Miss Marple und das Recht der Freien See


Ein bisschen aufgeregt bin ich ja schon, seit ich weiß, dass wir sozusagen mit einem prominenten Schreiberling die Tatort-Begeisterung teilen, ich habe aber  – um mich der Beeinflussung zu entziehen – noch nicht gelesen, was Feridun Zaimoglu in der Zeit zum Tatort sagt.

Tatort aus Bremen: Schiffe versenken. Sonntag, 24. Mai 2009

Ganz nett, Note 2-3

Inga Lürsen (ohne Angst vor einem altersentsprechenden Charaktergesicht und schon alleine deshalb sehr lobenswert: Sabine Postel), die patente Altachtundsechzigerin, „hat Rücken“. Deshalb lässt sie sich aber noch lange nicht von dem jungen Hüpfer von Assistenten die Butter von Ermittlungsbrot nehmen, nicht einmal die Hand reichen darf er ihr, um beim Besteigen eines Kleinbusses behilflich zu sein. Die Tatsache seines Geschlechts lässt die selbstverständlich durch und durch emanzipierte schon gar nicht als Argument gelten, dem Stedefreund die Seefahrt zu überlassen, sonst wär der Tatort auch nur halb so lang geworden.

Diese putzige Schrulligkeit erinnerte mich schon in den ersten Minuten an Miss Marple und das Gefühl des leicht angestaubten Krimis, schon ein bisschen spannend, sehr unterhaltsam aber doch in einem für heutige Zeiten sehr gemächlichen Tempo voranschreitend, verließ mich auch die restliche Zeit nicht.

Was passiert ist, ist mal wieder typisch Lürsen gegen die bösen Profitmacher. Die einst friedensbewegte Kommissarin mit den hohen Idealen wird mit Stedefreund zu einem Fischkutter gerufen. Dem sind in der überfischten Nordsee ein paar Heringe und eine Leiche ins Netz gegangen, so kommt die Polizei in den Genuss einer gut geeisten=konservierten Leiche, was zu einem späteren Stand der Ermittlungen interessant sein wird. Zunächst mal stellt sich aber heraus dass der Mensch namens Jankowski vor seinem Ableben selbst zur See fuhr, auf der MS Karina, einem Frachtschiff. Dieses Frachtschiff entert Lürsen dann auch tapfer um die Besatzung zu befragen, doch die gesamte fast schon grotesk kauzig dargestellte Crew stellt sich derart quer, dass Lürsen auf der MS Karina weiterermittelt, bis diese die 12 Meilen Grenze überschreitet. Ab da – so erfahren wir – herrscht das Recht der Freien See und deshalb gibt es kein zurück mehr und die Kommissarin hat nichts mehr zu sagen, sogar die Dienstwaffe wird einkassiert. Dabei hatte die Lürsen gerade ein wenig „Land gesehen“, was Identität und Verbleib des Toten angeht, dieser war nämlich tatsächlich 2. Offizier auf der MS Karina.

Also entspinnt sich ein Kammer- bzw. Kajütenspiel auf der hohen See mit viel Alkohol, Übergriffen, Sturm, List und Tücke. Ein Verdacht, der völlig durchgeknallte Ingenieur (großartig, einer meiner alltime – Lieblinge: Gustav Peter Wöhler) habe den Jankowsi aus Wut und verschmähter Liebe über Bord geworfen, zerschlägt sich schnell.

Der Fund einer Kamera auf dem Schiff und der dazugehörigen Speicherkarte im Magen der Jankowski-Leiche bringt die Frevelei der profitgeilen Reederstochter ans Licht: Die hat zusammen mit dem 1. Offizier an ihrem alten Vater und dem trunksüchtigen aber herzensguten Kapitän vorbei das Schiff überladen und die Sicherheit der MS Karina gefährdet. Damit dieses Spielchen munter fortgesetzt werden konnte, musste Jankowski, der die Beweise blöderweise verschluckt hatte, mit diesen aus der Welt geschafft werden.

Die Überführung der eiskalten Blonden an Land und ihres Helfershelfers an Bord dauert allerdings eine Weile, denn Lürsen und Stedefreund müssen nach dem Herausfinden des „WAS“ noch ein paar spannende Einlagen in Sachen unsicheres Schiff auf hoher See bei schlechtem Wetter und junger Kommissar kämpft gegen bürokratischen Staatsanwalt und klaut Unterlagen in der Botschaft von Liberia (?weiß nicht mehr so genau welches Land?) hinlegen bis sich das „WER“ durch Lürsens geschicktes Taktierspielchen  selbst verrät.

Am Ende renkt sich zwar nicht alles wieder ein, der Rücken der Kommissarin aber schon.

Advertisements

2 Antworten

  1. […] auch direkt bei der ersten Einstellung völlig im Keller: ein Schweißer auf einem Schiff – Bitte nicht schon wieder die Seefahrt – schimpfte ich vor mich hin. Zum Glück beruhigte mich gleich das Alpenpanorama im […]

  2. […] Informationen gibt’s im Fundus. Zugesehen haben Sopranisse, mayavonderspree und Heiner-Maria […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s