Viriles Venceremos – Tatort in der Mancademy!


Tatort aus Männerhausen, irgendwo bei FFM: „Neuland“. Sonntag, 15.2.2009, 20.15

Bewertung fällt mir heute schwer ich fands grausig und fürchte es nicht verstanden zu haben – ein Poll könnte helfen, siehe unten.

Endlich – Ein Männer-Tatort! Nach all den Frauenthemen (Supermarkt, Zwangsehe, Gewalt in der Ehe) und den Kommissarinnen (Lürsen, Odenthal, Saalfeld), schicken die Hessen ihre Oberkommissarin zur Weiterbildung und der Sonntagabend ist fest in Männerhand. Dazu kommt noch ein klassisches Tatort-Thema: Kommissar erklärt trotteligem Dorfpolizisten wie die Arbeit funktioniert.

Die Freude über die Abwechslung verflog mir beim Gucken allerdings ziemlich schnell, irgendwie fehlt mir wohl das y-Chromosom zum Verständnis, trotz selbstanfeuernder Empathieversuche ist mir die allzu testosteronlastige Story durch die Lappen gegangen.

Für den Anfang reichte meine Aufmerksamkeit noch:

Der ohnehin ewig brummelige Frankfurter Kommissar ist derart abgespannt, dass er schon unterwegs ist, bevor sein Vorgesetzter den Vorschlag „mach mal Urlaub“ vollständig ausgesprochen hat. Und wo geht es hin? Direkt in die eigene Vergangenheit – das merken wir schon am Soundtrack, der konsequent aus dem linken 70er Jahre Repertoire stammt, Doors, Hendrix und Co. genauso daran, dass sich die alten Recken mit einiger Ironie den Chile Schlachtruf Venceremos zurufen – Dellwo und seine Kumpels scheinen früher mal bei Franz Josef Degenhardt Konzerten gewesen zu sein, Frankfurter Spontiszene und so, das waren noch Zeiten, da hatte man noch Träume.

Weit muss Dellwo nicht fahren, eine kleine Landpartie bringt ihn zurück zu seiner ersten großen Liebe, die er offensichtlich nicht vergessen kann und mit der – so glaubt er – sein ganzes Leben viel besser verlaufen wäre. Lebenskrise und Trauer um verpasste Chancen lassen grüßen. Allerdings hat die Gute es auch nicht gerade hervorragend getroffen, sie wird inzwischen von Mann und Kindern besessen und rackert sich auf dem eigenen verschuldeten Bauernhof ab. Irgendwie empfindet sie auch noch was für Dellwo. Ja – manchmal schreibt das Leben halt banale traurige Geschichten.

Soweit mein Verständnis. Dann setzt das ganze Männerthema mit einer derart brachialen Wucht ein, dass mir die Sinne schwinden. Erst geht natürlich der Hahnenkampf zwischen Ex und jetzigem Mann los, („Mein Haus, meine Kinder, meine Frau“), dann gehts in der Kneipe mit zünftigen Sprüchen und Wirtshausschlägereien weiter. Wenn Kommissare verreisen, taucht natürlich zwangsläufig irgendwo ein Fall auf und so auch hier: jemand ist verschwunden und ein Auto im See versenkt. Grund genug für Dellwo, der eigentlich ein Zeuge ist, sich selbst als Amtshilfe zu  besetzen, damit er in der Nähe der alten Liebe sein und sich weiter fröhlich durch die Ermittlung saufen und prügeln kann. Praktischerweise wird der Mann der Jugendfreundin auch noch erschossen, er kann ihr in dieser schweren Stunde beistehen und den Mörder finden.

Lauter weitere Männerthemen werden garniert mit ganz viel Haudrauf serviert:

Vater-Sohn-Konflikte, Ich-bin-der-Mann-und-erledige-das-alleine-auch-wenn-ich-dabei-draufgehe-Blödsinn, Kompetenzgerangel zwischen Dorfpolizist und Stadtkommissar, Betrug, Tötung und Erpressung im Namen der Gerechtigkeit

Am Ende kommt nur raus, was rauskommen muss: wenn die Männer es ganz alleine machen, geht es rau zu und alle werden unglücklich, so richtig gut wird es erst wieder, wenn die Frauen ein ordentliches Essen (Leichenschmaus) machen, die ganze Gesellschaft um einen Tisch versammeln und wieder versöhnen. Willkommen in der schlechten „guten alten Zeit“.

Ich verstehe die Botschaft nicht! Ist das ein lächerlicher Versuch uns zu erklären warum die Emanzipation sinnvoll war?

Lauter richtig gute Schauspieler (neben Schüttauf MartinFeifel, Peter Kurth, Devid Striesow und Matthias Habich) wurden hier meiner Maynung nach total verbraten, eine ganze Männerriege tummelt sich wie kleine Jungs im Sandkasten, das Motiv des rechtsfreien Raums in der Machogesellschaft ist derart plump gestaltet, dass man eigentlich lachen könnte und die Schlussszene mit der Beerdigungstafel im Freien, bei der alle Jungs, die nur mit blauen Augen davongekommen sind, sich wieder vereinigen einfach nur grotesk.

Vielleicht habe ich das Werk ja auch wirklich einfach nicht verstanden, die Notenvergabe überlasse ich deshalb der Leserschaft.

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