber viele Tassen! Du hast aber viele Unterhosen! Hast du eigentlich schon mal zurückgefragt? Ich persönlich kenne nämlich viele Männer mit ganz vielen Schuhen. Schuhtick ist eine Mär, und weiblicher Schuhtick noch viel mehr! Männer haben schließlich – zumindest im westlichen Kontext – viel weniger Auswahl sich mit diversen Accessoires zu schmücken, als Frauen. Deshalb entwickeln einige enorme Fetischbeziehungen zu Schuhen und Uhren, weil die – neben Autos und Elektroschnickschnack, aber die sind eben nicht am Körper – ihre einzigen Statussymbole sind, mit denen sie glänzen können.
    Charly und mein Papa zum Beispiel widmen sich dem Schuheputzen mit geradezu liebevoller Hingabe und ich könnte wetten, dass die meisten Maßschuhe für Herren gemacht werden. Ergo du triffst einfach nur die falschen Männer.

    3. Warum lässt du überhaupt erste Dates in deine Wohnung, macht ein anständiges Mädchen so was? Pfui pfui!

    4. Die Gestalt und Farbauswahl der Sportdinger – „Schuhe“ trifft es ja nicht wirklich – zeigt ganz deutlich, dass Sport etwas für geschmacksverirrte Menschen ist. Lass es doch einfach! Es gibt natürlich Ausnahmen: Yoga macht man barfuss. Oder fang an zu reiten, da gibt es anständige Lederstiefel – ich vergaß, das geht ja nicht.

    5. Wirklich faszinierend ist diese Regel, dass Funktion und Ästhetik sich bei Sportschuhen offensichtlich ausschließen. Dein Bild zeigt, dass geeignete Schuhe hässlich sind. Ich habe hier ein Beispiel für ansprechend (?) gestaltete Sportschuhe mit denen du dir beim Badminton bestimmt die Knöchel brichst:

    Puma auf unsportlichen Abwegen.

    Was solls? Die Suche geht weiter.

  3. Matchball:
    – Was ist bei Punkt Drei schon dabei!
    – Das mit der Pferdehaarallergie vergisst Du wohl nie!
    – Ich werde keine kokette Yogarette!

  4. […] hat neulich schon daraufhingewiesen, dass Sportschuhe keine Schuhe sind, ich ergänze hiermit: Sportklamotten sind keine echten Klamotten! Man trägt sie nicht zum […]

  5. […] wieder wende ich die einfachen Regeln des Lean Managements auf Alltagsabläufe wie z.B. der Schuhablageoptimierung an. Auch bei der Facebook-Arbeitsanweisung erbitte ich mir die Einhaltung der 5 […]

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