Viel zu viele Familien – Gemeinsam gegen die Mafia


Tatort aus Stuttgart: „Blutgeld“. Sonntag, 25.4.2010 20.15 Uhr, ARD.

Note: solide 3+ und immerhin Quotensieger am Sonntag.

Die stuttgarter Kommissare Bootz und Lannert sind ganz harte Burschen, sie nehmen es diesmal sogar mit der Mafia auf. Bootz übt weiter seine drei Gesichtsausdrücke (es muss am Tatort liegen, in diesem Scientology-Film „Bis nichts mehr bleibt“ neulich, hatte Felix Klar mindestens 5 Minen mehr drauf) analysiert knallhart mit allen Mitteln der Psychologie und Forensik die Verhöre und Spuren. Lannert hat Kreide geschluckt, lässt sogar das HB Männchen von Schießtrainer von sich abperlen und adoptiert kurzerhand einen Hund, ansonsten scheint er in dieser Folge etwas abwesend.

Bei diesem Fall kann man aber schon mal durcheinander kommem:

Denn was im ersten Moment nach einem Familiendrama aussah, ist ein famiglia-Drama und wirft darüber hinaus  eine geradezu philosophische Frage auf: kann man zwei Menschen genau gleich lieben? Bänker Marc Simon (sehr gut und trotz allem ein bisschen sympathisch  in all seiner Verzweiflung dargestellt von Stephan Kampwirth) kann – und das ist gleichzeitig ein Segen und ein Fluch. Denn der Mann hat sich zwei Familien aufgebaut, die ihn so einiges kosten, um das Doppelleben nach schwäbischem Standard (beide Frauen Hausfrau und Mutter) bezahlen zu können, hat er der Mafia ein Kontensystem eingerichtet und dann auch noch Geld daraus entnommen und verzockt. 1,3 Millionen kann er nicht zurückzahlen und deshalb muss seine Erstfamilie dran glauben. Frau und Tochter liegen erschossen im Wohnzimmer. Lannert kann nur noch den Hund retten und die Ermittlungen aufnehmen.

Schnell ist klar: der Familienvater war es nicht, denn der wollte sich nicht etwa von der Erstfamilie befreien, nein, er liebte ja beide genau gleich. Praktisch – denkt Maya sich da zynisch, denn ich will nicht so recht an das sich nicht entscheiden können glauben: eine Familie weg, immer noch eine da, Entscheidung abgenommen, Trost auch gleich vorhanden. Aber nein, der Marc Simon leidet doppelt. Denn im Gegensatz zu anderen Schwachköpfen, die sich mit der Mafia einlassen, kann er nicht nur mit einer, sondern gleich mit zwei Familien erpresst werden.

Da dreht der arme Mann durch und nimmt kurzerhand die Familie des eigenen Erpressers in Geiselhaft. So wie die aus Kalabrien stammenden Familienangehörigen da im Heumadener Plattenbau herumsitzen, madre mia, da hatte ich mir das Mafia-Dasein schon ein bisschen glamouröser vorgestellt. Der Mafia-Oberboss pfeift angesichts der Bedrohung der eigenen Familie seine Schergen zurück, den kleinen Bänker, den kriegt er später sowieso. Und tatsächlich wird Simon dann direkt beim Fluchtversuch mit der letzten Geisel vor den Augen der eigentlichen Bösewichte von den Scharfschützen der Polizei erschossen.

Diese Finte mag vielleicht die kalabrischen Geldwäscher hinters Licht führen, wir Zuschauer wussten jedoch bereits vorher: Bootz und Lannert lassen keinesfalls den doppelten Familienvater über die Klinge springen und dessen übrig gebliebenes Kind ohne Papa aufwachsen. Nein – vorgetäuschter Tod ist natürlich 1000-mal besser als jedes Zeugenschutzprogramm. Darum hat der Bootz dem Simon einfach eine schusssichere Weste und ein bisschen Kunstblut vorbeigebracht und schon ist der Simon fein raus und lebt fortan glücklich mit der von der Zweit- zur Erstfamilie avancierten Sippschaft. Hoffentlich läuft ihm nicht noch eine Frau, die er genau gleich liebt, über den Weg…

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5 Antworten

  1. Tatort-Ein-Satz: Ich kann keine Hunde mehr sehen!

  2. Genau, könnten nicht zur Abwechslung mal Katzenbesitzer ermordet werden…?

  3. Ansonsten fanden wir für unseren Teil es relativ entspannend, dass es nur so wenig Nebenhandlungen aus dem Privatleben der Kommissare gab…. man stelle sich vor, wir müssten zuschauen, wie Horatio sich beim Optiker eine neue Sonnenbrille verpassen ließe… die natürlich aussähe wie die alte… langweilig!… Wenn auch vielleicht nicht direkt vergleichbar mit dem Tatort, so scheint doch der aus Stuttgart ab und zu schon mal Bestrebungen zu zeigen, sich an den US-Krimis ein Vorbild zu nehmen…

  4. Einen „Papagei“ hätte ich auch lustiger gefunden… Es gibt sooo viele unterschiedliche Haustiere. Immer diese Hunde! Wie langweilig.

  5. […] Hintergrund: Tatort-Fundus Meinungen: Annabell, Mayavonderspree, Tittelbach.tv, […]

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