Schau in Chloes Augen


Maya droht mir bereits, dass sie Gabriel – der schon einige Therapeuten durch hat – um eine Telefonnummer bitten wird, wenn ich nicht bald aufhöre zu behaupten „Gefühlstod“ zu sein. Maya mahnte auch, ich solle endlich wieder bloggen. Also bemühe ich mich seit kurzem um lebendige Gedanken. Wann hatte ich das letzte Mal herzlich gelacht? Stimmt, Tim hatte es mal wieder geschafft!

Letzten Sonntag gammelten wir Stunden lang in Cafés am See herum und genossen den Indian Summer (Altweibersommer klingt nicht so berauschend). Tim, der mir gleich zwei Gläser Weißweinschorle vom Kiosk mitbrachte, dokumentierte mit seinem iPhone Chloes Gesicht im Herbstlicht. Als Herbsttyp bekommt mir diese Jahreszeit außerordentlich. Willi stichelte hingegen statt zu schmeicheln:

Bei dem Licht ist es doch keine hohe Kunst gut auszusehen. Aber warte mal… was ist das denn? Deine Augen, die strahlen in der Herbstsonne wie, wie: OCKER!

Tim haute auch noch druff:

Chloes Augenfarbe ist ein großer Schocker,

wie im Farbmalkasten der Ton rechts außen: Ocker!

Das brachte mich in der Tat herzlich zum Lachen. Selber Schuld, wenn ich meine Date-Anekdoten so offenherzig herumerzähle. Dass ich damit ewig aufgezogen werde ist klar.

Aber weil es so unfassbar ist, verfasse ich das ganze nochmals für den Blog.

Eines Tages traf es sich, dass Chloe in Berlin ihr Date „Jobst, Joghurt auf Obst“ (Maya muss jeden Mann verbal zum Ritter schlagen) auf einen Kaffee traf. Erst wollte der Kerl mit mir den Fernsehturm hoch, dann (bei Regen!) in eine Spree-Strandbar. Ich bremste aus und erlaubte nur eine Stunde (meine mächtige Hauptstadtfreundin Maya säße mir im Nacken) zum Kaffee! Mitten im Verhör – kann man es fassen! Er fragte, was ich mehr möge, Kaffee oder Tee, Hunde oder Katzen? – fror sein Blick beim Anblick meiner Augen ein.

Ich bin das natürlich gewohnt. Seit Jahren erstaunen meine Mitmenschen ob meiner undefinierbaren Augenfarbe. „Sind die echt oder hast Du gefärbte Kontaktlinsen drin?“ – „Eine solche Farbe wird wohl nur noch in abgelegenen albanischen Bergdörfern kredenzt“. Auch Moma hat schon in der Abendsonne am Frankfurter Bahnhof den güldenen Strahl meines Blicks bewundert. Verklärte Bildungsbürger verglichen die Undurchsichtigkeit meiner Augen auch schon mal mit denen von Serpentina, der Figur aus ETA Hoffmanns „Der goldene Topf“. Aber tiefblau sind sie nicht… wahrscheinlich blieb nur die Assoziation der goldgrünen Schlangen haften. Denn goldgrün passt!

Jobst hingegen sah das anders: „Wie… wie… OCKER !!“

Chloe verschluckte sich fast am Kaffee: „Ocker?“ Diese Farbbezeichnung hatte sie selbst zum letzten Mal in ihrem Leben in einem Pelikan Farbmalkasten gelesen. Eine Farbe, mit der keiner malen wollte, die nie leer wurde.

K12_neu

Das Date war erledigt. Der Schock saß jedoch tief. Einen Monat später fand ich mich mit einer Freundin bei einem Schminkkurs wider. Die Kosmetikerin wählte für mich einen intensiven lila Lidschatten aus. Das passe so gut zu meiner Augenfarbe. Nun zuckte ich schon innerlich zusammen. Das gewohnte Spiel ging los: „Was ist das eigentlich für eine Augenfarbe? Grün, braun, gold…“ – Ich setzte dem trostlosen Raten ein Ende: „Ein Date meinte mal: Ocker!“ Die ganzen liebreizenden Seerentnerinnen um mich herum brachen zusammen vor Lachen: „Ocker? Da hätte er ja gleich Schlamm sagen können!!“

Eine Woche drauf besuchte ich eine Freundin in München. Wir saßen gerade in der S-Bahn, als mir die Sonne direkt in die Augen schien. Die Schwester meiner Freundin setzte schon an: „Wow. Was hast Du denn für eine Augenfarbe? Die sieht aus wie…“ Ich befürchtete wieder nur das Schlimmste. „…wie: Bernstein!“ Nun gut, seitdem bin ich wieder etwas mit meiner Augenfarbe versöhnt.

Und einen Therapeuten, liebe Maya, brauch ich wirklich nicht! Sobald der mir tief in die Augen schaut, ist es doch eh um ihn gelaufen. Das bringt mich doch nicht weiter…

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2 Antworten

  1. […] meine sehr spezielle Augenfarbe hatte ich schon mal einen Blog-Eintrag geschrieben. Wer mich kennt, wird also zustimmen, dass die […]

  2. […] Maya und ich waren eine der letzten Gäste und unterhielten uns mit einem Freund von einem Freund von einem Freund. Plötzlich stand ein Mann vor mir, der Flyer verteilte. Als er mir in die Augen schaute, fror er augenblicklich vor Ehrfurcht ein. Chloe wusste, was nun folgen würde: Lustiges Farbenraten. […]

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