Teil I: Chloe und Maya auf Verbrecherjagd!


Ob Brechts Unterwelt, Döblins Franz Biberkopf oder Kästners „Emil und die Detektive“ – ich hatte immer einen Faible für die Schattenseiten Berlins. In der Fiktion versteht sich. Aber bei Chloe ist ja die Realität sowieso wie ein nie endend wollender Film… Deshalb werde ich nun schon zum zweiten Mal Opfer eines Betrugs.

Beim ersten Mal handelte es sich um den massierenden Hochstapler Borello. Mir war zum Glück außer etwas Gänsehaut nicht viel passiert. Nach meinem Blogeintrag landeten aber mehrere Mädchen über den Suchbegriff „Borello Ansbacher Straße“ auf SpreeSee. Sie schilderten mir, dass ihnen exakt das gleiche bzw. Borello widerfahren war (sogar die Nummer mit den tanzenden iPhone-Apps hat er jedesmal gebracht!). Ein Mädchen ist leider „weiter gegangen“. Ich hatte natürlich direkt nach meinem Blogeintrag WG gesucht alarmiert. Aber nun erstatte ich endgültig Anzeige bei der Polizei. Ich sehe mich in der Pflicht, diesem Wicht keine weiteren Opfer zuzuspielen! Seit dem 10. Mai 2010 warte ich jedoch auf Antwort von der Polizei. Dabei hatte ich ordnungsgemäß das schicke Onlineformular auf der Internetwache ausgefüllt und die Bearbeitungsnummer fünf Mal auf positiven Eingang hin geprüft. Bisher nix gehört. Heute will mich jemand zurückrufen.

Die gestrige Konfrontation mit den Berliner Schurken überstand ich leider nicht schadensfrei! Am Dienstag fand Tanguera Chloes Debüt im Clärchens Ballhaus statt. Direkt am Eingang fragte ich nach einer Garderobe. Es gäbe keine, antwortete man mir. Da hatte ich schon ein schlechtes Gefühl. Wie Maya weyß, lasse ich meine Wertsachen und vor allem ideellen Begleiter ungern irgendwo herrenlos stehen. Mein Tanzpartner maynte jedoch, dass ich das ruhig alles unterm Tisch stellen kann, da passiert nix. Als ich dem jähen Tangotreiben ein Ende bereiten wollte, war plötzlich meine komplette Handtasche verschwunden. Der Kellner zuckte nur lächelnd seine Schultern:

Dienstags kommt das eigentlich so gut wie nie vor. Eher samstags. Machen Sie sich da bloß keine Hoffnungen, die ist für immer weg! Da man für diese Milonga keinen Eintritt bezahlen muss, kann Hinz und Kunz hier ein und ausgehen.

Klare Ansage! Die übervorsichtige Chloe, die immer Angst vor den Mädchenbanden in Neukölln und Kreuzberg hat, wurde also in Mitte beraubt.

Ob fehlender Monatskarte und Bargeld lief ich die ganze Strecke von Mitte nach Kreuzberg zu Fuß nach Hause. Im Morgengrauen riss ich meine Mitbewohnerin aus dem Schlaf. Mein Schlüssel war och wech! Sofort sperrte ich alle Karten und rief natürlich die 110 an. Kommentar des Polizisten: „Handtasche? Nee, da können wir nix machen. Melden Sie das online oder gehen Sie morgen zu ihrer zuständigen Bezirksdirektion.“ Online? Dachte ich mir, nee, das hat schon beim ersten Mal nicht geklappt. Ich recherchierte die Öffnungszeiten und nahm mir vor, in aller Herrgottsfrüh Strafanzeige zu erstatten.

Parallel kam mir noch eine andere Idee… Ich rief mich selber an. Freizeichen! Keiner hob ab. Hm, dachte ich mir, dann kann ich doch mein Handy über meinen Netzbetreiber orten! Und siehe da, nach nur zwei Minuten poppte folgende Karte auf:

Handyortung: Finde den Dieb !

Mir klopfte das Herz und ward schlecht. Da sitzt also der Verbrecher mit allen meinen persönlichen Sachen in seiner Wohnung und ist zu dumm oder high, das Handy auszuschalten? Und die Polizei hilft mir nicht! Welch Ohnmacht.

Mit aufgequollenen Lidern tauchte ich ca. vier Stunden später bei der Polizei auf. Ich erwartete ein volles Wartezimmer und war völlig überrascht, dass eigentlich keiner da war. So kam ich schnell dran und konnte meinen Fall schildern.

Der furchtbar junge Polizist notierte alles brav auf einen Zettel. Als ich von der Handyortung erzählte, riss er sich aus seiner Lethargie und witterte eine spannende Verbrecherjagd: „Das ist toll! Wir haben schon mal jemanden so auf frischer Tat ertappt. Aber dabei handelte es sich um einen Taxisender. Die Polizisten haben das Gerät zu dritt geortet und eingekreist. Mensch, ist Ihr Handy noch an?“ Chloe genervt, da die kompetenten Kollegen bei der 110 das ja nicht in Betracht gezogen hatten: „Nein, die Karte ist natürlich inzwischen wie alles andere gesperrt!“ Der Polizist unermüdlich: „Dann entsperren Sie wieder! Ich gebe Ihnen die Telefonnummer von den Kollegen in Friedrichshain. Wenn man das Handy immer noch orten kann, dann können wir die stellen!“

Nun musste ich aber zuerst schwarz zum Arbeitsort meiner Mitbewohnerin fahren, um wieder an einen Schlüssel zu kommen bzw. in die Wohnung zu gelangen. Ohne Rechner (O-Ton Polizist: „Bei der Polizei kann man nicht online gehen!“) kam ich nicht an meine Daten…

Zur Sicherheit rief ich zu Hause als erstes bei den Kollegen in Friedrichshain an. Inzwischen war es schon 12.12 Uhr. Der nächste Spruch schockierte mich:

Kein Eintrag auf ihren Namen bzw. die Bearbeitungsnummer, die Sie gerade durchgegeben haben!

Mein Polizist in Kreuzberg hat wohl bisher seine schriftlichen Notizen nicht ins System eingetragen! Darüber war auch der Kollege in Friedrichshain entrüstet.

Nun sitze ich hier. Habe meine SIM-Karte wieder entsperrt. Leider scheint das Telefon inzwischen aus zu sein. Soll ich jetzt doch wieder sperren? Ich will verdammt noch mal HILFE!

Der einzige Mensch, der mir jetzt zur Seite steht ist wie immer Maya. Wir drucken nun Flugblätter aus und verteilen die in der Umgebung des georteten Handys. Vielleicht finden wir auch vor Ort zumindest meine Ausweise und meinen Hausschlüssel. Am liebsten würde ich jede einzelne Wohnung persönlich betreten und dem Verbrechen den Hals umdrehen. Ich habe aber meiner Mitbewohnerin versprochen, mich nicht in Gefahr zu bringen.

Das mit dem Tango lasse ich nun zumindest für eine Weile.

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3 Antworten

  1. Oje, ich könnt immer wieder kotzen über Leute, die sich auf solche Weise „bereichern“ und drücke alle verfügbaren Daumen!

    Als meiner Mutter letztes Jahr in München die Handtasche geklaut wurde und wir gleich zur nächsten Polizeiwache stapften, wurde sie dort ganz klein gemacht, warum sie nicht sofort die 110 gerufen hätte, die hätten am Tatort Spurensicherung machen können… tja, so ist das in der Welt, wie man’s macht, ist es falsch. (Ihre Tasche wurde ohne Bargeld wieder in der betreffenden Kneipe abgegeben irgendwann… aber da war kein so cooles Handy drin :S)

  2. Den Typen auf der Direktion erwischst Du nicht nochmal?

  3. […] wirklich so schnell bei der Madame vom See verblasst ist. Nach dem Verbrechen auf der Tanzfläche gab es ja einigen Anlass für ein […]

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