Was für ein TV-Wochenende!


Eigentlich stehe ich ja wegen meiner bis auf groteske Ausmaße ausgedehnten Ausbildungsphase doch häufig unter Infantilitätsverdacht, aber an diesem Wochenende war ich beim Zappen durchs Fernsehprogramm ernsthaft froh, kein Teenager mehr zu sein. Erst diese viel gehypte und lange erwartete Hochglanz-Serie „Gossip Girl“ – irgendwie war mir das zu viel „Eiskalte Engel“ und dieses „arme reiche Kinder“-Ding kennen wir doch auch schon in allen Variationen. Ich weiß nicht warum der Spiegel-Rezensent derart begeistert war von diesem Schautragen diverser Designer-Kleidung durch die seelenlose New Yorker High Society, ich fands langweilig und tausendmal gesehen. Wenn ich wissen will, wie die neuesten Trends aussehen, dann kann ich auch die Vogue durchblättern, die liefert mir erstens die aktuelleren Kollektionen (hört man nicht, nach dem Finanzcrash herrsche in den USA eine zurückgenommenere Mode – Rezessionista statt Fashionista?) und zweitens erspart mir die Vogue den Kinderkram à la wer ist auf die Party eingeladen und wer küsst wessen Freund? Sex and the City war da doch die gelungenere Kombination aus Modezeitung und Geschichte.

Offensichtlich bin ich also als TV-Konsumentin ins Erwachsenenfach gerutscht. Denn direkt im Anschluss konnte die aufgewärmte Version DER Serie meiner Pubertät, Beverly Hills 90210, mich leider auch nicht wirklich überzeugen. Dabei versuchten die Autoren uns Zuschauer der ersten Generation mit allen Mitteln zu bedienen: ein paar alte Gesichter sind dabei (die sehen seltsamerweise noch genauso aus wie damals – könnte am Botox liegen und an der Tatsache, dass Brenda, Kelly und Co. auch damals nicht aussahen wie Teenager, die sie spielten) und auch der Ausgangspunkt der Story ist ähnlich: Geschwisterpaar aus der Provinz zieht nach Beverly und muss mit den reichen verzogenen Mitschülern klarkommen. Die einzige Neuerung – die ehemalige typische Prüderie scheint ein wenig überwunden – denn nun bekommt der Star des Lacrosse-Teams in seinem Auto morgens vor der Schule noch mal eben einen Blow-Job und zwar nicht von seiner Freundin. UIuiui! Bin ich froh, dass ich nicht mehr 13 bin, dachte ich mir da, denn beim Psychotest „welchem 90210-Charakter ähnelst du?“ hätte ich derlei Schulparkplatz-Aktivitäten noch nicht auf meiner Liste gehabt und wahrscheinlich direkt als Schul-Nerd abgestempelt worden.

Die gleiche Dankbarkeit in einer anderen medialen Welt aufgewachsen zu sein kam dann beim abendlichen DSDS noch einmal über mich. Zu meiner Zeit – das kann ich jetzt als gefühlte TV-Oma mal ganz nostalgisch sagen – wurden selbst unsympathische Kinder/Jugendliche wie Annemarie Eilfeld nicht als „Bitch“ bezeichnet und Dieter Bohlen war noch ein unfähiger aber gut verdienender Sänger. Sprachkritisch gesehen ist die Titulierung auf jeden Fall interessant, ich frage mich warum man mit englischem Kauderwelsch (ohnehin Bohlen bevorzugte Sprache) mehr sagen darf? Oder kann sich jemand vorstellen, Bohlen wäre mit der Vokabel „Schlampe“ genauso durchgekommen? Ich nicht, zumindest hoffe ich, dass das nicht gehen würde. Allerdings finde ich auch, dass „Bitch“ zu weit geht, eben wegen der kalkulierten Zweideutigkeit. Das schöne deutsche Wort „Biest“ hätte es auch getan und dem ganzen ein wenig die Brisanz genommen, aber entschärfen ist natürlich ein Fremdwort in diesem Geschäft.

Zu allem Überfluss kam dann auch noch der mittelmäßige und mit Klischees (verwahrloste Kinder, verrückte Künstler, die BVG, Unterwelten, Baustellen und -sünden…) vollgestopfte Berlin-Tatort am Sonntag dazu, aber das ist Chloes Story…

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3 Antworten

  1. Du warst Bohlen Voraus ! Ich erinnere Dich:

    „Chloe the high-suabian bitch just spoilt tabangan’s drink on the floor…“

    Ich hoffe, Du hattest damit nicht „oberschwäbische Schlampe“ gemeint. Mit Biest kann ich leben…

    Tztztz. Doch keine TV-Oma, sondern vielmehr eine Wort-Orakel….

  2. ERWISCHT – Aber ich war betrunken, nicht im Fernsehen, du bist erwachsen, dem ganzen Ding ging ein passender Diskurs voraus und wir sind die Realität verfremdende Karikaturen!

  3. Natürlich war auch nicht Schlampe gemeint. Allerdings könnte man Bohlen auch als „die Realität verfremdende Karikatur“ bezeichnen, oder?

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