Samstag am See


Freitag Abend vor dem nächsten Wochenende – das hier ganz vom Seehasenfest und der Outdoor Messe überschattet ist – schmerzt mich noch der Gedanke an das allerletzte. Von wegen aller Guten Dinge sind DREI. Letzten Samstag fiel ich gleich drei Mal auf die Schnauze.

1. Ein neues Museum für Friedrichshafen !

Ganze vierzehn Tage vor der offiziellen Eröffnung kam ich über Kollegen in den Genuss, das neue Dornier Museum Friedrichshafen zu besichtigen. Dornier, chlaubte Chloe, klingt nach einer fantastischen Gemäldesammlung! Sicherlich hat der Großindustrielle Claude aus Kempten mit den Einkünften seiner Flugzeugkonstruktionen für den Grafen Zeppelin großartig in Kunst investiert. Ein kleiner Fön drübte zwar morgens schon meine Stimmung, aber zur Mittagszeit standen wir neugierig vor den Pforten dieser modernden Architektur:

Eingangspforte Dornier Museum Friedrichshafen

Eingangspforte Dornier Museum Friedrichshafen

Langsam ahnte mir auch Ungeheuerliches. Das Gebäude ward nicht nur auf das Flugzeuggelände verpflanzt, es war auch von solchen umgeben! Lauter Dos verdeutlichten mir, worum es eigentlich ging: Ein technisches Museum! Der Claim auf der Eintrittskarte „Dornier Museum Friedrichshafen – Where Great Pioneers Meet” gab mir den Rest. Dennoch konnte ich keinen Rückzieher mehr machen. Wir hatten ein Kind dabei… aber viel Spaß hatte die Kleine auch nicht. Der Werdegang einer Luft- und Raumfahrtfirma haut nur Ingenieur-Nerds von den Socken. Ferner regte ich mich maßlos über die schlechten Texte auf, die gleich den Anspruch erhebten, die komplette deutsche Geschichte zu rekonstruieren (selbst Siegmund Freud tauchte beiläufig in einem Satz auf!). Für unsere Heranwachsende waren die Tafeln viel zu hoch angebracht. Deshalb dichteten wir für sie eigene Geschichten zusammen. Von durchsichtigen Plexiglasscheiben mit Fotos im Hintergrund ließ sich nämlich nur zu schwer ablesen. Weder Satelliten noch Raketen beeindruckten mich. Also versuchte ich mein Glück im Museums Café und Shop. Aber beides war so hässlich eingerichtet und bestückt, dass ich mich nur noch mit dem Fragebogen auseinandersetzte und den Hangar kopfschüttelnd verließ. Maschinen statt Monets…

2. Boulder Cup in Überlingen

Eine Stunde brauchten wir um hinzukommen. Und eine Stunde um zurückzukommen. Mehr Worte braucht man hierbei auch nicht zu verlieren. Nur der Kletter-Karikaturist Erbse, der Kinder malte, veranlasste mich, meinem MOMA ein Foto zuzumailen. Ich wollte mich zwar noch von Erbse als chletternde Chloe zeichnen lassen, aber leider musste er sofort weg, da seine Frau in den Wehen lag. Gegen die Geburt des dritten Kindes kam ich nicht an…

Erbse 2009

Erbse 2009

3. Provinzrummel

Pünktlich um Mitternacht waren wir also wieder in Friedrichshafen angekommen und beschlossen, dem Partyabend noch eine faire Chance zu geben. Insider hatten uns per SMS gesteckt, dass am Hexenhaus die Sommerparty groß am Start sei. Hexenhaus? Chloe chonnte sich rein gar nix darunter vorstellen und choogelte heimlich auf der Rückbank nach. Ein gewisser Maler Melchior Setz hatte in der Nähe von Neukirch sein Haus über Jahre hinweg zum Kunstwerk verwandelt. Mensch, dem armen Künschtler muss ganz schön langweilig auf dem Land gewesen sein, dachte Chloe… Also fuhren wir zum Fescht hinterm Mond – äh, der Ort hieß „Hinteressach“. Um das kleine Hexenhäuschen, das doch reizend anzuschauen war, hortete sich die betrunkene Landjugend und veranstaltete ein Miniatur-Oktoberfest mit Boxautos und Bierzelten.

Hexenhaus in Hinteressach

Hexenhaus in Hinteressach

Es herrschte ein Lärm wie ich ihn hier unten am See sonst nie vernehme. Wo kriechen bloß immer all diese Menschen heraus, um sich an einem völlig absurden Ort plötzlich zum Volksaufsauf zu treffen? Mir bleibt das ein Rätsel. Ich blieb auch nur fünf Minuten und fuhr – nachdem ich noch den Blick rechtzeitig vom speienden Übel neben mir weg gen Himmel wandte sowie eine Sternschnuppe sah – einfach direkt in mein Bett.

Keine Selbstversuche mehr ! Und mein Wunsch sei nicht verraten…

Advertisements

2 Antworten

  1. Tja Chloe, so verschieden sind die Geschmäcker: Von wegen das Dornier Museum Friedrichshafen „haut nur Ingenieur-Nerds“ von den Socken. Das von mir sehr geschätzte ZEITmagazin hat es nun sogar auf der neue Seite „heiter bis glücklich“ zu einem das Lebensgefühl steigernden Ort erhoben:
    „Das neue Dornier Museum in Friedrichshafen ist ein Glücksfall: Vergangenheit und Zukunft der Luftfahrt in einem Bau, der an einen eleganten Hangar erinnert“.

    Mir würden da sicher auch tausend andere Museen einfallen, die mein Lebensgefühl effektiver steigern könnten.

  2. Das ist doch Schiebung. Wahrscheinlich ist der Herr vom Stadtmarketing mit dem Redakteur befreundet. „Glücksfall“? Was sind das für Worte für solche Schuhkartonorte…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s