Tatort – Schweinereien


Tatort aus Münster, Tempelräuber, 25.10.2009 – bleibt unbewertet

Tatort aus Berlin, Schweinegeld, 1.11.2009 – Note 2

Während Chloe in Argentinien gegen die Windböen kämpft, versuche ich im verregneten Deutschland der Tatort Pflicht alleine nachzukommen. Das ist nicht immer ganz einfach und deshalb musste die Rezension der Abenteuer unserer vielgeliebten Münsteraner ausfallen. Maya maynte nämlich das Wort „Live“ in Livestream nicht allzu ernst nehmen zu müssen und hatte gehofft, die Mediathek würde „Tempelräuber“ ein wenig länger zur Verfügung stellen – nix wars. So bleibt mir nur aus der Aussage meiner Mutter „Es war ganz witzig – der Gerichtsmediziner hatte beide Arme in Gips“ zu schließen, dass es mal wieder mehr Klamauk als Krimi war. Mehr als diese Vermutung steht mir jedoch nicht zu und auch der sonst so zuverlässige Tatortfan Stadtneurotiker scheint nicht geschaut zu haben.

Nach längerer Abstinenz gab es an diesem Sonntag also endlich mal wieder einen Tatort-Abend – und was soll man sagen? Er war sogar ganz gut.

Die Vorfreude trieb Charly und mich pünktlich vor den Fernseher, beim sonntäglichen Schnitzel mit Freunden wurde zuvor noch besprochen, was man vom Berliner Kommissar-Team zu halten hat. Einigkeit herrschte bei der Sympathie für das Ermittler-Duo Ritter und Stark. Wir mögen die beiden und sie begegnen uns auf unterschiedliche Weise im Alltag:

Während hier im Kessel angeblich gar ein Doppelgänger des stets verständnisvoll agierenden und mit scharfen analytischen Fähigkeiten ausgestatteten Stark alias Aljinovic herumläuft, beschreibt meine Berliner Redaktionskollegin ihn gerne mit dem wenig schmeichelhaften Vergleich „der, der aussieht wie ein Gnom“. Differenzen in der Einschätzung der Hierarchie – einige wollten den Stark doch glatt zum Helfer degradieren – sollten bereits kurz nach Sendebeginn von „Schweinegeld“ ausgeräumt werden.

Ritter landet nach einem ordentlichen Schlag auf dem Hinterkopf im Krankenhaus, zwar lässt der Fall ihn auch dort nicht los, die vordergründige Ermittlung übernimmt Stark jedoch alleine – von wegen Helfer. Unterstützung erhält er von Weber (immer schön kauzig und für einen trockenen Witz gut: Ernst-Georg Schwill), der endlich – nach Jahren des Faktenchecks vom Büro aus- auch einmal wieder „raus“ darf und sich dabei gar nicht so blöd anstellt. Sorry Ritter, das war mal eine ganz angenehme Abwechslung zu deinem sonstigen Stadtcowboy-Gehabe.

Inhaltlich bot der Film neben dem Tod des Besitzers einer Fleischfabrik, der nach ein paar Tagen Abwesenheit im Kühlhaus des eigenen Schlachthauses gefunden wird, eine Unmenge an Handlung und eine Vielzahl an Verbrechen und Verwicklungen. Das war einerseits verwirrend, andererseits ersparte es mir den vernichtenden Ruf

LANGWEILIG

aus Charlys Kehle, der wie ein Damoklesschwert über jedem Tatort hängt.

Die überladene Story voller Straftaten (Subventionsbetrug, Organisiertes Verbrechen, Menschenhandel, feindliche Übernahme, Körperverletzung, vorgetäuschte Entführung…) und menschlichen Abgründen (Betrug, Ehebruch, Vater-Sohn-Konflikt, verstorbenes Kind, Schuldgefühle, zerplatze Migrantenträume…) ließ in der Tat kaum etwas aus aber eben auch keinerlei Gähnen zu.

Am Ende hatte man eine ganze Menge Menschen mit ganz viel Dreck am Stecken gesehen und das Motiv des eigentlichen Täters, der als relativ sympathischer Unglücksrabe innerhalb der ganzen Schweinerei rüberkam, ist vielleicht etwas zu kurz gekommen.

Mehr ins Detail mag ich gar nicht gehen und nur sagen, dass ich mich trotz einiger Schwächen in Dramaturgie und Konstruktion durchaus gut unterhalten fühlte, es spannend und auch berührend fand. Da die Geschichte mir aber in fantastischen Bildern und von einem ganz hervorragenden Ensemble voller guter Schauspieler erzählt wurde, fällt die Note sogar überdurchschnittlich aus.

Kann natürlich auch daran liegen, dass ich für die ganz besondere Ästhetik von Schlachthofszenen dank Abitur-Sternchenthema Döblins Berlin Alexanderplatz extra viel übrig habe…

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2 Antworten

  1. Doch, ich habe schon geguckt, aber aus verschiedenen Gründen über beide Folgen noch nicht gebloggt.

    Den Münsteraner fand ich in der zweiten Halbzeit gar nicht mal so schlecht wie sonst.
    Beim Berliner hat mir vor allem Maren Kroymann gefallen.

  2. […] Hintergrund: Tatort-Fundus Meinungen: Fielitz, MayavonderSpree, […]

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