Nachrichten Made in Taiwan


Kulturpessimisten, die Angst haben alles ginge den Bach runter und die nachfolgenden Generationen können nicht mal mehr lesen, hält man ja gerne entgegen, dass das alles bestimmende Internet ein Schriftmedium sei. „Hurra wir lesen noch“ titelte die Zeit neulich.

Also alles gar nicht so schlimm? Ich weiß ja nicht.

Schließlich gibt es wenige Erkenntnisse darüber, wie viel von dem das (wo auch immer) geschrieben steht, die  Leser auch verstehen. Die Komplexität nimmt im Internet auch nicht gerade zu. Und bald werden die multimedialen Inhalte das Internet ohnehin stärker als zuvor entern.

Wieso sollte man die Möglichkeiten Bild und Ton hinzuzuziehen auch außen vor lassen? Ich bin da gar nicht dagegen. Ich frage mich nur: wie sieht es mit der Interpretationsfähigkeit der Konsumenten aus. Wo bleibt der doppelte Boden, die Trennung von Nachricht und Meinung? Das sind Dinge, die schon ein wenig mehr Textkompetenz verlangen, wenn man unsauber gearbeitete Artikel liest, bei der multimedialen Berichterstattung wird es noch viel schwieriger. Was man sieht, hält man als Mensch schon gerne für die Wahrheit. Da wird in Zukunft doppelt viel Arbeit auf verantwortungsbewusste Lehrer und Eltern zukommen. Schließlich sollten die kommenden Generationen sich auch noch im Wust aus Bildern, Videos, Texten, seriösen Informationen, Sensationsnews und Spekulationen, die als Nachrichten verkleidet sind, zurechtfinden.

Das Medienmagazin Zapp zeigte kürzlich schon einmal einen schönen Vorgeschmack auf diese Welt der Mutmaßungen. Das Boulevard-Blatt Apple Daily aus Taiwan pflegt seinen Lesern im Internet animierte Videos zur Verfügung zu stellen, die nach Berichten produziert werden. Hier zum Beispiel ging es um das von uns sehr geliebte Thema Nacktscanner:

Aus der Nachricht wird eine Inszenierung. Das an sich ist schon ein Bruch. Noch härter ist die brutale und offene Art der Darstellung, da braucht man keinen „Tatort“ mehr:

Die findigen taiwanesischen Newsfreaks möchten ihre tollen Animationsdienste gerne in die westliche Welt verkaufen. Wir dürfen uns also in Zukunft auf schicke Darstellungen völlig ungesicherter Berichte freuen. Man stelle sich das Video zu den Kachelmann-Vergewaltigungsvorwürfen vor – keinesfalls bewiesen, aber bereits verfilmt…

Brave new world – mir graut manchmal vor dir!

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Eine Antwort

  1. Es ist ein wenig furchteinflößend, aber in einer funktionierenden Demokratie kontrollieren sich ja alle gegenseitig, d.h. auch die Medien werden kontrolliert…. man kann sich nur wünschen, dass dieser Prozess nie aus den Fugen gerät.

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