Glitzer-Kater


UFF – Das wars gewesen, die Glitzer-Überdosis aus Eurovison Song Contest und Life Ball ist absorbiert und durch erhöhten Sprachfluss bei der sonntagmorgendlichen Berichterstattung von der Spree an den See ausgespült worden.

Während meiner punkt, komma- und pausenlosen Suada über die Grauen der diesjährigen Performances unserer lieben Fellow Europeans ermahnte Chloe mich besorgt: „Maya, Maya – hol doch mal Luft!“. Um traumatischen Störungen entgegenzuwirken empfahl sie mir neben der Gesprächstherapie noch eine schriftliche Aufarbeitung:

Mach doch einfach nen Satz zu jedem Land!

Ich bin jedoch noch nicht soweit, das ganze Debakel noch einmal zu erleben, nicht weil Deutschland so schlecht abgeschnitten hat – 20. von 25. – wer hätte angesichts des fürchterlichen Liedes, des sich in fast schon tragischer Weise selbst überschätzenden Alex Christensen und der grotesken Parodie eines Musical-Darstellers denn ernsthaft mehr erwartet?

Die weiteren Auftritte und besonders das Abstimmungsverhalten der Menschen sind mir einfach schleierhaft. Dass Island mit der hübschen Ballade auf Platz 2 gekommen ist, leuchtet mir ja noch ein. Der 3. Platz für Aserbaidschan, die ernsthaft Windmaschine, Feuerwerk und Tänzer in Glitzerkostümen und Shakira-Anleihen einsetzten, um ihr mittelmäßiges Up-Tempo Duett aufzuhübschen  – meint das ganz Europa nun ironisch?

Nicht vorenthalten möchte ich außerdem den albanischen Beitrag und zwar vor allem, weil ich mir von Chloe eine Interpretation erwarte. Was hat es mit diesem grünen paillettenbesetzten ganzkörperverhüllten Tänzer wohl auf sich? Eine mythologische Figur der Skipetaren?

Warum der herzige Norweger gewonnen hat, der ohnehin schon von allen als haushoher Favorit gehandelt war, verstehe ich allerdings auch nicht wirklich. Maya maynt: Ganz nett, nicht ganz so peinlich wie viele andere, aber mehr? Ein bisschen störend sind diese arg einstudiert wirkenden Gesten ja wohl schon:

Nun ja, trotz jahrelanger Grand Prix/Eurovision- Erfahrung gelingt es mir offensichtlich bis heute nicht, den Geschmack der Europäer auch nur ansatzweise nachzuvollziehen. Mein Schlagerverständnis ist eben begrenzt und ich bleibe auf der Pop-Seite der Musik. Da fühle ich mich dann doch wohler.

Wie man Streicher effektvoll und weniger volkstümelnd kitschig einsetzt, gab es nämlich bei einem Auftritt auf der Parallel-Veranstaltung in Wien zu sehen. Zum Gesang dieses irischen Röschens tanzten Maya und Chloe schon seit Jahren leidenschaftlich gerne. Ist das nicht schön?

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7 Antworten

  1. Also, wer den Grand Prix verseht, der ist entweder ein Genie oder hat eine ganz große Macke. Ich entziehe mich diesem ganzen Quatsch schon seit einigen Jahren erfolgreich. Wobei ich mir eben doch noch mal den aktuellen und letzten deutschen Beitrag angehört habe. Bei den Engeln musste ich schon nach 64 Sekunden abbrechen, die zwei Jungs konnte ich immerhin ganz gut ignorieren. Außerdem fehlte beim Video ja noch die Hauptdarstellerin und wenn die mal richtig hätte loslegen dürfen, dann hätte es vielleicht auch für Rang 19 gereicht. Aber das Gute daran ist ja der Punkt, dass es nächstes wahrscheinlich noch besser wird als dieses. Yippie!

  2. Hört hört – things can only get better! Sehe ich auch so, aber wofür hältst du dann unseren lieben gemeinsamen Freund, der jedes Jahr zum Grand Prix in die hessische Heimat fährt und im letzten Jahr sogar den Ausgang so genau vorausgesehen hat, dass er die Wandertrophäe dieser Veranstaltung – einen Mattel-Ken – mit nach Hause nehmen durfte? (Was übrigens aus seiner Absicht wurde, den letztjährigen Sieg zu wiederholen habe ich noch nicht erfahren…- SpreeSee-Lesern ist der besagte Freund auch bekannt als Sender ungenießbarer Bierwerbung, aber diese Begebenheit zeichnet ein falsches Bild von ihm)
    Tja Jos, ist er nun ein Genie oder gaga?

  3. Eines schließt das andere ja nicht auch 😉 Roisin Murphy ist eine geniale Ikone, aber für mich gehört auch Patricia Kaas in genau diese Kategorie, sogar schon länger. Ihr hätte der erste Platz gebührt. Den norwegischen Beitrag fand ich auch einfach nur ganz nett. Der folkloristische Einschlag rettet ihn irgendwie ein wenig aus der Banalität.

  4. „nicht aus“ meinte ich natürlich!

  5. Was ist denn hier los? Ich wollte endlich meine fundierte Interpretation zum albanischen Beitrag nachreichen und das Video wurde auf You Tube aus urheberrechtlichen Gründen entfernt!! Maaaaayyyyaaaaaaaaaa ! Mach, dass das wieder da ist!

  6. Jajajaaaa- jetzt stressen Sie hier mal nicht so rum, gutes Fräulein Dornröschen. Erst wochenlang in Tiefschlaf verfallen und sich dann um uralte Anfragen kümmern wollen!
    Videos sind aufgefrischt, jetzt bin ich mal gespannt auf deine Auslegung.

  7. Das war ja auf Englisch! Wozu schaltest Du mich dann als Dolmetscher ein?

    Warum der blaue Schlumpf um die blondierte Spieluhrenfigur hüpft, kann ich Dir auch nicht beantworten. Wie Du weißt, vermeide ich den Umgang mit Schlümpfen.

    Die zwei Pantomimen stellen wohl die schleichende Kastration des Patriarchats in Albanien dar. Die Männer kommen nicht mehr zu Wort, sie müssen sich auf ihre Mimik beschränken.

    Tanz und Zirkusartistik liegen mir nicht. Wenn ich heute Abend schon selbst als Pantomime auftrete, dann als Vertreter des Stummfilms…

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