„Koks-Bonbons von Mutti“ und andere Karrierekiller


Eine mayner wenigen negativen Eigenschaften ist der auspeprägte Hang, durch die irrwitzige – und maynes Erachtens unwiderlegbare – Herstellung logischer Kausalzusammenhänge jegliche Schuld an was auch immer von mir zu weisen. Das hatte ich schon immer und ich bringe damit, seit ich sprechen kann, alle um mich herum zur Weißglut. In vorauseilendem Ärger fordert Charly mich manchmal heraus, bevor ich mit der Erklärung ansetzen kann:

Jetzt bin ich aber mal gespannt, wie du das wieder so hindrehst, dass ich schuld dran bin!

Kurz gesagt: ich bin die Königin der Ausreden. Zumindest dachte ich das, bis am Donnerstag die neue Ausgabe der ZEIT ins Haus geflattert kam. Das Dossier „Jäger und Gejagte“ über Dopingsünder und -fahnder, das ich leider nicht online finden konnte, war garniert mit einer kleinen aber äußerst feinen Spalte voller „Schöner Ausreden“. Nach dem Lesen legte ich sofort Krone und Zepter nieder. Vor den dort zitierten Aussagen musste ich einfach kapitulieren. Soviel Fantasie hätte ich Sportlern niemals zugetraut!

Ein ganz großes Schmankerl in vielerlei Hinsicht lieferte zum Beispiel Sprinter Denis Mitchell mit dem Machospruch

Die Lady hatte Geburtstag, sie verdiente was Besonderes

Trotz dieser aufopfernden Geste wurde er wegen seines erhöhten Testosteronwerts, den er mit 5 Bier und 4-mal Sex im Rahmen der Geburtstagsfeierlichkeiten erklärte, gesperrt. Maya maynt: What a man!

Rührend kindisch und naiv wirkt dagegen die Erwachsenenversion des Grundschulklassikers mein Haustier hat die Hausaufgaben gefressen von Radprofi Frank Vandenbroucke. Er verteidigte den Besitz des Mittels Clenbuterol damit, dass es für seinen asthmakranken Hund sei. Hat sogar geklappt, nicht wegen der tollen Ausrede allerdings, sondern dank eines Formfehlers.

Die absoluten Helden und meine neuen Vorbilder sind jedoch Tyler Hamilton und Gilberto Simoni oder die humorvollen Berater, denen folgende grandiose Ausreden eingefallen sind:

Wenn es auch mit dem Radeln nicht mehr klappt, einer zweiten Laufbahn als Science Fiction Autor dürfte bei dieser Kreativität nichts im Wege stehen. (Aus: Die Zeit, 15.10.2009)

Wenn es auch mit dem Radeln nicht mehr klappt, einer zweiten Laufbahn als Science Fiction Autor dürfte bei dieser Kreativität nichts im Wege stehen. (Aus: Die Zeit, 15.10.2009)

Peruanische Muttis und Tanten würde ich natürlich grundsätzlich unter Generalverdacht stellen. Bei den Simonis am Teetisch möchte man dann doch mal Mäuschen sein, das scheint ja hoch herzugehen dort. Und einen verstorbenen Zwillingsbruder als „natürliches“ Blutdoping hat sich wohl jeder Leistungssportler schon immer gewünscht. Die Kraft der doppelten Stammzellen. Ich lach mich schlapp.

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