SpreeSee und die Dichterzunft


Akrablablablabla…Worte die kein Mensch braucht – Klirr Klirr Kristall! Furchtbar – und die Nacktschnecke – das ist doch durch

Chloe steht erzürnt in meiner Pantry Küche und wettert über die vergangenen paar Stunden. Sie schämt sich für unsere Zunft – die literaturwissenschaftliche…

Denn was wir bei der sommerlichen Pflichtveranstaltung „Kleine Verlage am Großen Wannsee“ im ehrenwerten lcb erleben mussten, war laut der Madame vom See ein „literarischer Klimperkasten“. Mit Wehmut denkt sie an die Kinderbuch-Lesungen in der Filderstädter Stadtbibliothek. Ich finde zwar, dass sie übertreibt – aber natürlich ist ein Besuch dort immer sehr speziell. Veranstalter sollten wohl grundsätzlich darauf achten, ihre geladenen Gäste und das Zielpublikum mit ein paar völlig Branchenfremden zu verdünnen, damit das gesamte Gebräu anschließend allgemein erträglich wird.

Allein der Style der meisten Besucher war schon jenseits der Grenzen des guten Geschmacks – soviele Sünden auf einem Haufen sind schwer zu beschreiben und die schwarzen Brillen verlieren enorm an markantem Charakter, wenn jeder zweite sie trägt. Zwischen nerdigen Jungs, mit Unterhemden bekleideten Wirrköpfen, Herren mit grotesk gemusterten Hemden und dicken Damen, die als Zeichen ihres Literatinnentums Tücher um den Kopf geschlungen hatten,  lauschten wir also zunächst auf der windumtosten Terrasse einer Lesung über weiße Nacktschnecken.

Der Ort des Geschehens...

Zwar konnten wir damit nichts anfangen, aber so schnell lassen wir uns auch nicht abschrecken. Also rein ins Zentrum des Geschehens. Der Einstieg im eigentlichen Lesungssaal geriet dann eher ein wenig Loriot-artig, wir trafen das weibliche Gegenstück zu diesem Herrn:

Fazit: Verlegerinnen sollten nicht auf schwedische Bauernhöfe ziehen und sich dann noch von durchgeknallten Übersetzerinnen irgendwelche russische Lyrik-Autoren vorschlagen lassen. Der Vortrag der „Variationen“ des Drei-Blatt-Zyklus infizierten Chloe spontan mit Narkolepsie – auch ich selbst konnte ein herzhaftes Gähnen bald nicht mehr unterdrücken.

Einzige wachhaltende Rettung war das Schauspiel der extrem auffällig hereinschleichenden Dame in schwarz-weiß, die ein schwules barhäuptiges Pärchen in Partner-Hemden lautlos nötigte aufzustehen und sie in die Reihe hineinzulassen, nur um dann, als die fürchterliche Lyrik-Session ein Ende hatte (ca. 9 Minuten) wieder zu gehen.

Anschließend traten zwei Österreicher auf, die sich anlässlich des Kulturhauptstadtjahres Ruhrgebiet 2010 in einem ethnologischen Basisforschungsband dieser seltsamen Region widmeten. Einzig und allein der Blick aufs Programm rettete uns…

und der Verbrecher Verlag mit seinem gigantischen wie alerten 83-jährigen Autor Giwi Margwelaschwili (cooler und fitter als alle anderen Vortragenden)  hat uns nicht enttäuscht. Vom von zwei „T“s eingekreisten „O“ bis zum lyrischen Ich im Zwist mit seinem Leser  war alles völlig überzeugend.

Leider blieb Chloe am schlechten Stoff der Lyrik hängen und wiederholt nun angewidert in Endlosschleife: Klirr klirr Kristall – und „Dreiblatt – ein Zyklus!“ – ich versuche ihr nun mit Musik, Wein und Eiscreme ein paar wirkungsvolle Gegenmittel einzuflößen mal sehen, ob es klappt…

Bis zum nächsten Mal lcb!

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4 Antworten

  1. Und als diese Übersetzerin auch noch die Variation zum Gedicht des Mohns bringen wollte, bin endgültig ausgestiegen. Nochmals Hut ab, dass Charly letztes Jahr mit Maya dort war. Das muss wahre Liebe sein. Ich scheine meine Liebe zur Literatur ab und zu zu verlieren…

    Lustigerweise hat Maya und mir aus gegebenem Anlass ein Kinderbuch am meisten gefallen: „Jakob und Neinkob.“

    Ansonsten blieb mir nur noch ein schreckliches Bild im Kopf hängen: Als Maya und ich um 20 Uhr die Veranstaltung verließen, mussten wir über einen durchgenknallten Möchtegernautor klettern. Er hatte vor sich ein paar Manuskripte wild ausgeblättert. Auf einem Blatt stand ganz groß „ROMAN“ drauf… Maya bemerkte meinen entsetzten Blick und maynte frech: „Tja, so wirst Du auch mal enden…!“

  2. Hmm… Maya! Wir hätten das Gesicht des verkannten Literaten am Boden mal besser genauer anschauen sollen. Vielleicht war das der Über-Ex?

  3. Haha, sehr gut – das würde ihn dann wohl wirklich zum Unter-Ex machen :S

  4. […] Kürzlich im LCB erinnerte ich Chloe noch daran, dass auch wir eine Jugend als Doppelkennzeichen-Mädchen hinter uns […]

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