Teil I: Tanguera Chloe


Wie die Leidenschaft für den Tango erwachte.

Oft wird Chloe gefragt: „Warum gerade Tango?“

Einen konkreten Auslöser gab es hierfür nicht. Vielmehr diverse Verkettungen. Die Chansonniere vom See hatte zum Beispiel schon immer einen Faible für populäre jüdische Schlager aus den 20er/30er Jahren in Berlin sowie Wien. Einer ihrer größten Stars ist Curt Bois. Leider finde ich seine sprachartistische Interpretation von „Guck‘ doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin“ nicht auf YouTube. Hier eine moderne Version:

Vor genau einem Jahr besuchte ich zum ersten Mal in meinem Leben Wien. Ich bloggte jedoch nur die lustige Anreise und schulde noch ein paar Erläuterungen zu meinem Abend im Burgtheater. Dank FM4 gewann ich ja Eintrittskarten zum „Abschieds-Kongress im Burgtheater“:

Herzstück des Kongresses bilden die Gespräche mit über 120 „Abschiedsexperten“, die in den Logen des Burgtheaters ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Meinungen zu den Themen „Abschiede auf Zeit“, „Lebewohls“, „Suche nach dem Neubeginn“ und „Aufbruch“ mit den Besuchern teilen.

Im Burgtheater empfingen uns lauter Damen im Pagenschnitt.

Was für ein Happening im Burgtheater! Ich liebe Inszenierungen.

und ich buchte ein Gespräch mit DDR. Friedl Tisseau (Wenn ich tanze, bin ich nicht von dieser Welt). Ich muss zugeben, dass ich das vor allem aufgrund der Primzahl 7 tat. Der Rest fügte sich.

Mein persönlicher Abschiedsexperte.

Auf dem Weg zu meiner Loge durchschritt ich einen Raum, in dem Tango getanzt wurde. Der ganze Abend im Burgtheater war magisch wie eine Zeitreise in ein altes Jahrhundert. Ich fühlte den mondänen Lebensstil der 20er/30er Jahre. Chloe beschritt ihre Loge und wurde von dem Setting um sie herum in Trance versetzt. Das Stimmengewirr aus all den Logen heraus erfüllte das ganze Theater und wurde selbst zur Bühne.

Abschieds-Kongress im Burgtheater.

Vor mir saß eine Weltenbürgerin, die sicherlich zur Zeit der 30er Jahre eine junge Schönheit gewesen sein muss. Madame Tisseau war auch von mir entzückt: „Sie sind ja so jung!“ bellte sie euphorisch. Nun folgte ein halbstündiger Monolog. Chloe sagte nicht einen Satz (worüber alle, die sie kennen, erstaunt sein  müssen) und hörte völlig fasziniert zu. Madame Tisseau erzählte von ihren Männern. Dem Diplomaten mit dem sie verheiratet war. Beiläufig schaute sie mich nochmals genauer an und gab mir einen Rat mit:

Sie sind hübsch. Verschwenden Sie sich nicht!

Dieser Satz durchzuckte mich derart, dass ich in der Tat jeglichen Versuchen des Wiener Wochenendes widerstehen sollte!

Nun fing Madame Tisseau vom Tango an zu schwärmen. Wie sie in anderen Sphären schwebe, wenn sie auf dem Parkett tanze. Sie legte ihre Hand auf mein Knie und schaute mich ernst an:

Madame Tisseau: „Wissen Sie, wie Sie wirklich Tango tanzen lernen?“

Chloe wird, bevor sie nur einen Satz sagen kann, unterbrochen…

Madame Tisseau: „Sie kaufen sich einen! Sie kaufen sich einen Tangotänzer! Ich leiste mir immer echte Argentinier.“

Ich musste schmunzeln und dachte sofort an Billy Wilder, der sich in den 20er-Jahren als Eintänzer im Hotel Adlon die Brötchen verdiente.

Es folgen schmerzhafte Rückblicke auf all die unzuverlässigen, unpünktlichen jedoch leidenschaftlichen Carlos und Juans. Madame Tisseau ist nicht mehr zu stoppen. Sie überschreitet ihre Zeit, wir werden zwei Mal von den Damen im türkisen Kostüm darum gebeten aufzuhören. Madam Tisseau hat sich so in Rage geredet, dass sie mich spontan an sich reißt und drückt:

Sie gefallen mir! Sie gefallen mir! Lassen Sie sich meine Nummer von den Damen geben und besuchen Sie mich!

Ich versuchte es in der Tat! Aber mir wurde die Nummer nicht rausgerückt.

Seitdem schwirrt mir Madame Tisseau im Kopf umher. Als ich letzten November in Buenos Aires war, musste ich natürlich einen Tango-Kurs

Meine erste Tangolehrstunde.

sowie eine Tango-Show besuchen.

Was für ein Tango-Theater !

Nun saß ich Mitte Februar ob der grauen Großstadttristesse in Berlin im Seeweh fest. Ich vermisste Gewässer und Gebirge. Statt mich im Weltschmerz zu laben, packte ich mich jedoch am Schopf und gedachte der anderen Träume, die ich als Chloe „vom See“ nicht verwirklichen konnte: Ein Tango-Kurs !! Berlin ist die zweitgrößte Tango-Stadt der Welt nach Buenos Aires. Also ab aufs Parkett!

Ich bloggte ja bereits meine Suche nach dem Tango-Grundschritt sowie die Suche nach einem Tango-Partner. Nun wird daraus eine Serie…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s