Unter Barbaren…


Sollte ich jemals einen Schlaganfall bekommen, dann wird das mit Sicherheit in einem Supermarkt sein. Lebensmitteleinkäufe zählen nicht wirklich zu meinen Stärken. Alles an diesem Prozess – von der Parkplatzsuche bis zu lahmen Kassiererinnen – stresst mich ungemein. Bevor ich also durch das Schiebetor des Grauens schreite, speichere ich mir im Kopf den optimierten Laufweg ab, um in kürzester Zeit an die maximale Zahl meiner Grundnahrungsmittel vorbeizurennen.

Für andere scheint im Gegenzug das Shoppen mit mir eine Qual zu sein. Als wir letztes Jahr mit den Seemännern und –frauen die Zutaten für unsere Feuerzangenbowle einkauften, war ich in fünf Minuten fertig (sogar die Zuckerhüte hatte ich auf Anhieb richtig geortet!). Robbi meinte nur kopfschüttelnd: „Was hetzt Du denn so. Lass uns in Ruhe schauen, was es sonst so gibt! Man kann doch mal etwas stöbern.“ Stöbern? Helloooo? Wir haben hier eine Mission, der Soldat lässt sich im Konsumkrieg nicht von Werbesirenen ablenken !!!

Noch schlimmer als Einkaufen ist Einkaufen vor Feiertagen! Die Marschtruppen werden größer! Gestern musste ich mit meinem Bruder in die Krisengebiete namens „Costco“ & „Walmart“ vordringen. Bei Costco wollten wir lediglich Mineralwasser kaufen. Bevor ich das feindliche Territorium betrat, wurde ich nochmals an die angemessene Kampfkleidung erinnert:

Was haben die gegen barfüßige Konsumenten?

Plötzlich pirschte aus der Elektrosonderfläche eine Frau hinterlistig an meinen Bruder heran: „Is this my shopping cart?“. Ich konnte die feindliche Einkaufswagen-Übernahme noch rechtzeitig verhindern, indem ich aus der Kosmetikecke mit einem tödlichen Blick hervorsprang. Mein Bruder vermutete dahinter lediglich eine Anmache. Auf so was falle ich aber nicht rein!

Auf dem Schlachtfeld wurde mir sehr schnell klar, worum es hier eigentlich ging: Erdöl ! Die Amerikaner haben so viel davon, dass sie es gerne für unsinnige Verpackungen verschwenden:

Wozu eine derart überdimensionierte Verpackung für eine Shampooflasche?!?! Wahrscheinlich braucht man sogar eine Kettensäge, um durch den Plastikgürtel hindurchzukommen. Mein Bruder kicherte lediglich und machte mich darauf aufmerksam, dass der Name „Chi“ für den albanischen Markt nicht geeignet sei (frei übersetzt „ficken“).

Nachdem wir die Wasserflaschen ins Auto geladen, wurde der Einkaufswagen –  „Pfandmärkle“ gibt es hier nicht – direkt auf dem Rasenstück zu den anderen ausgesetzten Kollegen abgestellt.

Die erste Schlacht ward überstanden, der Krieg jedoch noch nicht gewonnen. Für die deutsche Weihnachtsbäckerei (siehe Kommentar) mussten noch Keksdosen besorgt werden. Die nicht gerade aufbauenden Worte meines Bruders flößten mir Angst ein: „Chloe, wenn Du denkst, es kann nicht schlimmer werden, dann hast Du Dich geirrt. Mach Dich gefasst darauf, dass wir jetzt bei Walmart vorbeischauen!“

Natürlich dachte ich, mein Bruder übertreibt (liegt in der Natur dieser Familie). Aber wie es der Zufall so wollte, liefen direkt vor uns gleich drei Fleisch gewordene Lady Gagas in Minikleidern herum, die sie andauernd nach unten ziehen mussten, damit der schwarze Slip nicht unterm hellen Stoff hervorstach. Beängstigt bat ich meinen Bruder darum, dass er mir stets Rückendeckung geben sollte. Außerdem hatte ich mein Handy im Auto liegengelassen. Sollten wir uns im fernen Laden verlieren, bestünde kaum noch eine Hoffnung auf ein Wiedersehen. Im selben Moment wurde mir bewusst, dass ich auf dieser Insel ohne Shopping- Bodyguard verhungern würde, da ich niemals den Mut hätte, hier alleine einkaufen zu gehen.

Die Keksdosen fielen größer aus als gedacht und wir hatten keinen Einkaufswagen zur Hand… Bevor ich es fassen konnte, hatte mein Bruder die Dosen in den leeren Wagen einer wohlgeformten Amerikanerin gestellt und rief mir auf Deutsch zu: „Lauf, Chloe, lauf. Die Frau ist so fett, die kann uns eh nicht einholen !“

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