Teil II: Tanguera Chloe und die Männer


Über meine Tanzpartnerbörse fand ich also tatsächlich noch einen potentiellen Kandidaten: Einen Griechen-Lulatsch. Ob meiner Not sah ich großzügig über die Migrationshintergrunds-Ressentiments hinweg. Ferner hatte sich auch mein Tanzlehrer für mich eingesetzt und einen gesetzten Mitte Vierziger namens Jürgen für mich aufgetrieben. So kam es, dass ich an einem Abend beide testete. Nach der ersten Stunde mit dem Griechen verabschiedete ich mich auf eine Runde um den Block und kehrte schnell wieder ins Tanzstudio zurück, um mit Jürgen die Rolle der Folgenden auszuprobieren. Das mit Jürgen war ein Volltreffer! Er tanzt eigentlich schon Mittelstufe, hat aber ein Jahr lang ausgesetzt und möchte nochmals von Anfang an anfangen. Sehr gute Bedingungen für mich. Der Kerl weiß was und vor allem wohin er will! Und mir war sofort klar, dass ich sonst nix von dem will. Eine rein sportlich platonische Angelegenheit.

Nun hatte ich aber dem Griechen schon zum Intensiv-Wochenendkurs zugesagt. Da musste ich jetzt durch. Zur Einstimmung lud mich meine Freundin Nisa freitags zur Tango-Show des Quinteto Angel in der Philharmonie ein. Für Gesang sorgte Sergio Gobi. Völlig elektrisiert von dessen übertriebener Gestik meinte ich zu Nisa: “So nen Mann brauch ich! Leidenschaft pur. Lecker, lecker, lecker.“ Beim Showtanz riss Constantin Rüger seiner Partnerin Judith Preuss ausversehen den Rock runter. Man sah die hautfarbene Buxe hervorblitzen. Für meinen Wochenendkurs beschloss ich somit, nur in Hosen zu tanzen. Man weiß ja nie…

Obwohl ich am nächsten Tag früh morgens um 8 Uhr Besuch erwartete sowie den Tango-Kurs zu meistern hatte, begleitete ich Nisa doch noch zu einer Abschluss-Feier eines Freundes. Aus „auf nur auf eine Cola“ wurde ob des freien Kontingents (welcher Schwabe kann da widerstehen!) plötzlich ein hochprozentiger Abend. Die abschüssige Location und der kauzige Barkeeper versetzten mich zurück in die Unterwelt eines Brechtschen Stücks. Berlin schmeckte mir plötzlich ganz fein. Darauf gab es den guten alten Hendrick’s Gin. Der Barkeeper führte mich gar an eine ganz neue Sorte Gin ran. Wer hätte gedacht, dass es in Dijon neben Senf derart vorzügliches gebraut wird?

Eine neue Gin-Sünde für Chloe !

Ich schwebte im Gin-Himmel. Aber die Hölle ist immer näher als man denkt: Ein Kerl neben mir versuchte mich den ganzen Abend mit Anekdoten rumzubekommen.

Kerl: „Ich war schon mal auf der Antarktis.“

Chloe besserwisserisch: „Ja, is klar! Ich stand auch schon kurz davor, als ich am Arsch der Welt in Ushuaia war. Jedoch fehlten mir einfach die letzten 5000 Euro für die Fähre gen Antarktis!“

Kerl: „Nein, im Ernst. Ich arbeite ein Jahr lang als Schiffsarzt. Ich war immer so besoffen, dass der Kapitän, der selbst stets einen sitzen hatte, auf mich zukam und meinte, ich solle doch zumindest den Whiskey in eine Cola-Flasche schütten. Die Passagiere beschwerten sich schon, dass der Arzt immer nach Alkohol riecht.“

Als er mir noch seine mieseste One-Night-Stand-Nummer erzählte – er wachte morgens auf und ward ausgeraubt – ging ich genervt auf Toilette. Auf der Damentoilette wurde jedoch munter gekokst, so musste ich auf die der Herren ausweichen. Um wenigstens eine Stunde Schlaf zu bekommen, machte ich mich auf dem Weg nach Hause. Kurz vor Ankunft beobachte ich ein Paar, das recht angetrunken aus dem Taxi stieg. Der Taxifahrer rief dem Typen noch keck hinterher: „Viel Erfolg!“ Die Berliner Schnauze hat was! Dem Mädel wünschte ich nur, dass sie hoffentlich im Besitz eines iPhones war. Am nächsten Morgen muss die sich in ihrem Zustand sicherlich erstmal zurechtgoogeln, wo sie da gelandet ist. Wie wäre es eigentlich mit einer App für Berliner Hinterhöfe? Ich stehe selbst jedes Mal völlig kafkaesk vor all diesen Türen und weiß nicht, welche mich wieder in die Zivilisation führt.

Später mehr. Ich muss jetzt zum Tango und Maya hat die Brühe für das Gründonnerstagsabendmahl mit Jos und Chloe schon fertig. Meinen Nachtisch habe ich bereits in meiner Handtasche blickdicht verstaut, damit mein Tanzpartner nicht auf falsche Gedanken kommt.

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3 Antworten

  1. …beraubt? hihi – Beischlafdiebin ist eigentlich auch ein lustiger Beruf, wenn die Typen einigermaßen ordentlich aussehen!
    Mach hinne und tanz her, das Fleisch ist hinterm Nudelteig versteckt und der Prosecco im Kühlschrank – dafür braucht’s keine App – bis gleich!

  2. […] } Ob Mayas Maultaschen musste ich meine Erzählung kurz abbrechen. Nun zurück zum Griechen. Zwei Tage bevor der Tango-Intensivworkshop anfangen […]

  3. […] neulich hatte. Woody war mit Muckie in München und wollte den Saffron Gin über den ich neulich berichtete testen. Fand ihn aber an keiner Bar und fragte, wo ich denn meinen Stoff immer her habe. Ich gab […]

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