Der große Singlecheck – Datest du noch oder zappst du schon?


Als nicht-teilnehmende Beobachterin bin ich oft sehr erstaunt über Chloes Such-Erlebnisse. Besonders ihr Dating-Gebaren und die Interaktionen mit all den verschiedenen männlichen Exemplaren amüsieren mich sehr. Da ich selbst (zum Glück) seit ewigen Zeiten aus dem Thema raus bin, komme ich mir manchmal vor, als hätte man mich in einem vergangenen Jahrtausend eingefroren und ich müsste nun – in einer völlig anderen Welt wieder aufgetaut – ganz neu das Paarungsverhalten von Menschen 2.0 verstehen lernen. Sich im Internet durch Bilder klicken, Menschen an Hand von Werten wie Größe, Alter, Haarfarbe und Verfügbarkeit zu filtern – nichts für mich. Ich bin eher ein Fan des Zufalls, ersten Eindrucks und der maynetwegen auch mal ungelenken ersten Kontaktaufnahme im echten Leben.

Was ich von Chloes Abenteuern mit bekomme, erinnert mich mehr an Hochleistungs-Shopping – nur die Trefferquote beim Männerfang ist geringer als bei der Suche nach dem perfekten Kleid. Ich darf das (hoffentlich) sagen, da Chloe nicht unbedingt verzweifelt die Liebe ihres Lebens sucht, sondern kürzlich selbst gestanden hat, es gehe mehr um den Spaß und die Erkundung von Flora, Fauna und Barkultur des neuen Biotops…

Kein Wunder, dass ich bei der Shopping-Assoziation ab und zu versuche mich an ähnlichen Prinzipien zu orientieren, um die Vorgänge nachzuvollziehen. So ist auch die mit Chloe gemeinsam auf die Spitze getriebene Idee zum verbesserten Dating-Portal mit Bewertungssystem entstanden.

Offensichtlich ist das Bedürfnis zum Abgleich mit anderen Singles tatsächlich vorhanden. Dabei geht es nicht nur um die Daten der potentiellen Partner, auch die Selbsteinschätzung kann überprüft werden. Traurig aber wahr, dass das anscheinend notwendig ist. Schließlich kommt höchstwahrscheinlich jede(r), der sich in diesen ganzen Datingzirkus begibt, irgendwann einmal an den Punkt, an dem er sich fragt: „Sind die anderen eigentlich wirklich alle verrückt, oder habe ich die Grenzen der Normalität überschritten?“

Abhilfe bei solchen Unsicherheiten möchte jetzt vorgeblich die Frauenzeitschrift Brigitte bieten, indem sie mit diesem hübschen Fragebogen Auskunft darüber gibt, was allgemein so üblich ist in der Singlewelt:

Bin ich noch normal? Parship und Brigitte wissen Bescheid!

Seit wann ist es eigentlich eine drängende Frage geworden, wieviel Geld man ausgibt, um nicht mehr Single zu sein? Und was bitte soll es helfen, zu wissen, ob man mehr oder weniger Dates hat als der Rest der Single-Nation? Muss man sich als Vieldater dann schlecht fühlen und denken: „Warum ist nie einer für mich dabei?“ Oder muss man sich als Dating-Muffel vorhalten lassen, dass man nicht genug Einsatz bringt? Die Ökonomisierung des Liebes- und Sexuallebens finde ich ziemlich abstoßend. Ich halte das für eine ganz miese Nummer, ein übles unverschämtes Cross-Marketing und gerade einer Illustrierten, die sich neuerdings mit der Ablehnung von Models für die Einzigartigkeit von Frauen einsetzen möchte, äußerst unpassend.

Maya maynt: Liebe Singles, auch wenn Ihr Euch ab und an diese Frage nach der Normalität stellt, bitte bleibt individuell und schielt nicht nach dem statistischen Mittel, das hat für ein persönliches Lebens- oder Liebesglück nun wirklich keine Relevanz!

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2 Antworten

  1. Liebe Maya,

    ich tue Dir den Gefallen und bleibe individuell! Obwohl es mir schon schmeichelt beim Brigitte Single-Test in allen Kategorien – bis auf die Geldausgaben! – überdurchschnittlich abgeschnitten zu haben…. Scherz beiseite!

    Erst gestern bekam ich von einem Männerprofil ob meiner Zapping-Art einen Rüffel ab:

    „Liebe Chloe,
    ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mit jemandem ausgehen möchte dem wirklich garnix zu peinlich ist und wenn wir uns treffen dann hätt ich lieber, dass Du auf mich statt aufs Café neugierig bist, aber wir können uns ja unsre Bilder offenbaren und dann mal gucken.“

    Ich habe den Kontakt ohne Blick auf das Foto sofort gelöscht. Ich bin nun mal auf das Leben neugierg und keine Single-Frau auf verzweifelter Suche. Meiner Meinung nach kommt die Liebe, wenn man es am wenigsten erwartet. Deshalb versuche ich mir vorab nicht so viele Gedanken über oder Hoffnungen auf ein Date zu machen. Sonst wird man eh nur Opfer seiner eigenen Kopfgeburten und Projektionen. Ist man so weit, vermag man den anderen doch schon gar nicht mehr zu sehen.

    Auch die Anzahl der Frösche hängt doch rein vom Zufall ab. Ich finde Statistiken diesbezüglich auch verwerflich!

    Jedenfalls faste ich ab nächster Woche! Keine Dates mehr. Es gibt gerade wirklich wichtigeres zu tun.

    X aus Xberg

    Chloe

  2. Also… ich sach mal… es kommt ja immer auch auf die Situation an, in der man so steckt. Gerade umgezogen ist eine… Single mit Kind ist eine andere. Da gibt es nicht so viele zufällige Begegnungen mit potentiell Interessierten mehr, auch keine ungelenken. Und man kann mögliche Bekanntschaften schon im Vorfeld auf die Wahrheit einstimmen und selektiert so automatisch aus, wer überhaupt klarkäme damit und wer nicht. Deshalb hat es sich für mich so wunderbar bewährt… ich glaube, keine Methode ist per se besser oder schlechter als die andere. Man kann auch im Offline-Modus unablässig flirten oder es sein lassen.
    Was Leute abschreckt, ist wohl, dass es in Singlebörsen von vorneherein um nichts anderes geht als das Kennenlernen zum gegenseitigen Partnertauglichkeitscheck (im übrigen Leben kann das mal so sein, muss es aber meistens nicht). Damit muss man klarkommen, das stimmt. Dann hat es aber auch nicht mehr von der Hand zu weisende Vorteile… dafür möchte ich einfach eine Lanze brechen an dieser Stelle 🙂

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