Chloes Sendungsbewusstsein


Maya kennt mein Naturell:

Der Kommunikationsjunkie Chloe stand schon immer allen Neuerungen affirmativ gegenüber, sie war es, die mir vor gefühlten tausend Jahren meinen erstem E-Mail-Account einrichtete und sie ist es, die mir heute in den Ohren liegt, noch ein Profil in einem vierten Sozialen Netzwerk einzurichten.

Mayas Worten kann man entnehmen, dass ich in der Tat eine kleine Web 2.0 Missionarin bin. Ich ziehe in fremde oberschwäbische Küchen & Vereine ein, um meinen virtuellen Glauben zu verbreiten. Meine Bibel bzw. mein Wachturm heißt schlicht Facebook Schulungsunterlage. Und heute, da ich auch noch den letzten Netzwerk-Heiden am See geknackt habe, kann ich endlich ruhigen Gewissens gen Westen weiterziehen!!

Fast fiel ich vom Stuhl, als mich nämlich morgens diese Anfrage über den konservativen Email-Postweg erreichte:

hi chloe,

habe einen ersten versuch gestartet mich bei facebook anzumelden. muß aber an nina hagen denken: „ist alles so bunt hier, kann mich garnicht entscheiden“. habe da sicher noch ein paar fragen, bezahlung in naturalien 😉

grüße kino-woody

ps: das mädchen von monaco ist da. muß ich nur noch aufziehen.

Ich war so perplex, dass ich Kino-Woody prompt ausversehen auf einen beruflichen Email-Verteiler zum Thema Prozessverantwortlichkeit setzte. Seine Antwort auf meinen Fauxpas kam sofort:

Sehr geehrte Frau von See,

bitte achten Sie doch etwas genauer darauf, an wen Sie Ihre Geschäftskorrespondenz schicken.

Ich chaube, ich gehöre dem von Ihnen gedachten Kreis von Adressaten nicht an.

Bis bald auf einem pivaten Kanal.

Ich antworte flugs mit Bezug auf seine erste Mail

mich hast du ja auch gerade ganz schön aufgezogen ; )

Auf mein Ablenkungsmanöver konterte Kino-Woody nun wieder direkt:

nur richtig schreiben sollte man schon noch können. vorallem wenn man versucht jemanden aufzuziehen. soll natürlich chlaube und nicht chaube heissen 😉 also wie sieht es aus mit lekkar wein gegen facebook-entwicklungshilfe?

Mein neuer Jünger zahlt also in Weinflaschen. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass Kino-Woody, der Mensch ohne Fernseher! und neurotischer Web 2.0-Aversion, mich um Facebook-Nachhilfe bittet. Nun gut, ganz unbeteiligt bin ich an seinem plötzlichen Netzwerk-Erwachen auch nicht. Drohte ich noch beim letzten Treffen am Samstag:

Meld Dich endlich mal auf Facebook an! Sonst bist Du nach meiner Abreise nicht mehr auf dem aktuellen Stand. An Muckies Norwegenbilder kommst Du dann auch mal ran!

Mache ich mich mit einer derartigen Erpressung strafbar?! Ich handle wohl wie eine wahre Missionarin: Zuckerbrot und Peitsche!

Hm… ich sollte heute Abend auch noch MoMa fragen, ob er sich neben XING (das habe ich ihm schon aufgeschwatzt) nicht auch auf Facebook blicken lassen könnte! Eigentlich muss man vom Schöpfer der Miss Tschörmanie auch auf Facebook Fan werden können!! Moma, meld DICH AN!

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3 Antworten

  1. Guten Tag! Dazu kann ich nur sagen, dass ich gestern beim Einparken auf Bayern 2 eine Sendung zum Thema „Warum wird ausgerechnet Facebook immer beliebter und alles andere verschwindet in der Versenkung?“ (oder so ähnlich) hörte – leider konnte ich nicht bis zum Kern der Antwort auf die Frage weiterhören, da ich wieder dringend zu meiner seit unserem Finnland-Urlaub unglaublich schlecht einschlafender Tochter musste, bevor andere an ihr verzweifelten. Ich glaube, die Antwort war ohnehin die, dass Facebook als erste den Friendsfeed hatten… http://radioprogramm.ard.de/viewEvent.php?STATION_ID=&LRA_ID=&id=9901901245824

  2. Dieser Friendsfeed kann aber wahnsinnig brutal sein! Freunde & Familie verkommen zu C-Promis, die ihre eigene PR-Abteilung sind und uns mit Status-Schlagzeilen über Änderungen ihrer Privatsphäre auf BILD-Zeitungsniveau informieren. Wer nicht täglich liest läuft Gefahr, von Freunden zu erfahren, sie hätten auf Facebook gelesen, dass XY und XX aus der eigenen Familie YY bekannt gegeben haben….

  3. Stimmt. Anscheinend gab’s auch Protest von der damals bereits bestehenden Facebook-Gemeinde. Aber er setzte sich nicht durch, ganz im Gegensatz zu dem Gegenstand des Protests…

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