Sag zum Abschied leis‘ Ahoi


Und ich hatte schon Angst, Harald Schmidt würde bald den Quotenwächtern zum Opfer fallen, seit er am 17.9. in Höchstform zurückgekehrt ist! In seiner ersten Show ohne Pocher – dafür mit mehr Bart, Anspruch, neuem Ensemble und einem Wahnsinnstempo sowie eindeutig Theater-geschultem Timing – ging es schließlich hoch her mit dem geisteswissenschaftlichen Namedropping.

Ob sie ihn das so weitermachen lassen? Mit Foucault, Groys, Andrea Breth und Co. kann doch nun wirklich nicht jeder was anfangen!

äußerte ich meine Befürchtungen nach der Premiere, die ich zwar großartig fand, aber eben auch einen gigantischen Sprung zu weniger Massenkompatibilität denn je, schließlich war die zwar schon immer gering, aber zuvor hatte Pocher mit Boulevard und Fußball eben einfach gestrickte Hauptthemen in der Show groß gehalten.

Ach was – da ist schon noch genug drin, auch für Leute, die nicht mit Poststrukturalismus- und Medientheoriebüchern ins Bett gehen.

suchte Charly – dem es ebenfalls gefallen hatte – mich zu beruhigen.

Die Kritiken fielen gemischt aus, einer mag die neue Truppe, der andere nicht und das Phänomen Bauerfeind – die die einen für die Rettung des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens und andere für ein einziges Missverständnis (mehr dazu im Tagesspiegel) halten – steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt. Ich hab auch noch nie so ganz verstanden, was die Leute soooo toll an dieser alles in allem recht durchschnittlichen NETTEN Erscheinung finden. Ihr einziges Pro, die authentische Natürlichkeit, wirft sie bei Schmidt auch noch über Bord – wir werden sehen, wo das hinführt.

Insgesamt war doch einhellig eine Hinwendung zur politischen Satire, zur Inszenierung nach Theaterregeln verzeichnet worden, genauso wie alle Rezensenten sich gemeinsam wunderten, dass kein einziges Mal der ehemalige Partner erwähnt wurde.

Wann kommt denn nun der Abschiedsgruß an den Ex? Wann wenigstens ein kleiner fieser Seitenhieb?

fragte ich mich auch gestern, den Großteil der zweiten Sendung über. Nichts – außer dass der selbsternannte Kultur-Opi Peymann (von dem ich übrigens im Fernsehen zu Recht überhaupt nichts erwartete, da er seit Jahren am BE seinen Status Quo nur innovationslos verwaltet) seine Befürchtung äußerte, Schmidt wolle ihn zum neuen Pocher degradieren.

Und dann kam es – ganz am Ende – verpackt in eine Neuauflage des Grass-Klassikers „Die Blechtrommel“, der ultimative Abschiedsgruß und die Rückkehr des Boulevards!

Die berühmte Brause-Szene sollte nachgestellt werden, Schmidt als Oskarchen und eine Zuschauerin als Kindermädchen. Das können sie doch nicht machen, dachte ich mir, irgendeine Frau dazu nötigen, sich von Schmidt den Bauchnabel lecken zu lassen…mussten sie auch nicht, denn in die Fußstapfen von Katharina Thalbach, die in Schlöndorffs Film als Maria das Brausespiel erfand, trat doch glatt Monica Ivancan.  Die harmlos sympathische Blondine müsste man jetzt nicht kennen, wenn Pocher sie nicht medienwirksam für die Karikatur einer publicitygeilen Tennisspieler-Exfreundin verlassen hätte, mit der er gerade eine Familie gründet.

Die Szene wurde nachgestellt, alles andere als originalgetreu natürlich, dennoch ist die intellektuelle Einbettung des Grußworts an Pocher gewährleistet und ausgerechnet für die boulevardaffine Berliner Morgenpost aus dem Hause Springer, war die Nummer gar so subtil, dass sie in der heutigen Kritik den Hintergrund nicht einmal erwähnen:

… erreichte ihren Höhepunkt, als anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von Günter Grass’ „Blechtrommel“ berühmte Szenen der Verfilmung nachgestellt werden sollten. Schmidt selbst schlüpfte in die Rolle des kleinen Oskar und leckte einer auf seinem Schreibtisch liegenden Zuschauerin Brausepulver aus dem Bauchnabel.

Maya maynt: was für ein Spaß – der Herbst kann kommen, zumindest am Donnerstag ist für Abendunterhaltung gesorgt!

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