Neue Götter – alte Blitze – schlimme Tölpel


Wenn man älter wird, sinkt die geistige Flexibilität, Veränderungen verkraftet man nicht mehr so leicht. Meine Oma (fast 90 und immer noch ein Ass im Rommé-Spiel) konnte sich bei meiner kürzlichen Visite im Lebkuchenland überhaupt nicht mit meiner „neuen“ (eigentlich alten, weil natürlichen) Haarfarbe anfreunden und urteilte:

Unser Maya-Kind erkennt man ja kaum wieder, sie sieht jetzt aus wie diese Schwimmerin…! Sagt schon, wie heißt die nochmal?

Betretenes Schweigen am Tisch, keiner der Tanten, Onkel, Cousinen und Co. konnte eine Ähnlichkeit zwischen mir und irgendeiner Sportlerin erahnen, aber Oma blieb hart, sie holte ihre Bibel – die Bunte – hervor und blätterte einen Bericht über Franziska van Almsick auf.

Schnell wendeten sich alle wieder dem Spiel zu und versuchten die Sache zu ignorieren, denn ich habe mit van Almsick ungefähr soviel gemeinsam wie mit ihrem Ex-Freund Kretsche – aber Widerspruch gegen die rechthaberische Matriarchin führt unweigerlich zu abendfüllenden Diskussionen. Und das lohnte sich in diesem Fall nun wirklich nicht, bin ja selber schuld, wenn ich die Oma so selten besuche, dass ihr die Gesichter aus der Yellowpress bekannter erscheinen als meines.

Zurück im Kessel musste ich zudem feststellen: auch ich werde älter, auch meine Fähigkeit mich auf neue Gegebenheiten einzustellen nimmt ab.

Mit dem neuen Sänger der „Gods of Blitz“, die zur Motor-Party im Schocken aufspielten, konnte ich mich nur schwer anfreunden. Viel zu glatt, viel zu wenig Reibeisen in der Stimme. Maya maynt bei „The riiiiising – the riising suuun…“ muss es schon ordentlich knarzen.

Der ist doch nur hier, weil er entfernt aussieht wie Alex Kapranos

schimpfte ich gleich drauflos (gibt es ein Gen fürs Vergleiche ziehen und die Rechthaberei? Das wäre gut, dann ist nämlich die Oma an meinen Tiraden schuld).

Komm schon – ok, er ist nicht der Knaller, aber singen kann er

versuchten die Freunde mich zu beruhigen, doch schon entdeckte ich den nächsten Aufreger:

dsc00469

Musikalische Idole auf Textilien zu verehren ist schön und gut, aber muss es gleich eine KISS-Krawatte sein?

Da trägt der Mann doch tatsächlich eine KISS-Fan-Krawatte – ein hässliches aber womöglich rares Sammlerstück! Hilft auch nichts, denn eine Hardrock-Krawatte um den Hals macht noch lange keine Rockröhre aus dem Hals.

Kaum hatte ich eine Weile genüsslich zu den trotzdem wirklich guten Sounds getanzt, erschien das nächste Ärgernis, diesmal jedoch nicht auf, sondern vor der Bühne. Vor dämlichen Ko-Konzertgängern schützt kein neuer und kein alter Gott und auch Neon-Blitze treffen Trottel wie den, der uns vor und auf der Nase herumtanzte, kein bisschen. Der Typ – baumlang und mit dämlichen Gesichtsausdruck – drängte sich in die erste Reihe, um abwechselnd 1 Minute zu tanzen und 1 Minute mit folgendem dämlichen Gesicht seine Freundin dazu zu überreden, bei seinem peinlichen Gehopse mitzumachen:

dsc00471

Lulatsch versucht einen Hundeblick

Solche üblen Mittel können natürlich nicht zum Erfolg führen. Charly konstatierte:

Kein Wunder, dass die nicht mit dem tanzt, wenn das mein Freund wäre, würde ich ihm jedes Mal, wenn er dieses Gesicht macht, einen Tritt verpassen! Das ist ja unerträglich!

Mir hingegen war die Mimik des umtriebigen Riesen weitgehend wurscht, bot er mir doch die großartige Aussicht auf sein Vereinsjäckchen:

dsc00474

Dieser Rücken sorgte für alles andere als Entzücken

Chloe hat neulich schon daraufhingewiesen, dass Sportschuhe keine Schuhe sind, ich ergänze hiermit: Sportklamotten sind keine echten Klamotten! Man trägt sie nicht zum Ausgehen und keinesfalls verhält man sich darin so doof, dass die Hälfte der an diesem Abend Anwesenden dem BSG Ludwigsburg in Zukunft ganz viel Pech wünschen dürfte, das ist einfach unsportlich den Kameraden gegenüber!

Leider war dem Tölpel gar nicht bewusst, wie sehr er unsere Kreise störte, denn ganz zutraulich bat er nach dem Konzert ein Mitglied der Runde:

Kannsch mal grad mein Bier heben?

Auch wenn der verdutzte Adriano brav den lebenden Biertisch gab, während der Ludwigsburger Bub sich eine weitere hässliche Vereinstextilie überzog, blieb uns sein innerliches Schäumen  nicht verborgen. Das war nun wirklich genug -aber auf ausgleichende Gerechtigkeit muss man auf Erden oft nicht lange warten. Am Ende des Abends zierte eine plakative Kaugummispur den Hosenboden des fürchterlichen BSGlers:

foto0286

Perfekte Ergänzung zum Sportjäckchen - die Kaugummiapplikation!

Schadenfreude ist zwar eine fieser, aber sehr menschlicher Wesenszug. Mann – was habe ich gelacht!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s