Teil VI: Chloe auf Parship


Blow-up – Über die männliche Berufung…

Chloe versucht immer wieder über ihre Vorurteils-Schatten zu springen, schafft es aber selten. Und wenn Sie denkt, sie gibt einer Berufsgruppe doch mal die Chance, sie eines Besseren zu belehren, dann klagt Maya ein: „Chloe! Was hast Du denn erwartet? Einen Piloten! Spinnst Du? Der hat doch in jeder Ecke der Welt eine auf Abruf bereit.“

Aber auch Berufsgruppen, denen ich eigentlich positiv gegenüber gesinnt bin, überraschen mich immer wieder aufs Neue. Das Date mit einem Architekten endete für mich mit einer unverschämten Beleidigung.

Am Kottbusser Damm – auch bekannt unter den Namen Kotty D’azur – nach einem eigentlich netten Abend auf die U-Bahn wartend.

Architekt frank und frei: „Du bist ja noch nicht so lange in der Stadt. Also Dir zur Info, wenn Du mal was brauchst, dann bist Du hier genau richtig.“

Chloe auf dem Schlauch: „Was brauch?“

Architekt weiter unverblümt: „Drogen.“

Chloe noch lachend: „Nee, also da schätzt Du mich total falsch ein.“

Architekt schmunzelnd: „Ach, das musst Du doch nicht vor mir abstreiten.“

Chloe ernst: „Ich mein das Ernst.“

Architekt: „Also im vollen Ernst. Wenn Du Koks brauchst, bist Du hier genau richtig.“

Ich war völlig entsetzt! Dachte der wirklich, ich sei das ganze Date über auf Koks gewesen? Kann man sich in seinen Augen Eloquenz und Selbstbewusstsein nur durch die Nase ziehen? Ich war sauer und rief am nächsten Tag sofort erbost Maya an. Sie maynte jedoch, dass man bei meiner offenen Art in der Tat auf den Gedanken kommen könnte – wenn man mich nicht kennt und selber verklemmt ist –, dass ich auf Koks sei. Maya erboste sich vielmehr darüber, wie man ernsthaft den Kotti als cleanen Drogenumschlagsplatz empfehlen könnte. Der Typ habe so oder so keine Ahnung. Außerdem hätte Koks bei Chloe wahrscheinlich eine völlige konträre Wirkung: Stille statt Größenwahn.

Den Architekten rief ich nie wieder an. Er mich auch nicht. So läuft das in Berlin. Astreiner Abgang.

Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich noch ein normaler Single bin? Was soll mir denn noch alles passieren? Zum Glück habe ich tolle Power-Single-Freundinnen, die ihre schlimmen Erlebnisse genauso offen kommunizieren wie ich. Dann fühlt man sich schon weniger schräg bzw. nimmt die Männergeschichten nicht persönlich. Ach wenn ich mir doch immer mehr wie ein Freak-Magnet vorkomme…

Nun gut, die peinlichste Männergeschichte passierte einer Freundin aus München. Sie lernte auf dem Oktoberfest einen adretten Mann kennen. Sohn einer Opernsängerin, Literaturliebhaber, Yogajunkie und von Beruf Fotograf.

Schlimme Finger, die Fotografen !

Das klingt doch nach einer ordentlichen Partie… denkt man. Meine Freundin legte sich vor dem ersten Date extra ins Zeug und rannte noch ein paar Mal ins Fitnessstudio. Die Yogarette – so taufte Chloe ihn – war schrecklich dünn. Da kann sich Powerfrau daneben schon mal unwohl fühlen. @Männer: Hört doch endlich mal auf mit dem Schlankheitswahn!

Yogarette war anfangs auch in der Tat sehr bemüht. Brachte weiße Lilien mit, kochte Fisch und zeigte auch sonst Ausdauer… Als beide bemerkten, dass sich nach der Phase der Verschossenheit keine Liebe einstellte, überlegten sie, ob das gepflegte Beisammensein nicht dennoch auf Basis einer nicht-platonischen Ebene weitergeführt werden könne. Der Genuss war nicht zu verachten. Doch plötzlich gebarte sich der Mann, jetzt, da er erkannt, dass diese Frau nicht die Mutter seiner Kinder wird, immer merkwürdiger. An einem Wochenende kam er plötzlich aus seinem Arbeitszimmer, das meine Freundin nie betreten durfte, mit einer mysteriösen DVD in der Hand heraus.

Yogarette stolz: „Jetzt, da wir geklärt haben, dass wir keine Beziehung wollen, können wir ja auf anderer Ebene alles ausleben. Daher möchte ich Dir nun mein Meisterwerk zeigen.“

Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen legte Yogarette die DVD ein und drückte auf „Play“. Auf dem Bildschirm flimmerte plötzlich ein Porno-Höhepunkt nach dem anderen im Minutentakt vor ihren Augen hinweg. Meine Freundin war entsetzt ob dieser geschmacklosen Abspritz-Compilation. Okay, alle Männer schauen Pornos. Aber wer ist so krank und investiert auch noch Zeit dafür, seine liebsten Porno-Sexszenen zu einer DVD zusammenzuschneiden. Und kann man dann auch noch so bescheuert sein und das tatsächlich einer Frau offenbaren? Natürlich traf meine Freundin diesen Mann nie wieder.

Und was hat das jetzt mit Chloe zu tun? Seit dieser Geschichte habe ich natürlich furchtbare Vorurteile was Fotografen angeht. Aus beruflichen Gründen traf ich neulich einen in Berlin. Statt über Preise redeten wir plötzlich über Gott und die Welt. Und fanden uns vielleicht sympathisch. Wer weiß das schon immer so genau. Aber Chloe – mit der Abspritz-Compilation im Kopfkino – macht immer wieder einen Rückzieher. Außerdem sollte man Beruf und Privates auch trennen! Jetzt bekam ich am Wochenende eine merkwürdige SMS, die mich vollends irritierte:

Ich sitze grad unmittelbar in Deiner Nachbarschaft. Schön grünes Brot auf dem Schoß. Und Du: rot, weiß oder grünes Brot?

In meiner Ratlosigkeit blieb mir wie immer nur der Griff zu meinem persönlichen Paul.

Chloe: „Maya! Du Königin des Subtextes! Was habe ich unter „grünes Brot“ zu verstehen? Oh Gott, wahrscheinlich so ein Kiffer!“

Maya: „Hm. Oder Öko? Vielleicht hat er sich ein Algenbrot geschmiert.“

Chloe: „Nee, so ist der nicht drauf. Und soll das weiß wieder auf Koks anspielen?“

Maya kichernd: „Und rote Pillen hat er wohl auch gleich im Sortiment.“

Chloe: „Boah. Auf Männer, die Drogen nehmen, stehe ich echt Null.“

Man darf leider Chloes Neugier nicht unterschätzen. Vor allem, wenn es um die Auflösung von Metaphern geht. So traf sie doch den Fotograf am Kanal. Auf dem Rad strampelte sie schwitzend durch die Haschisch geschwängerte Kreuzberger Luft und malte sich in ihrem Kopf die schlimmsten Drogen in Grün, Rot und Weiß aus. Da saß also der Junge neben einer Birke. Und ich dachte mir nur: „Wie schnell holt er den Stoff nun aus der Tasche und wie verschwinde ich dann am elegantesten von der Bildfläche?“. Kaum saß ich neben ihm, meinte er auch, dass er mir etwas mitgebracht hätte. Er kramte in seiner Tasche. Ich prüfte mit einem Schulterblick, ob mein Rad noch nicht geklaut und zur Flucht bereit war… Da hörte ich nur seine Stimme: „Du solltest das Eis essen, bevor es schmilzt.“ Oh, Kleist! Holst Du mich immer wieder ein…

Der Fotograf hatte sich schlicht gemerkt, dass ich gerne Eis esse. Wie lieb. Wie süß und ich ein Vollidiot. Das Eis war braun (cool trashig Cola Calippo). Braun? Das macht doch immer noch keinen Sinn! Wann rückt er mit weiß, rot und grün heraus? Sollte das nur ein Ablenkungsmanöver gewesen sein? Da die Mücken uns zu schaffen machten, gingen wir in einen visionären Club. Der Türsteher hielt meine Begleitung am Eingang zum unerwarteten Taschencheck fest. „Oh, mein Gott!“, dachte ich mir, „Jetzt finden die das Zeug. Oh, mein Gott! Wie peinlich. Fremdscham! Ich muss hier weg. Keiner darf sehen, dass ich seine Begleitung bin.“ Da sprach der Türsteher schon erbost, „Was haben wir denn da! So geht das nicht, junger Herr!“. Chloe will eine Weide sein. I am a tree. I am a tree… Doch was holt der Junge aus der Tasche raus? Eine Wein- und eine Bierflasche. Ach, Du Scheiße! Rot und Weiß und Grün und so…. Jetzt war das Rätsel besser spät als nie aufgelöst. Nur seit wann sagt man zu Bier „grünes Brot“?. Ach, ich sollte einfach keine jüngeren Männer daten. Man braucht ja fast ein Lexikon, um die zu verstehen…

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6 Antworten

  1. Seltsam – wer braucht denn ein Codewort für Bier?
    Eigentlich interessiert mich aber nur eins:
    DER GUTE ALKOHOL!
    Was ist denn damit passiert, nachdem der Bursche gefilzt wurde?

    Außerdem warne ich aus Erfahrung vor Sparfüchsen. Mit eigenen Getränken in einen Club zu gehen ist ziemlich daneben.
    Halten wir ihm mal zugute, dass er mit dir einfach im Park bleiben wollte. Mücken gibts übrigens im CdV genauso viel wie sonst auch…

  2. Der Bursche durfte den guten Alkohol hinter einem Busch verstecken. Als wir rausliefen, hat er alles wieder eingesteckt. Ich denke, es handelte sich eher um einen Romantiker als um einen Sparfuchs…
    Im CdV gab es mehr rauchende Menschen und in der Tat weniger Mücken.

  3. Ich glaube auch, es ist leider völlig normal, dass man beim Dating in menschliche Abgründe schaut. Ich hätte zu bieten:
    (Er, nach Klärung, dass weder Verschossenheit noch sonstwas bestand, beiderseitig): „Also, dann wird es einfach nur eine F…beziehung, oder?“ LAUT in einem Fastfood-Restaurant. Die Leute schauten schon – peinlich!
    Ein paar Tage später stellte sich auch noch heraus, dass er in einer Beziehung war. Locker über ein paar Freunde erfahren, denn er war nicht etwa eine Internet-, sondern eine Partybekanntschaft. Versuche, ihm klarzumachen, dass es GAR NICHTS werden würde, resultierten in verzweifelte, ständige Anrufe. Irgendwann war dann endlich Ruhe.
    Anstrengender geht’s kaum noch.

  4. Haha, im Studium kürzten wir das einfach zu „FB“ ab… manche kürzen so Facebook ab. Daher lache ich immer, wenn sich jemand auf FB treffen will. Das unverschämteste was mir jemals von einem Mann angeboten wurde: Ein DREIER. Die zweite Frau hierfür hatte er sich auch schon ausgesucht: mayne Freundin Maya. Aber die wusste nix von ihrem Glück und ich lehnte dankend ab.

  5. W E R ???
    Nr. 5??????

  6. Klar, wer sonst.

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