Im Zweifel für den Zweifel


Tatort aus Wien: „Glaube Liebe Tod“. Sonntag, 29.8.2010, 20.15 Uhr ARD.

Note: 2-3

Moritz Eisner wurde von seiner Tochter zur ZEN-Meditation geschleppt, gerade spannt er den Bogen, da klingelt sein Telefon – die Erleuchtung bleibt ihm verwehrt, er muss zum Tatort. Das junge Mordopfer kann dank Anhänger schnell als Sektenzugehörige  identifiziert werden. Der Film verfolgt nun hauptsächlich der Zeichnung dieser hier Epitarsis getauften „Glaubensgemeinschaft“, die alle Merkmale von Scientology trägt. Der Krimi muss sich unterordnen. Schaurig ist die eiskalte Leistungsorientierung der Gläubigen allerdings schon: „Trauer ist kein produktives Gefühl.“ heißt die lapidare Reaktion auf den Tod des jungen Mitglieds Ann. Und auch der Grad der Unterwanderung – die Staatsanwaltschaft ist ebenfalls schon auf Epitarsis – macht frösteln.

Die Ehe der Eltern der Ermordeten ist offenbar daran zerbrochen, dass die Tochter sich der Sekte zu- und und von den Eltern abgewendet hat. Die Mutter trauert still um das verlorene Kind, der Vater hat sich in die Aufgabe gestürzt, die Tochter aus den Fängen von Epitarsis zu befreien, koste es was es wolle, mit legalen und illegalen Mitteln. Sein Scheitern im Kampf um seine Tochter erträgt er nicht, er vernichtet all sein Recherchematerial und erhängt sich.

Hilfe erhielt er beim Rettungsversuch der Tochter von der Leiterin der Beratungsstelle für Angehörige von Sekten-Angehörigen, Maria Levin. Sie hat ein Programm für Ausstiegswillige entwickelt. Woher sie die Strategien und Taktiken der Epitarsis so genau kenne, will der Kommissar wissen. Man ahnt es, die Dame ist ein abtrünniges Mitglied. Ann, die ermordete junge Frau wurde vom Vater mit Geld in eine leerstehende Bauruine gelockt und dort von Levin zum eigenständigen Nachdenken über Epitarsis angeregt. Auf Euphorisierungs-Entzug wurden die Zweifel größer.

Doch Zweifel haben keinen Platz in dieser Glaubensgemeinschaft, besonders nicht bei denen die hineingeboren sind und die Welt außerhalb der Maschine ignorieren. Am Ende hat die Tochter der bekehrten Levin nicht nur ihre beste Freundin Ann für die Zweifel bestraft, sondern auch ihre abtrünnige Mutter endgültig getötet. Die war für sie ohnehin schon seit dem Ausstieg gestorben. Leider kann die Sektenchefin die junge Inquisitorin nicht mehr rechtzeitig ins amerikanische Headquarter schaffen und angesichts ihres fanatischen Geständnisses vor dem Kommissar, das sie mit den Statuten der Sekte rechtfertigt, wird sie sofort von Epitarsis fallen gelassen. Nur sich selbst darf sie kein Ende bereiten – das erlaubt der Eisner nicht, er sei schließlich kein Erlöser.

Fazit: solide, gemächlich, wenig Spannung trotz zweier Morde, schöne Zeichnung der Sekte mittels Ausstattung, die Psychologie der Mörderin kam leider erst in den letzten Minuten zum Tragen.

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