Berliner Schnauze vs. Stuttgarter Gosche


Tja – letzte Woche saß ich im Rahmen meiner Rathaus-Rallye noch bei der Pressekonferenz zur großen Freundlichkeitsoffensive in Berlin. Bei „herz & schnauze“ machen Polizisten, Mitarbeiter des ÖPNV, der Straßenreinigung etc. mit und versuchen Touristen, die sich mit einer Frage an sie wenden, nicht mehr gleich ins Gesicht zu springen oder ihnen einen Spruch zu drücken. Ihre Auskunftsfreude signalisieren sie mit Pins auf denen dieses herzzerreißende Motiv zu sehen ist:

pin

Mitmachen kann übrigens auch jeder Bürger. „Typisch“, dachte ich mir, „das haben sie nötig, diese Berliner Dienstleistungsversager, Höflichkeit ist ja nicht gerade eine verbreitete Tugend in der Hauptstadt.“   Und gemeinsam mit den anderen Pressevertretern witzelte ich über dieses seltsame symbolische Vorhaben. Symbolisch, weil keinerlei Schulungen oder Maßgaben damit einhergehen. Seltsam, weil Polizisten, Busfahrer und Co. eigentlich ohnehin freundlich und offen für Fragen sein sollten, könnte man doch erwarten, oder? Und in jeder anderen Stadt funktioniert das auch ohne Kampagne.

Von wegen! Ausgerechnet im sonnigen Süden bei meinem Heimurlaub im Kessel wurde ich heute gleich dreifach eines besseren belehrt. Erstmal drängelte sich eine Rentnerin an der Theaterkasse ganz ungeniert vor mich, das nahm ich noch ganz ruhig auf, „was soll’s, es ist Frühling, die Sonne schein, die Frau hat vielleicht Blasenschwäche und muss sich deshalb beeilen“… Dass sich die Verkäuferin am Ticketschalter allerdings wortkarg und ohne zu lächeln durch meinen völlig unkomplizierten Kartenkauf bruddelte, fand ich dann schon ein wenig ärgerlich. Bei der Heimfahrt in der schicken neuen und stets auf schwäbischen Hochglanz geputzten U-Bahn wurde ich dann endgültig davon überzeugt, die Stuttgarter Gosche steht der Berliner Schnauze in gar nichts nach:

Die verzweifelte und enttäuschte Geste des Jungen, der die Bahn und den Türknopf gerade eine hundertstel Sekunde zu spät erreicht hatte und dann traurig zurückblieb, quittierte die mir gegenüber sitzende Dame mit einem saftigen:

Hahaaa – Pech g’hett! (=gehabt)

Soviel offen zur Schau getragene Schadenfreude habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Maya maynt auch die Schwaben brauchen eine Freundlichkeitsoffensive, nach „Let´s putz“ ist dringend „Let´s be a bissle nicer“ angebracht.

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Eine Antwort

  1. Anscheinend muss man machen erst einen liebevollen Arschtritt geben, bis sie sich auf die Grundwerte der Höflichkeit zurückerinnern…

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