Verkehrte Welt


Das Wetter ist ja ein gern genommenes Thema. Jeder kann dazu etwas sagen und meckern lässt sich auch hervorragend darüber, denn es entsteht sofort eine Schicksalsgemeinschaft – hat doch (zumindest kurzfristig) keiner Einfluss darauf oder schuld daran, wir alle sind ausgeliefert and are sitting in one boat, as we say in Germany.

In diesem unglaublichen Winter liefert uns die Wetterlage allerdings noch viel mehr als nur ein feines Smalltalk-Thema. Dass Berlin im Schnee und Eis versinkt, habe ich bereits Ende Januar beklagt. Nun ist angesichts der Missstände beim Berliner Winterdienst auch unserem lieben Kultur-Opi Claus Peymann der Kragen geplatzt. In einem Interview für die RBB Abendschau erzürnte er sich vor dem BE darüber, dass sein Publikum in Form von wankenden Gestalten tagtäglich Schwierigkeiten habe, sein Theater zu erreichen. Kein Wunder, denkt man sich, die Alterszielgruppe des Theaters am Schiffbauerdamm sollte nun wirklich nicht bei Eis und Kälte auf die Straße, denn Schneeketten für den Rollator gibt es wohl noch nicht…

Peymann – dessen ruhiger, objektiver Kommentar ihm eine zweite Ausstrahlung in der für pragmatische und brisante Reportagen bekannten Schmidt-Show eingebracht hat – tat das einzig richtige: er rief kurzerhand den Notstand aus. Die Stadt sei auf der Kippe. Ein Land in dem die Zuschauer nicht mehr ohne Beinbruch ins BE kommen können, das ist massiv gefährdet, ist doch klar! Bundeswehr raus aus Afghanistan  und ab nach Berlin Mitte, der humanitäre Einsatz zum Schutz des eigenen Volkes ist gefragt. Und was soll man sagen, König Peymanns Geheiß hat gefruchtet: Bis die Soldaten zurück sind, haben hier in Berlin nun dankenswerter Weise Arbeitslose und Knackis die Spitzhacke in der Hand.

Bewegung an frischer Luft, das hat’s in der spätrömischen Dekadenz nicht gegeben. Wohl aber Brot und Spiele. Und da sind wir wieder bei der Ironie des Schicksals und den Wetterkapriolen. Während Kälte, Schnee und Eis den Stars der Berlinale beim Weg über den Roten Teppich einiges an Durchhaltevermögen abverlangen, stehen bei den Olympischen Winterspielen die Zeichen für so manche Medaillenjagd auf Rot. Es ist zu warm, zu neblig, gibt zu wenig Schnee und die Pisten sind zu weich. Und dabei wollen doch alle ihr Herz glühen lassen – „Glowing hearts“ wer denkt sich eigentlich solche kitschigen Claims aus? – wie mir die Wahlkanadierin berichtet und mit dabei sein in Vancouver. Not macht ja bekanntlich erfinderisch und so können sich die Angereisten dem olympischen Gedanken bei diesen neuen Disziplinen völlig hingeben:

Neue olympische Disziplinen feiern Premiere in Vancouver - diese Informationen wurden SpreeSee exklusiv zugespielt

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3 Antworten

  1. […] Den originalen Beitrag finden Sie hier spreesee.com/2010/02 … | mayavonderspree […]

  2. Ich hoffe, Du hast genug Decken zu Hause… ich friere gaaaanz schrecklich.

  3. Decken, Wärmflaschen, Tee, Obstler – alles da!

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