„Kuckuck Kuckuck“ ruft’s aus dem Uterus


Tatort aus Linz „Kinderwunsch“, Montag 2.6. um 20.25 Uhr

So lala: 3+

Vielleicht ist ein ARD-Brennpunkt über einen Flugzeugabsturz einfach nicht die beste Vorbereitung für einen gemütlichen Krimiabend. Denn eigentlich hatte ich mich gefreut, Chloes Dienst am Tatort zu übernehmen, aber das wohlige Sonntagabendgefühl wollte einfach nicht kommen – kein Wunder an so einem traurigen Pfingstmontag.

Meine Laune war dann auch direkt bei der ersten Einstellung völlig im Keller: ein Schweißer auf einem Schiff – Bitte nicht schon wieder die Seefahrt – schimpfte ich vor mich hin. Zum Glück beruhigte mich gleich das Alpenpanorama im Hintergrund, handelt es sich doch bei „Kinderwunsch“ um einen österreichischen Tatort.

Sehr up to date ist dieses Kinderwunsch-Thema ja sowieso. Neuerdings macht US-Schauspielerin Sarah Jessica Parker auch noch ziemlich gruselig vor, wie man sich da als Frau geschickt  durch das Engagement einer Leihmutter aus der Affäre zieht. Soweit ist es im guten alten zwar Europa noch nicht, aber auch hier ist es ein Geschacher um die Brut. Mit gutem Grund passt das Thema so hervorragend ins Nachbarland: Die Expertise des Bergvolkes für künstliche Befruchtungen führt zu einem In-Vitro-Tourismus, der mir aus der eigenen Umgebung bekannt ist, die Ösi-Embryonenschutzgesetze sind nämlich weniger streng als die hierzulande und das hebt die Chancen auch in schwierigen Fällen schwanger zu werden enorm, meine jüngsten Verwandten sind lebendige Zeugen dieses technischen Knowhows (nebenbei sind sie auch ganz putzig).

Zurück zum Tatort:

Weil eine Linzer Privatklinik dann doch ein bisschen zu gut ist im Schwängern schwieriger Fälle, war eine Journalistin aufmerksam geworden und hatte alles zusammen, um mit einer richtig großen Story einen veritablen Skandal aufzudecken: die Ärzte beglücken nach der 3. oder 4. „Fehlzündung“ die Frauen ungefragt mit fremdem Erbgut, je nachdem ob Spermien oder Eizelle nicht so richtig wollen, werden diese durch bessere Leistungsträger ersetzt – schließlich geht es ja um die Rentenzahler der Zukunft – wer wird denn da kleinlich sein?

Im Prinzip niemand, so lange der Verdacht nicht bestätigt ist und der Kinderwunsch groß genug war. Und wo ein „eigenes Kind“ anfängt oder aufhört ist bei diesem Kuckucks-Wirrwarr schwer zu sagen. Bei Fleisch und Blut, Genen oder Geburt, Erziehung?

Wenn die Tatsachen aber dank DNA-Test oder guten Grundkentnissen der Vererbungslehre (Mendelsche Gesetze, 7. Klass Bio) klar auf der Hand liegen, dann wird es gefährlich für den Familiensegen und auch für die Reproduktionsmediziner.

Die Journalistin jedenfalls wollte die Story dann doch nicht bringen, zu heikel war ihr der Gedanke, all die stolzen glücklichen Eltern traurig zu machen, ihr hätte es genügt, wenn die Herren Ärzte (deren eigene Kinderschar auch auffällig zusammengewürfelt gecastet wurde, von keltisch rothaarig bis mediterran dunkel) dem Schindluder abschwören würden. Alleine haben die aber gar nicht die Entscheidungsgewalt, schließlich sind sie aus Osteuropa finanziert und wollen sich außerdem die feine Quote nicht kaputt machen lassen. Da passt es ganz gut, dass die Financiers zusagen, die unangenehme Sache zu regeln. Was weniger gut passt: die Ukrainer schicken einfach gleich nen Killer. Der wollte zwar der Journalistin nur Angst machen – Pech für sie, dass sie Asthmatikerin war – aber den zweiten Mord am mitwissenden Gentechniker, den begeht er absichtlich.

Und dann gibt es da noch eine hübsche Pianistin die den aus Wien angereisten Kommissar von der Arbeit abhalten soll, eine ehrgeizige Kollegin und Ex-Freundin der ermordeten Journalistin, die den Mörder deckt um die Story doch noch rausbringen zu können, ein Fitness-Studio-Inhaber-Pärchen, das in der Geschichte mit drinhängt und eine fürchterliche Pudelmütze auf dem Kopf der Linzer Kommissarin, deren eigene Schwangerschaft mit dem Regie-Zaunpfahl „angedeutet“ wird, dass sie einfach in jeder Szene etwas isst.

Ach so: und zum Showdown auf einem Schiff kommt es dann doch wieder. Alles in allem hat man sich hier sehr bemüht, nur bei aller Sorgfalt, das Kinderwunsch-Thema feinfühlig abzuhandeln, ist die Krimihandlung ein bisserl verschütt gegangen und muss dann in den letzten 15 Minuten mit viel Action und der Enttarnung der Pianistin als Verbündete des Killers nachgeholt werden. Es gab zwar keine argen Schnitzer, aber mir kam es zeitweise sehr unflüssig zusammenmontiert vor, dauernd traten irgendwelche Figuren auf und wieder ab, die Handlungsstränge griffen einfach nicht gut ineinander. Irgendwie war ich halt selbst nicht in Stimmung und die Kraft einen Sog zu entwickeln, mich reinzuziehen, entfaltete dieser Tatort definitiv nicht, darum das Urteil: so la la!

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2 Antworten

  1. […] Mehr Informationen gibt’s wie immer im Tatort-Fundus; Sopranisse hat, wie immer, live gebloggt, zugesehen haben Ponkie und Chloevomsee. […]

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