Live-Blog Nachwehen


Maya sitzt im orangenen Bademantel vor mir. Auch bekannt unter Guantanamo-Bademantel. Inzwischen (23 Uhr) maynt Maya, wieder Lebensmittel (flüssig und fest) zu sich nehmen zu können. Die verkaterte Nuss knabbert an Erdnüssen im Teigmantel. Nebenher – obwohl ihr Sprachzentrum stark und für lange geschädigt scheint – notiert sie schon Lieder zur nächsten Compilation. Aber davon hernach, da fürderhin relevant.

Weiland fingen drei zum U-Bahn fahren zu betrunkene Freunde ein Taxi im Schneetreiben ab. Es lief klassische Musik und wir eröffneten den Diskurs über Musik am Arbeitsplatz, als nach Mozart (Chloe chlaubt es sei Mendelssohn gewesen) Bach lief. Tabangan schmuggelte schwäbisch eine Flasche Rum im Hosenbein in den Roten Salon. Maya und Chloe haben mit solchen illegalen Machenschaften sicherlich nix zu tun und hoffen, weiterhin vom Roten Salon über myspace auf die Gästeliste gesetzt zu werden. Tabangan lockte die tanzenden SpreeSees mit dem Spruch „folgt mir in fünf Minuten an die Bar“ zu folgeschweren Shots. Als das Licht anging, gingen wir. Draußen lag noch mehr Schnee und Maya kam fast um beim Versuch, ein Taxi zu ergattern. Sie muss einen wahren Schutzengel haben. Jedenfalls fluchten die Taxifahrer auf türkisch, dass das kleine Mädchen nervt. Maya ignorierte alles, gar ihren Rausch, und gab die nächste Episode „Scala“ durch. Sie überschätzte sich und setzte sich nach nur fünf Minuten auf die Stufen: „Ich bin so betrunken, mir ist das so peinlich!“ Die funkelnden Lichter und die schnellen Beats waren zu viel für die kleinen Ohren – und vor allem für das kleine kompakte Nervensystem. Zu wenig hatte jedoch Chloe, die sich aus Betrunkenheits-Neid einen Gin Tonic im Plastikbecher als Fahrtbier mitnahm.

Gin Tonic on the rocks

Zu Hause angekommen, kam alles wieder raus. Aus Maya! Chloe hat Maya schon vor zehn Jahren gewarnt, dass sie aufgrund ihres kleinen Körpers weniger Rauschmittel zu sich führen sollte. Die Masse macht’s. Jedenfalls tobte sich die muntere Chloe als Mainzelmännchen neben der komatösen Maya aus. Doch nicht einmal saubere Gläser verhalfen moralisch aus dem Kater. Das Kätzchen blieb liegen und sandte Chloe mit zweifelhaftem Substitut in die Schaubühne.

Zur Inszenierung bleibt mir nur zu sagen: Göttlich! Jule Böwe als moderne „Anatol“ hat mich gerührt und geschüttelt! Ihrer einzigartigen Stimme hätte ich ewig zuhören können. Ihre Gestalt versuchten meine Augen kontinuierlich zu fokussieren (zum Glück ist Maya doch zu Hause geblieben. Bei all dem Glitzer der genialen Bühneninstallation wäre ihr nur noch schummriger geworden – ich musste ja schon meinen eigenen windenden Kopf überwinden).

Anatol auf der Schaubühne

Die Parabel mit der Maus (Das ist doch gar keine Maus! Das ist eine Fledermaus! – Oh, zu mir hat er gesagt, er sei Pilot!) haben wir nie gelesen? Aber herrlich auf der Bühne vorgetragen. Der Liebeskummerausbruch beeindruckte. Ach, diese gereigte Agonie. Zum Abschluss ging ich mit dem Lückenbüßer noch einen Kaffee trinken. Im Lokal lief auf gleich drei Fernsehern der Tatort vom Bodensee.

Tatort-TV

Als ich Maya von der Friedrichstraße aus fragte, ob man ihr was Gutes tun könne, quetschte sie einen Laugenweckenwunsch aus. Der Bäckerreifachverkäufer von Le Crobag maynte daraufhin nur:

Mädchen, es ist halb Elf am Sonntag. Bei mir gibt es das nicht und wo anders wirst Du das jetzt auch nicht bekommen!

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7 Antworten

  1. jaja – wer den Schaden hat…
    Leider kann ich nicht alles abstreiten, was Chloe hier so offen ausplaudert. Ja – ich war betrunken und ja ich bin jetzt schlimm verkatert und nicht transportfähig. Auch mein Sprachzentrum funktioniert ein wenig verlangsamt, Chloes allerdings nicht minder, wenn man sich mal überlegt, wie lange wir für die Korrektur des obigen Eintrags brauchten. Sie war nämlich selbst keineswegs nüchtern, sie war nur zum Ende des Abends nüchterner als ich! Allerdings könnten bei ihrem Zustand auch die giftigen Dämpfe meines neuen selbstaufblasenden Gästebettes eine Rolle spielen. (In unserem Post-Party-Zustand sangen wir bereits: „Sie hat ein knallblaues Gummibett und dieses Gummibett das stinkt wie Sau…“)
    Was die türkischen Taxifahrer über Funk besprachen ist übrigens überhaupt nicht gesichert! Bestimmt beglückwünschte der eine, der mich beinahe überfahren hatte, den anderen zu seinen illustren Passagieren…
    Auf den Theaterbesuch verzichtete ich nur schweren Herzens, denn schließlich hatte ich die Karten voller Vorfreude persönlich abgeholt. Werde ich aber definitiv – leider ebenfalls mit Begleitungs-Substitut- nachholen.

  2. nu, mädels…
    da hab ich nur noch eine frage, die sich verschleiterter weise nich wirklich dem dickicht meiner vernebelt hochprozentigsten gedankenwelt entledigen möcht.. oder nennt man das erinnerungsvermögen??
    kein plan..

    NUR wie bin ich eigentlich heim gekommen? 😀

    oh gott, cooler abend… schreit ja förmlich nach baldiger wiederholung! den heiligen rum ausm tetrapak natürlich inklusive! 😉

    ok, ok… bedanken möchte ich mich bei meinen eltern, die wirklich einen mehr als nur guten job gemacht haben.. gott weiß! dann bei meiner oma, die mich zwar früher immer zwang, meinen teller aufzuessen obwohl ich schon fett wie n lurch war.. die aber immer an das gute in mir geglaubt hat, bis zuletzt!
    und natürlich an meine beiden holden begleiterinnen durch das rötich eloquent angehaucht verschneite berlin.. ich habs euch gesagt: der letzte shit wird’n BURNER! 😛

    na, dann bis zum nächsten mal, ladies…
    freu mich schon!

    p.s. hätt mich früher gemeldet, aber bin erst vor minuten wieder aus der kubanischen zwischenwelt zurück gekrochen.. kann mich nur noch äußerst verschwommenerweise an ein paar ubahnen und die allseits mit einhertorkelnde brockenhexe erinnern !!!
    mann, dass die mich nich aus der ubahn geworfen haben…
    WUNDER über WUNDER..
    nu ja, zum glück hab ich nich den stylisten von der würstlberger! 🙂

  3. a.d.r. aus verschleitert machen wir verschleiert… und der shit issn shot, immer diese fäkalsprache.. eieieiei, tabangan, tabangan …

  4. fuck the shit fuck the shot fuck the shit shot – war echt n burner und hat mir auch ne menge spaß gemacht, also – bis mir dann schlecht wurde. nicht dass ich dir irgendwas schlechtes gönne, aber irgendwie bin ich erleichtert, dass ich nicht die einzige war, die das ganze ende leicht vernebelt in erinnerung hat, heute entdeckte ich völlig überrascht noch eine schachtel streichhölzer in meiner tasche, chloe klärte mich dann über die herkunft auf. heimweg? nach meiner rekonstruktion müsstest du bis zum leopoldplatz gefahren und dann in die u 9 gestiegen sein…hexen habe ich aber nicht gesehen. na ja – schön dass du es geschafft hast. Wiederholung muss natürlich sein – äääh und die dankesrede, die lass ich jetzt mal unkommentiert, ich muss noch vor „and the oscar goes to tabangan“ eingeschlafen sein oder haben wir einfach abgeschaltet, weil die permanente „Nimmerland“ werbung uns in den post-kater-wahnsinn trieb?

  5. ey, maya.. jetzt aber ohne shot shit.. ich hatte auch ne streichholzschachtel in meiner hosentasche.
    klär mich bitte ma auf… :))

    das ist alles so mysteriös, ich hör schon die titelmelodie von akte X..

  6. Ach Taba, ich würde ja gerne was Spannenderes erzählen, vielleicht, dass Prometheus persönlich erschien, um uns das Feuer der Vernunft zu bringen, oder irgendwelche Aliens uns mit Streichhölzern auf ihr Raumschiff locken wollten, tatsächlich warst der Vorausdenkende aber du – die Hölzchen hast du einfach von der Bar gemopst und verteilt wie die Jecken in Kölle die Kamelle vom Wagen schmeißen…ein bisschen Karneval musste halt sein!

  7. […] in 1. März 2009 von mayavonderspree So schnell kann es gehen – letzte Woche taumelten wir noch durchs nächtliche Schneetreiben und meine Ausnüchterung wurde durch das wenige und kurz andauernde Tageslicht kaum gestört und […]

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