Katakomben-Krimi kackt ab !


Tatort aus Berlin „Oben und Unten“, 19.04.2009, 20.15 Uhr

Oh, ein Tatort aus Berlin? Und den überlässt mir Maya einfach mir nichts, dir nichts? Eigentlich bin ich beim Ermittlerduo Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) generell voreingenommen und kann niemals eine objektive Rezension schreiben. Warum? Chloe ist völlig in Stark verschossen. Dem Charme diesen kleinen Mannes mit der Nase eines Gerard Depardieus bin ich seit Jahren erlegen. Umso mehr kränkt es mich, dass Ritter ihn immer blöd mit Witwen, Mörderinnen, Täterinnen, Zeuginnen und sonst was verkuppeln will ! Finger weg! Stark ist mein! Beim Anblick des süßen Starks im Anzug schmachtete ich also schon in den ersten Sekunden…

Und dann: Eine Leiche in der Berliner U-Bahn ! Chloe ward entzückt. Wie Klayn-Maya weiß, chann Chloe in ihrer

individualmotorisierten Welt […] gar nicht genug kriegen von den Geschichten aus dem ÖPNV

Aufgeregt schlug ich meinem Gucknachbarn auf den Oberschenkel: „Der wird gut, der wird gut!“ Enttäuscht schaute ich bereits nach einer halben Stunde auf die Uhr. Vorneweg also die Note 4- ! So einfallslos wie der Titel „Oben und Unten“ war auch das ganze Drehbuch (Natja Brunckhorst) gestaltet. Lediglich die schönen Aufnahmen (Regie Nils Willbrandt) von Mayas Wahlheimat retteten über die Note Sechs hinweg.

Von allen Seiten rasten Schienenfahrzeuge an Chloes begeisterten Augen vorbei. Im Nachhinein fällt auf, dass das Ermittlerduo – ganz Tatort untypisch – nicht ein einziges Mal mit dem Auto unterwegs war. Handelte es sich um eine Werbedauersendung für die Bahn? Es fehlte nur noch, dass Insassen den Tipps der Punkt 3, der Verkehrszeitung der S-Bahn-Berlin GmbH und DB Regio, folgten, und in die nächste Kletterhalle, nach Belzig zum Wandern oder an den Reichstag fuhren…

Ferner hatte ich den ganzen Film hinweg den Verdacht, dass das „Oben“ einer einzigen Stadtführung glich. Maya maynt auch immer, es gäbe kein Industrie in Berlin. Wahrscheinlich versucht die Hauptstadt deshalb über perfideste Mittel das Geld aus dem reichen See-Süden abzuschöpfen? Erst fungierte der Tatort als Konjunkturpaket für die Automobilindustrie und nun soll er den Berlintourismus ankurbeln? Und siehe da (Chloe choogelte mal wieder): Auf stattreisenberlin.de gibt es in der Tat eine Tour für Tatort-Fans, die „den Spuren der Berliner Tatort-Kommissare Till Ritter und Felix Stark zu den Orten des Verbrechens folgen“ können.

Der Ort des Verbrechens befindet sich dieses Mal in der Unterwelt Berlins. Was wohl die Katakomben-Tour kostet? Darf man auch mit der original Taschenlampe aus dem Tatort durch die Berliner Gedärme wandern? Bekommt man ein selbstgemaltes Portrait vom Katakomben-Künstler?

Wer der Mörder des Bauunternehmers Baumann (der Nachname ist wieder sehr einfallsreich gewählt!) ist, das habe ich mich ehrlich gesagt nicht eine Minute lang gefragt. So doof fand ich alles. Marode Bauunternehmen haben sich für mich inzwischen als Sujet noch mehr ausgelutscht als Ehrenmorde. Der Berliner Baumann haut zumindest nach seinem Bankrott nach Lateinamerika ab, hinterlässt eine Frau und einen Sohn. Heiratet wieder die bissige Muriel Baumeister (nein, die heißt wirklich so im echten Leben!) und kommt über diverse Fördergelder an das Großprojekt „Schindlerhöfe“. Es wurde jedoch geschlampt, der Hohlkörper ist nicht wirklich zum Einzug bereit. Frau Baumeister weigert sich daher zur Eröffnungsfeier zu erscheinen. Das eingeschüchterte Au Pair Mädchen weigert sich als Alibi missbraucht zu werden. Ritter startet natürlich wieder seine Kuppelungsaktionen bei meinem Stark. Als ich entsetzt bemerke: „Warum führen die denn plötzlich so ein Au Pair Mädchen ein, das eindeutig zu alt für die Rolle ist?!?!“, setzt mein Gucknachbar einen drauf: „Weil sie süß ist!“

Chloe ist für fünf Minuten beleidigt. Der Sitznachbar wird von der Couch gehauen und die schöne Maja Schöne von choleric Chloe verteufelt: Au Pairs haben in Berlin gefälligst aus Polen zu kommen und sind nicht halb Deutsch, halb aus Luxemburg!

Nebenher taucht noch ein Herr auf, den Baumann mit in den Bankrott gerissen hat und der es nicht erträgt, dass Baumann nun einfach wieder in Deutschland walten darf während seine Existenz vernichtet ist. Immerhin hat mich ein Satz aus dem Drohbrief höllisch zum Lachen gebracht: „Baumann, ich werde Dich aus dem Genpool der Menschheit löschen!“ Das nenne ich Authentizität.

So, nun tief Luft holen: Im „Unten“ wird ein T-Shirt der Einrichtung „KIDS“ für (ich habe schon wieder vergessen, wofür das Akronym stand) schwererziehbare Kinder gefunden. Praktisch, so können in das Berliner Klischee-Potpourri neben fiesen Managern und Obdachlosen noch ein paar Ausländer gemixt werden. Der KIDS-Betreuer Daniel führt Stark in die Katakomben Berlins ein. Erlebnispädagogik im Kanal statt in der Natur!
Dort treffen sie auf den verrückten Künstler Gregor (Harald Schrott) und sein Atelier. Es ist der Künstler, der schon in der ersten Szene (ah, stimmt, die fahren doch Auto!) für einen Stau sorgt, da er das Lösegeld aus dem Koffer in die Menschenmenge wirft. Frau Baumann findet indes eine DVD mit der Aufnahme einer verwahrlosten Frau, die Pfandflaschen einsammelt. Kurz: Daniel ist natürlich der erste Sohn Baumanns, der den Absturz seiner Mutter rächt. Zum Selbstmord auf den Gleisen fehlt ihm aber der Mumm.

Warum der Underground-Künschtler auftaucht, weiß kein Mensch. Wahrscheinlich soll er dem Tatort im wahrsten Sinne des Wortes Tiefe verleihen. All das Geschwätz von den Gedärmen…

Immerhin hartzt Frau Ex-Baumann nicht herum. Die schrullige Gestalt verdient ihren Unterhalt lieber selber mit dem Einsammeln von Pfandflaschen. Achtung Maya, vielleicht sitzt Dir die Berliner Bekannte bei Deinem nächsten Supermarkteinkauf zwischen den Regalen im Nacken…

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Eine Antwort

  1. Du stehst echt auf den Stark? Kann ich nicht fassen, der ist zwar ein guter Schauspieler aber meine Redaktionskollegin bezeichnete ihn zurecht einmal als „diesen Kleinen vom Tatort, der aussieht wie ein Gnom“. Im Übrigen fährt der ja immer S-Bahn, während Ritter der Großstadtcowboy mit dem eigenen blechernen Pferd ist. Nur diesmal ging es ja in die U-Bahn. Deshalb hatte die Punkt3 da auch nichts zu suchen, wenn dann hätte die BVG unterwegs die passenden Ausflugstipps und Baustellenhinweise geliefert.
    Übrigens, die Katakombenführung kostet ca. 9 Euro und gibt es hier: http://berliner-unterwelten.de/.
    Aber das alles nur so nebenbei, der Tatort selbst, ach Chloe, du hast ja so Recht, war enttäuschend.

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