Teil III: Chloe und Maya auf Verbrecherjagd!


Wie im letzten Teil angekündigt, bekam Chloe zumindest Nachricht von der Polizei, dass ihr kleiner Geldbeutel mit Karten und Führerschein gefunden wurde. Die zwanzig Euro Bargeld waren natürlich entwendet worden. Bis zur Haltestelle Borsigwerke musste Chloe gurken, um an ihr Handtaschenrelikt zu kommen. Der Polizist vermerkte noch trocken:

Am 26.05.10 um 18.30 Uhr von einer Air Berlin Mitarbeiterin im Flughafen Tegel am Terminal C gefunden.

Mein Fall war somit fürs erste abgeschlossen. Chloe Kohlhaas forderte die Überwachungsbänder des Flughafens nicht heraus. Sie startete lediglich einen letzen Versuch und rief die Hostels in der Nähe des georteten Handys an. Vielleicht handelte es sich in der Tat um einen Gelegenheitsdieb, der noch eine Nacht im Hostel übernachtet und dann am nächsten Tag gen Heimat ausgereist war? Aber beide Hostels versicherten mir, dass pro Tag mind. 50 Leute auschecken.

Interpol ermittelt nicht in Sachen Handtaschen… ich habe aufgeben! Mir bleibt für die Zukunft nur der Blick ins Online Portal des Fundbüros Berlin.

Nun bemühte ich mich um den organisatorischen Ärger. Da ich inzwischen alle Karten gesperrt hatte und neue auf dem Weg waren, musste mich Maya mit Bargeld versorgen. Meine Schwester sandte mir ihr HTC Android Ersatz-Smartphone zu. Ich merke erst jetzt wie iPhone verwöhnt ich bin! Die HTC Menüführung treibt mich in den Wahnsinn. Was man alles separat öffnen muss für die banalsten Funktionen! Der Touchscreen lässt mich ferner zum Fingerspastiker werden. Ich drücke und es passiert nix oder ich drück nix und plötzlich „Gefällt mir“ was auf Facebook, obwohl ich das gar nicht will. Clutch tauglich ist die Tastensperre auch nicht! Vor einer Woche war ich mit Muckie im Magnet tanzen und rief dabei drei Leute an (Maya erschrack kurz, hörte die Musik im Hintergrund und legte erleichtert auf). Mein Bruder schrieb nur ironisch aus Hawaii zurück:

Stop calling me drunk!

Für meine Entschuldigungs-SMS brauchte ich zehn Anläufe. Die Tastatur ist so winzig und brummt beim Eintippen der Buchstaben los, obwohl ich das schon mehrmals abgeschaltet habe! Manchmal stürzt die Software grundlos ab! Beim Joggen mag ich das Ding ob der schlechten Klangqualität schon gar nicht mehr mitnehmen. Irgendwo liegt noch ein alter iPod herum, der muss für die Musik im Ohr her…

Aber: Hauptsache ich bin wieder erreichbar. So las ich Samstag früh mit noch halb zugeklebten Augen folgende Mail auf meinem Handy:

Berlin ist offensichtlich ein Mekka für Taschendiebe, mayne wurde heute auf jeden Fall direkt von der Stuhllehne im Dave Lombardos weggeklaut.

Schloss ist bereits ausgewechselt, erreichbar bin ich vorerst nur per festnetz und mail, ansonsten ist alles soweit ok.

Maya

Hatte ich das nur geträumt? Ich rief Maya sofort an…

Nun erzählt Maya selber weiter:

Ja, nun wurde auch ich Opfer gemayner Diebe. Gerade zwei Stunden nachdem ich dem Regisseur von Chloes Verlusten erzählt hatte, ereilte mich dasselbe Schicksal.  Perfiderweise am fröhlichsten Moment des Abends –  die Räuber müssen uns beobachtet haben – wie sonst können vier Menschen rund um den Tisch nicht bemerkt haben, was vor sich ging? Nach einer ausführlichen Lachsalve ging es darum eine neue Runde zu bestellen, ich fasste nach mayner Tasche und … ins Leere.

Fassungslos reagierten mayne Begleiter: „Ach was – ist bestimmt nur runtergefallen“ – „Kann nicht sein- ausgerechnet hier – wir sind doch hier zu Hause!“ – „Wie unfair – wir waren doch gerade so glücklich“. Aber alles Jammern und Suchen, selbst mit Hilfe der Taschenlampe des freundlichen Barkeepers half nichts. Die Tasche war weg – geradewegs unterm Hinterm weggeklaut, übrigens fehlte MP3 Player samt Kopfhörer des Regisseurs ebenfalls. Lachen und Fröhlichkeit an einem Tisch machen offensichtlich zum perfekten Opfer.

Einigermaßen geschockt ratterte mein Hirn – was tun? Chloe hatte ja gesagt, die Polizei sei nicht hilfreich gewesen, andererseits fiel mir gerade siedend heiß ein, dass nicht nur mayne komplette Anschrift und der Schlüssel in den Händen der Diebe war, sonder auch mayn sonst stets bei Jos Lars deponierter Schlüssel ausgerechnet derzeit in  der eigenen Wohnung lag, doppeltes Pech, ein Schlüsseldienst musste her!  Die 110 rief ich auch. Ein Streifenwagen wurde sofort zu mayner Wohnung geschickt um diese „zu sichern“ und ich machte mich ebenfalls auf zur Wohnung. Unentschieden, ob ich mir wünschen sollte, die Täter würden mitsamt der Tasche beim Bruch in mayn Heim erwischt, oder besser nicht.

Sehr dankbar war ich dem Regisseur für die Begleitung durch diese ärgerlichen Stunden mitten in der Nacht. Er lieh mir bereitwillig sein Telefon, holte Geld für den Schlüsseldienst und blieb ruhig und freundlich, während ich mit dem Adrenalin und der Wut in maynem Körper und Seelenleben kämpfte. Die Streife bestehend aus einem jungen Mann in blauer Uniform (er beklagte sich aufgrund der neumodischen Ausrüstung nicht ernst genommen zu werden) und einer Dame im grünen Auslaufmodell nahm uns in Empfang. Bisher hatte offensichtlich niemand versucht, in mayne Wohnung zu gelangen. Fast ein wenig gelangweilt wickelten sie mit mir die Formalitäten ab, wahrscheinlich hatten sie auf etwas Spannung und Abwechslung im üblichen Alltag gehofftt. Wenigstens intern konnte das Duo ein bisschen Schmiss in die Sache bringen: sie machten die Zentrale zur Sau, denn die hatten behauptet, die Anzeige sei bereits erstattet und aufgenommen, stimmte aber nicht, ich war ja direkt zur Wohnung gefahren. Also interviewten sie mich vor Ort. Das Bescheuertste an diesem Diebstahl wurde mir klar, als ich aufzählen sollte, was gestohlen worden war: er hat sich für den Täter absolut nicht gelohnt.

Mayne Barschaft hatte ich kurz vor dem fatalen Moment der Ausgelassenheit noch gezählt: 7 Euro. Weiterhin außer dem Vintage I-Phone, das ich natürlich schmerzlichst vermisse, jedoch dank diverser Macken und eines ausgeschlagenen Zahnes wenig Wiederverkaufswert haben dürfte, nur Dinge, die mir fehlen, dem Dieb aber nichts nützen werden.

Was hat er von mayner goldenen Lieblings-Pilotenbrille? Liest er wohl das gerade gekaufte Taschenbuch „Alfred Kerr – Aus dem Tagebuch eines Berliners“? Was macht er mit maynen Schlüsseln und Dokumenten, was macht er mit maynem Notizbuch? Liest er etwa die Geschichten, die ich als doch nicht für den Blog geeignet für mich behalten habe? Wahrscheinlich nicht! Der Arsch regt sich wahrscheinlich über mich auf, da ich außer des Telefons offensichtlich nichts von Wert für ihn bereithielt. Vermutlich so wütend, dass er mir nicht mal die Chance geben wollte diese Dinge wiederzufinden, wie es gute Diebe ja angeblich tun. Der von der Polizei empfohlene Rundgang in der Umgebung des Tatorts und der Mülleimercheck blieben jedenfalls ohne Befund.

Unter all den lieben Mitleidsbekundungen stoch mayn Herr Papa selbstverständlich heraus. Erst einmal versicherte er, dass einem so guten Menschen eigentlich gar nicht so etwas Böses geschehen könne (Chloe chlaubte, er sei jetzt unter die Karma-Anhänger gegangen, Maya maynt: er wünscht sich halt Gerechtigkeit fürs eigene Kind) und dass so ein Dieb sich wohl dachte, wer so fröhlich und unbeschwert ist, wie ich und mayne Freunde, der müsse auch reich sein. Da hat der Dieb ganz schön daneben gegriffen!

Nun geht die elende Warterei los. Kommt etwas zurück? Und dann die ätzende Neu-Beantragung. Ämtergänge mag ich ja sooooo gern.

Immerhin hat SpreeSee jetzt die Möglichkeit eine vergleichende Studie über Abwicklung und Verwaltungstätigkeiten durchzuführen.

Bestandsaufnahme: hier eine Auflistung der Durchlaufzeiten nach einem Raub:

Kreditkarte

Chloe: Nach nur zwei Tagen wieder da
Maya: Freundlicher Service bei der Sperrung mitten in der Nacht. Die neue wird in einer Frist von 14 Tagen zugestellt. Bisher also nix.

Neue SIM-Karte

Chloe: Eine neue SIM-Karte holte ich mir direkt im o2-Laden ab. Freischalten wollte der Inhaber jedoch nicht, da ich mich nicht ausweisen konnte (ach nee!!). Das konnte ich aber problemlos über die Telefonhotline erledigen. Sehr zuvorkommend!

Maya: Bestellte ich ebenfalls noch nachts im Zug der Sperrung. Der Mitarbeiter an der Hotline wünschte mir gegen 3 Uhr morgens noch einen schönen Abend. Die Karte kam – Samstag bestellt, Dienstag im Briefkasten – allerdings gleichzeitig mit der PIN an. In zwei getrennten Briefen am selben Tag. Abzug in Sachen Sicherheitsmanagement!

Neue EC-Karte

Chloe: Eine Woche lang passierte nix. Erst nach meinem Anruf wurden die Jungs aktiv. Jetzt habe ich jedoch gleich ZWEI neue EC-Karten zu einem Konto bekommen, aber immer noch keine PIN in Sicht.

Maya: Die neue PIN ist 2 Tage nach der Verlustmeldung schon da. Chloe chlaubte, ich könne doch dann mit der EC Karte losziehen. Leider musste ich sie daran erinnern, dass wir zwei verschiedene Personen sind (einige SpreeSee-Leser zweifelten bereits an dieser Tatsache), mayne Karte blieb mit dem Diebesgut verschwunden. Die neue Karte wurde für die nächste Woche angekündigt.

Neuer Ausweis

Chloe: Hat ihren in der Handtasche vermuteten Reisepass doch noch beim Putzen gefunden. Sehr gut, so konnte zumindest ich mich bei der Kajak-Leihaktionen für Mayas Reportage ausweisen.

Maya: Zum Glück! Denn mayn Ausweis bleibt Diebesgut und verschwunden. Die Polizei rät zur Neu-Beantragung in zwei Wochen.

Schlüssel

Maya: Chloe hat das Glück, dass die Diebe ihre Adresse nicht kennen, außerdem hat sie eine Mitbewohnerin. Ich hingegen musste den Schlüsseldienst rufen, der mich mit seiner sekundenschnellen Performance erschreckte – ich sperre nie ab! Nun sehne ich den Eintrag maynes Schlüsselbundes im Fundbüro herbei, denn sonst blüht mir ein Anruf bei der Hausverwaltung. Die Schließanlage wieder sicher kriegen, das kann teuer werden! Ein Hoch auf die Haftpflicht.

Brief vom „Polizeipräsident in Berlin“

Der Brief kam bei Chloe und Maya am selben Tag an.

Maya: Allerdings bleibt zu erwähnen, dass die darauf aufgeführten Fragen unterschiedlich sind, mayne Polizeidienststelle über keinen zugänglichen Briefkasten verfügte, ich den Antwortbrief deshalb „unfrei“ verschickte und die Polizei überraschend analog arbeitet. Immer wird alles erstmal handschriftlich notiert, Dinge über Telefon zu regeln ist deshalb fast unmöglich, man weiß nie, ob der Wachtmeister den Vorgang im Computer jemals finden wird.

iPhones

Sind wohl beide für immer verloren… Mit Neid beobachteten wir die Vorstellung des neuen iPhone 4 und müssen uns eingestehen, dass das einfach ein viel zu gefährliches Pflaster hier in Berlin für solche High End Geräte ist…

Advertisements

Eine Antwort

  1. […] da tatsächlich wir beide ausgeraubt worden sind, die Bargeldreserven sich dem Ende hin zuneigen und wir ausgehungert auf EC-Karten […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s