I am a big big Girl in a big big City


Heute telefonierte ich kurz mit Kalli (mein Tangobegleiter während des Handtaschenraubs). Er erzählte mir, dass bei der letzten Milonga im Spiegelsaal (Clärchens Ballhaus) wieder eine Bekannte von ihm bestohlen wurde. Als das Opfer in ihrer Verzweiflung

Berlin ist so krank, diese Stadt macht mich fertig!

schrie, musste er sofort an mich denken. Schließlich schob ich damals in meiner Wut meinen Leichtsinn auch gleich auf den Sündenbock degenerierte Hauptstadt. Bringe auch gerne mal den Spruch: „Ich muss hier weg. Das hält doch keiner aus! Ich bin zu normal für diese Stadt.“

Aber inzwischen sehe ich das differenzierter. Zum Glück bringt mich Maya immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück… auch als ich diese Woche allen Berliner Schreinern in meiner Nervosität jegliches Talent absprach. Man sollte seine eigenen Schwächen und Ängste nicht auf eine Stadt projizieren.

Jetzt, da ich mich langsam als Stadtmädel definiere, reagiere ich auch selbst enorm allergisch auf Verallgemeinerungen. Einer meiner Parship-Dates (der, der meinte, man könnte doch nach drei Dates nicht schon „Schluss machen“) ließ heute seinem Groll auf die Großstadtmädels auf Facebook freien Lauf.

Kleiner Exkurs: Warum ist Chloe mit misslungen Dates weiterhin auf Facebook befreundet? Man weiß ja nie! Schließlich könnte ich mal wieder einen Mann gebrauchen, der mein Schloss austauscht oder mir ein Auto ausleiht. Wobei… der letzte Mann, den ich um sein Auto bat, verwehrte mir dieses, da es „explodieren“ könnte! Hallo??? War das vielleicht eine phallische Allegorie? Nein, das Auto müsse nur dringend repariert werden…

Immerhin kategorisiere ich die gescheiterten Dates sofort zur C-Ware um, wenn nix draus wird. Als ich das mit dem drei Mal Gedateten tat, kündigte er mir spontan die Freundschaft auf Facebook. Für mich kein Problem. Aber nur acht Stunden später „befreundete“ er mich wieder mit dem Argument:

Ich habe wohl überreagiert. Entschuldige. Man weiß ja nie, vielleicht hast Du noch ein paar lecker Mädchen im Freundeskreis.

Boah – was war ich da sauer! Sind Frauen nur „lecker“ und bin ich das Tor zum Harem, oder was? Wahrscheinlich hatte er noch rechtzeitig alle meine weiblichen Kontakte auf Facebook abgecheckt, bevor ich ihm den Zugriff auf meine Freundesliste entzogen hatte… Und glaubte der im Ernst, dass ich ihn jemals guten Gewissens weiterempfehlen würde? Jedenfalls postete er heute den folgenden Satz auf Facebook:

Das passt zu den Stadtmädels wie die Faust aufs Auge: „Extrem sexy, konsumfreudig, aber vollkommen verwirrt. Oder anders gesagt, kaum steht der Fick vorm Bett, gehen die Mädels von heute vor Schreck auf Facebook.“

Das Zitat soll anscheinend aus einem Interview mit Klaus Lemke in der Süddeutschen stammen.

Aus Neugier las ich den ganzen Artikel durch. Fand das Zitat jedoch nicht! Hat sich der Kerl also selber im Namen des Regisseurs Luft gemacht??? Frechheit! Ich weiß ja, dass er vor allem auf mich stand, weil ich in seinen Augen das „Mädel vom Lande“ bin. Nachdem ich Schluss machte, äußerte er zynisch, dass ich aufpassen solle, dass ich in dieser Stadt nicht wie die anderen Frauen am Leben scheitern werde.

Klaus Lemke haut immerhin auf beide Geschlechter drauf:

Berlin ist gar nichts. Neowilhelminischer Unsinn. Eine Steinwüste. Was für verwirrte Söhne, verspannte Töchter.

Großstadt-, Land- oder Inselleben – Chloe hat alles erlebt. Und überall gibt es solche und solche. Es ist zu leicht, seine eigenen Unzulänglichkeiten auf Wohnort oder das andere Geschlecht zu schieben.

Vielleicht gibt es die Frau, die mein damaliges Date sucht, einfach nicht…

Advertisements

6 Antworten

  1. Hahaaaa! Das nenne ich mal wieder typische männliche Hybris – wenn die Frau – äh Entschuldigung – „das Mädel von heute“ lieber im Netz unterwegs ist als mit dem Typen selbst zugange, dann muss das an ihrer VERWIRRUNG liegen… keinesfalls könnte der Grund die mangelnde Attraktivität, Einfühlungsvermögen oder Performance des Mannes sein, die die Reizlosigkeit ausmacht.
    Wahrscheinlich hat der Lemke das schon gesagt, aber halt in nem aktuellen Interview. Als das von dir verlinkte gedruckt wurde gab es doch noch gar kein facebook, oder?

  2. Du hast den Blick fürs Wesentliche! Das mit dem Datum ist mir gar nicht aufgefallen…

  3. Und ich versteh den Satz „kaum steht … vorm Bett“ nicht. Also, im Sinne von, er steht ins Haus? Oder der Typ steht nackt davor und wartet auf einen? Und man selber geht lieber zu Facebook (das würde tatsächlich auch was über den, der wartet, aussagen – und was schreibt man dann da: „Ohje, so ein Typ hat mich abgeschleppt und steht jetzt nackt hier rum. Was, meint Ihr, soll ich tun?“)? Oder wie oder was? 😉

  4. Hahaaa! Natürlich. Kennst du nicht das neue urbane Single-Gesetz? Sex ohne vorherige Abstimmung über die Tauglichkeit des Kandidaten auf Facebook ist strengstens untersagt. Wisst ihr das noch nicht in München?

  5. Hallo? Dank Facebook & Google kann man sich wirklich einiges ersparen! Ich flüchte ja gerne mal schnell auf Toilette und recherchiere auf meinem Smartphone. Was glaubt Ihr wie ich abgehe, wenn ich dabei herausfinde, dass der Don Juan auf der Tanzfläche „In einer Beziehung mit XX“ ist oder gar verheiratet! Manchmal findet man auch einfach peinliche Fotos von Jungs auf Segelbooten mit Mädels im Bikini im Hintergrund… Die Technik macht es möglich. Aber wie gesagt, man sollte das machen, bevor „kaum steht … vorm Bett“. Dieser Klaus Lemke hat echt keine Ahnung!

    Wahrscheinlich werden uns Mädels aus dem Grund plötzlich die Smartphones geklaut (am WE erwischte es nochmals zwei Freundinnen von mir!!!)… Die Männer wollen bis zum Bett kommen, ohne dass wir sie vorher aufgrund von Suchmaschinen ausmustern. Haha!

    Die Vorstellung Facebook als virtuelle Umkleidekabine im Sinne von „Passt der Typ zu mir“ zu nutzen, ist auch nicht verkehrt. Maya und Jos Lars haben mir ja schon gedroht, dass sie sich in Zukunft mehr einmischen werden, damit so etwas wie Torben von Anfang an im Keim erstickt wird !

    Und machen wir uns doch nix vor: Auch die Männer werden ihren Kumpels ihre Eroberung am nächsten Tag erstmal auf Facebook mit Bild und Text weiterleiten…

  6. Puh, ja, das hat dann alles wie immer Vor- und Nachteile. Aber bitte keine Echtzeit-Handyfotos oder gar -Videos… das geht zu weiit… zumindest für uns hier unten in München, wir sind da wohl einfach zu unlocker 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s