Gender Wage Gap hoch zehn


Manchmal fallen mir Dinge ins Auge, die ich unbedingt sofort – oder zumindest sobald ein Computer in Reichweite ist – bloggen möchte und dann vergesse ich dieses Vorhaben doch wieder. Chloe, die mir an Organisation meilenweit voraus ist, hat dafür eine Stoffsammlung. Mir stehen leider nur Gedächtnis und Zufall zur Verfügung. Durch irgendwelche Gegebenheiten wird dann zur Unzeit mal wieder das eine oder andere an die Oberfläche gespült.
Rechtzeitig zum SpreeSee-Sommerloch (Chloe liegt mir seit Tagen in den Ohren, ich müsse jetzt mal wieder posten, aber der Sommer macht mich einfach schreibträge) war es gestern Nacht mal wieder soweit. Gerade wollte ich mich mit maynem Lieblings-Kaminfeuer-Talk „nachtstudio“ – Volker Panzer ist neben Pippi Langstrumpf der einzige Grund noch ZDF zu gucken – halbwegs intellektuell aus dem Wochenende verabschieden, da ging beim Thema „Starke Frau sucht schwachen Mann“ der Blogthemen-Alarm an.

Einerseits beschäftigt uns die gesamte Problematik und die Frage, wie eine gut ausgebildete und verdienende Frau einen adäquaten und liebenswerten Mann findet, ja seit geraumer Zeit. Leider ergab sich aus der Diskussion auch keine andere Lösung als der Vorschlag, sein eigenes „Beuteschema“ zu überlisten. Leser der „Chloe auf Parship“ Kolummne dürfen gespannt sein, wenn diese Strategie dem Praxistest unterworfen wird…

Die Frauen seien nun also aufgerufen, sich nicht nur beruflich zu emanzipieren, sondern in der Konsequenz auch aufzuhören, „nach oben“ heiraten zu wollen. Genau das haben wir auch schon vom hier schon an anderer Stelle zur Erklärung verschiedener Dating-Probleme herangezogenen Roman Maria Koidl gehört und heftig diskutiert. Man denke auch an die Frage „Wer zahlt beim Date?“ die Chloe regelmäßig in den Wahnsinn treibt.  Koidl jedenfalls hat uns das schöne Wort des Downdating gelehrt und behauptet, Frauen seien nicht bereit dazu, sie könnten es nicht ertragen, wenn der Mann weniger verdiene etc. Ich kann mit großer Freude behaupten, dass in maynem direkten Freundeskreis doch ein Gegenbeispiel existiert. Pikanter Weise sogar mit genau den Details ausgestattet, die Koidl in seinem Exempel anführt. Sie mit lukrativem Beruf in der Werbebranche,  Er 5 Jahre jünger und Fitnesstrainer, funktioniert seit Jahren! Ha – geht doch.

Das eigentliche Problem – der Graben, den es zu überspringen gilt, um in einer Welt solcher glücklichen Paarungen zu landen, ist nämlich nicht der hoffnungslose Konservativismus von uns jungen Frauen, die im kollektiven Dornröschenschlaf noch immer auf den edlen Prinzen warten, der Graben ist eher politisch und heißt der Gender Wage Gap. Als die Soziologin Jutta Allmendinger diesen anführte, erinnerte ich mich plötzlich an eine kuriose Suchanzeige, die mir bei einem Besuch am Bodensee vor die Linse gekommen war:

Was für eine Einstellung zur Einstellung...

Wenn man sich überlegt, dass die eine gesuchte Frau, deren Arbeitskraft der von fünf fleißigen Männern gleichkommt, statistisch gesehen auch noch weniger verdient als ein einzelner des fleißigen männlichen Quintetts, dann brauchen wir wohl ein paar sehr begabte Konstrukteure um diesen Graben zu überbrücken.

Advertisements

21 Antworten

  1. Meine Beziehung (etwas über ein Jahr alt) ist auch ein Gegenbeispiel. Und die vorherige auch. Ich weiß aber, dass wir damit in der Tat einer Minderheit angehören.

  2. Brav Maya! Ich warte noch auf einen anderen Blog-Eintrag – Du kannst Dir ja denken worüber…

    Bis dahin übe ich mich im Downdating.

    Außerdem kenne ich auch seeehr viele Gegenbeispiele! Die jüngere Fitnesstrainer-Nummer hat gerade eine begabte Künsterlinfreundin von mir am Start. Selbstbewusste erfolgreiche Frauen brauchen keinen Ernährer. Sie brauchen Liebe.

  3. Ich vergaß den passenden Soundtrack zum Downdating: http://www.youtube.com/watch?v=Dvh2VZVu5Kk&feature=related

    Robyn – Bum Like you

    You’re always up to no good
    Your finger’s in my cookie jar
    You can have my checkbook visa and my mastercard too
    Ain’t no price too high for what you do

    You could be my dog
    I could post your bailbonds when cash was tight
    We could fall in love
    I could be the apple of your eye

    Let’s do it right now

    My new favorite thing to do
    Is wastin’ my time on a bum like you
    My new favorite thing to do
    Is wastin’ my time on a bum like you

    Your car’s a dump and you’re broke
    but that’s all right
    I never liked them fancy guys
    You don’t even look good, god it ain’t right
    but you’re starry eyed and out of sight

    You could fall apart
    I would post your bailbonds when cash was tight
    We could fall in love
    I could be the apple of your eye

    Let’s do it right now

    My new favorite thing to do
    Is wastin’ my time on a bum like you
    My new favorite thing to do
    Is wastin’ my time on you

    You’re always up to no good
    you catch on like a bonfire
    Every single worn out line is shiny and new
    I never met a sweeter liar

    You could be my king
    I would knit you mittens and make you pie
    We could fall in love
    I could be the apple of your eye

    Take the vcr
    Take the keys to my house
    the keys to my car
    I don’t need it no more
    Cause you gave me the keys to your heart

  4. Der Gender wage Gap kommt ja wesentlich dadurch zustande, dass Frauen nach oben heiraten und dann, gerade weil sie weniger verdienen auch eher für die Kindererziehung aussetzen und danach Halbzeit arbeiten und deswegen eher der vollzeitarbeitende Mann befördert wird.
    Männer, die Kinder betreuen, erleiden üblicherweise einen größeren Gehaltseinbruch als Frauen, weil es noch eher gegen die Rollenvorstellungen verstößt

  5. Tja lieber Evolutions-Fan, das ist schlimm genug, aber nicht die ganze Wahrheit!

    „Ein erheblicher Anteil des „gender pay gap“ bleibt jedoch unerklärt. Auch Frauen, die immer in Vollzeitbeschäftigung waren, keine Kinder hatten und auch nicht den Wunsch äußerten, Kinder zu bekommen, verdienten der Untersuchung von Manning und Swaffield zufolge nach 10 Jahren Berufstätigkeit signifikant weniger als Männer.“

    Mehr dazu zum Beispiel hier in einer Studie der Böckler-Stiftung.

  6. Klar. Sie haben meist auch ein Studium mit geringerer Gehaltsorientierung hinter sich (etwas übertrieben Kunstgeschichte statt Maschinenbau)

    „Die mittlere Lohndifferenz zwischen Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern beträgt nach dieser Berechnung 19,3 %. Hiervon sind 11,4 Prozentpunkte durch Ausstattungseffek-te erklärt, während 7,9 Prozentpunkte dem Gruppeneffekt zuzuordnen sind.“

    Ausstattungseffekt bedeutet ziemlich genau das, was ich oben geschrieben habe.
    Beim Gruppeneffekt, also dem Vergleich von gleichen Berufen kommt dann die Kindererziehung zum tragen.

    Es wird sicherlich ein weiterer Faktor sein, dass bei Frauen eher vermutet wird, dass sie die Elternzeit nehmen und man dann die Stelle kurzzeitig neu besetzen muss. Allerdings wird man diese Vermutung nur umgehen können, wenn Frauen die Erziehungszeit eben gerade nicht mehr nehmen. Ob die Frauen damit einverstanden sein werden?

  7. Oder wenn Eltern die Erziehung gerecht aufteilen. Wieso sollten Frauen damit nicht einverstanden sein?

  8. Weil dann beide Karrienachteile erleiden.

    Und sie aufgrund ihrer Studienwahl (er ist zB Ingenieur, sie Kindergärtnerin)und ihres Alters (Die Frau ist meist jünger) bereits weniger verdient.

    Weil er in der freien Wirtschaft ist (höherer Verdienst) und sie im Staatsdienst (Jobsicherheit, genau damit sie besser Beruf und Familie vereinbaren kann).

    Es gäbe schon Gründe.

  9. Es gibt auch Gründe dafür!
    Zum Beispiel, weil beide trotzdem noch eine Karriere hätten und beide wirklich Eltern wären. Da du nicht nachlässt, das Klischee von der Kindergärtnerin und dem Ingenieur zu bemühen, erspare ich dir das hier jetzt auch nicht:
    SCHWEDEN!
    Außerdem zielte mayn Zitat oben genau auf die Lücke ab, die sich nicht auf Studienwahl und Mutterschaft zurückführen lässt.
    In einer Welt voller Lehrerinnen und Topmanager gibt es diese Lücke natürlich nicht. In mayner Welt, mit der Managerin und dem Personaltrainer, oder besonders in der Welt mit dem Mann in der freien Wirtschaft und der Frau in der freien Wirtschaft allerdings schon…

  10. Und jetzt, da dieser Christian schon den ganzen Tag über nur seinen und unseren Blog kommentiert, frage ich mich wirklich, womit er eigentlich sein Geld verdient… Etwa ein gelangweilter Ingenieur? Kariertes Hemd und Samenstau, ich studier Maschinenbau. Ich liebe Klischeeeees! Mehr davon, Christian !

  11. Natürlich gibt es Gründe dafür und vielleicht sollte das Modell mehr praktiziert werden.
    Wird es aber nicht, so das Gehaltsunterschiede entstehen. Die Studien zeigen, dass Frauen wesentlich häufiger die Erziehungszeit nehmen und nehmen wollen und auch wesentlich häufiger in Teilzeit arbeiten und in Teilzeit arbeiten wollen.

    Schweden finanziert sein System durch sehr hohe Steuern, im Gegenzug muss letztendlich eine Frau dann auch schneller Vollzeit arbeiten. Die Erwerbstätigenquote bei Frauen liegt in Sweden bei 73% und in Deutschland bei 59%, zudem arbeiten doppelt so viele Männer 11% statt 6%), aber weniger Frauen (33% zu 44%)Teilzeit.
    Die deutschen Frauen müssten sich insoweit umstellen und mehr arbeiten. Was die Schwedinnen studieren dazu konnte ich nichts finden.
    http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Familienforschung/s_2114.html

    Auch beim Sorgerecht sind zB die Schweden voraus, Da ist jeder dritte Alleinerziehende männlich, was hier schon daran scheitert, dass die Männer die Kinder nicht bekommen. Auch da müsste die deutsche Frau rechte abgeben. Ich verweise hier auf die Debatten nach dem Urteil des BVerfG und den Aufschrei der Frauen.

    Warum meinst du, dass sich bei deinem Zitat der Ausstattungseffekt nicht auswirkt und woraus in der Studie ergibt es sich?

    Wenn man schnell etwas ändern wollte, dann müsste man nicht die Frauenfeindlichkeit der Männer beheben, sondern Kindergartenplätze schaffen und die Hausfrauenrolle gesellschaftlich abwerten, damit mehr Frauen arbeiten. Das neue Unterhaltsrecht geht in diese Richtung, indem es die Zeiträume, die die Mutter beruflich aussetzen darf zugunsten einer Fremdbetreuung verkürzt hat. Der Aufschrei kam von den Frauen, wie man sich denken kann.

  12. @Chloe
    vielleicht bin ich ja vorbildlicher Hausmann und wiege nebenher mein Kind in den Schlaf 😉

  13. Wer hat denn hier auf SpreeSee jemals Männern im Allgemeinen Frauenfeindlichkeit vorgeworfen?

    Alles, was ich anprangerte, war ein politischer Handlungsbedarf im Zusammenhang mit dem Gender Wage Gap, der sich aus all den von dir so ausführlich angeführten strukturellen Gründen plus einer tatsächlich vorhandenen Lohndifferenz, die innerhalb einzelner Berufe bei gleicher Qualifikation und Erfahrung eben manchmal auch besteht, speist.

    Ansonsten lies einfach richtig, ich habe keine Zeit, dir hier Zahlen vorzubeten, ich habe nämlich wirklich „ein Kind zu schaukeln.“

  14. @Christian: Na dann hast Du doch alles richtig gemacht! Bäuerchen nach dem Stillen nicht vergessen.
    @Maya: Mein „Baby“ ist auch immer noch nicht in trockenen Tüchern. Aber im Sinne der Evolutionstheorie frei nach Christian muss ich eh noch mehr arbeiten, damit ich als Frau gelte.

  15. Wo habe ich denn Spreesee so etwas vorgeworfen?

    Die Frage ist eben wie man politisch Handeln müsste. Ich meine, dass da gerne in die falsche Richtung gehandelt wird, indem Frauenfeindlichkeit bekämpft wird, wo es eigentlich darum gehen müsste Frauenarbeit und Fremderziehung zu fördern. Die von dir aufgeführte Studie zeigt, dass dort das größte Plus zu machen ist.
    Warum nicht mal eine Kampagne mit dem Titel: „Hilf den Gender Pay Gap zu schließen, studiere Ingenieurswissenschaften und arbeite Vollzeit“? Im Gegenzug müssten dann natürlich Kinderkrippenplätze geschaffen werden.

  16. Klingt irgendwie so durch, bei allem, was du schreibst. Das Wort taucht so häufig bei dir auf und immer in einem komischen Kontext:

    „dann müsste man nicht die Frauenfeindlichkeit der Männer beheben“

    „dass da gerne in die falsche Richtung gehandelt wird, indem Frauenfeindlichkeit bekämpft wird,“

    Ich finde ja Feindlichkeiten oft behebens- und manchmal sogar bekämpfenswert.

    Aber den Rest finde ich natürlich auch toll. Mehr Kitaplätze, mehr Väter mit Erziehungsurlaub, mehr Ganztagsschulen, mehr Ingenieurinnen, mehr DJanes und mehr Ingenieurinnen und DJanes, die gleichviel verdienen wie Ingenieure und DJs.

  17. Für mich klang es in dem Ausgangsartikel so als wäre dort die Frauenfeindlichkeit als Ursache für den Gender wage gap gesehen worden. Schließlich steht da ja, dass die Frau eine Arbeitskraft von 5 Männern hat und dennoch weniger verdient.

  18. Aaaah – das Bild…
    HIlfe, bist du eine humorfreie Zone!

  19. Ich habe die humorvolle Übertreibung schon mitbekommen, ging aber davon aus, dass in dieser Überspitzung doch eine gewisse Kritik enthalten sein soll.

    Aber wenn du keine Diskriminierung wegen des Geschlechts (=Frauenfeindlichkeit oder?) als Ursache gesehen hast, was ist denn deiner Meinung nach die Ursache?

  20. Lerne doch mal vernünftig zu differenzieren und lies genau nach, steht alles schon da!

  21. […] Downdating, Cougar (=Berglöwin) und März-Oktober Liaisons – der Trend ist da, wir haben bereits öfter davon gesprochen. Hier in diesem zweifelhaften Geschäftskonzept dazu wird das Alter aber dann schon zum Selbstzweck, das kann doch auch nicht Sinn der Sache sein. Ich plädiere für einen entspannteren Umgang damit und frage mich nur, ob man die jüngeren Männer gleich dermaßen zur leichten Beute  degradieren muss – ich mayne Z U C K E R J U N G S??? […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s