Maya bestraft Modesünden sofort !


Wir haben ja schon öfters betont, dass das hier kein Modeblog ist (= keine abfotografierten Styles unsererseits). Aber in letzter Zeit gab mir Mayas Verhalten doch arg zu denken…

(Räusper! Hier spricht Maya – ich mische mich einfach mal direkt in den Artikel ein, um die notwendigen Korrekturen an Ort und Stelle vornehmen zu können – der geneigte Leser kann sich denken, dass Choe mal wieder ausgiebig am Honigtopf der künstlerischen Freiheit genascht hat. Deshalb werde ich das gegebenenfalls richtig stellen…)

An einem Freitag im September hatten wir uns zu einer Wohnungsbesichtigung in Wedding verabredet. Da Mayas Heim auf dem Weg lag, wollte ich sie eigentlich persönlich abholen. Ich rief an und erwischte sie Eis schlotzend. Sie war noch nicht heimgekehrt, da ihr die H&M Trend Kollektion Kopfzerbrechen bereitete. Sie hatte ein Kleid gekauft, war sich aber noch nicht ganz sicher, ob sie es behalten solle oder nicht. Wir verabredeten uns also doch für vor dem Mietobjekt. Aber der Zufall wollte es, dass wir im selben Waggon in der U6 einstiegen. Maya zeigte mir ihren Einkauf noch im Untergrund. Die Wohnung war uns zu teuer und wir gingen zurück zu Maya auf ne Flasche Sekt. Bis zur Vernissage war ja noch Zeit…

Maya zog ihr schwarz weiß gepunktetes Plisseekleid an und musterte sich im Spiegel.

Maya zufrieden: „Nein doch. Das ist ein guter Kauf. Ich behalte das Kleid. Jetzt ziehe ich noch meine Lederjacke und meine Biker-Boots dazu an. PUNK!“ (Grunge!)

Chloe: „Hello Gwen Stefani & Don’t speak!“

Maya grinsend: „Gell. Das ganze kann man aber auch damenhaft kombinieren. Ein tolles Kleid!“

Chloe nickte und widmete sich ihrem Smartphone während sich Maya weiter dem Spiegel widmete.

Maya erleichtert: „Hach, dann ist das Thema Pünktchen für die Saison auch abgehakt!“

Chloe entsetzt: „Du Fashion-Victim!“

Maya: „Was ist denn daran schlimm? Wir haben schon als Kinder von unserem Vater die TextilWirtschaft-Trendkarte in die Hand gedrückt bekommen und durften unsere Garderobenwünsche pro Saison demnach aufstellen. Es ist eine (hohe Kunst) Routine in unserer Familie das im Voraus ordentlich auszuwählen und zusammenzustellen! Ich bin nun mal trainiert.“

Chloe fehlen die Worte: „Einkaufen nach Trendkarten im zarten Alter von sechs Jahren? Ist klar. Das Thema Pünktchen ist durch. Ist klar.“

Maya, das ewige Mädchen, und Chloe, der Vamp, machen sich auf den Weg zu Ninos Ausstellungseröffnung…

Letzten Samstag waren wir in der Modestadt Düsseldorf unterwegs. Unsere unglaublich tolle Gastgeberin hatte uns auf Kosten des Soapstars Ansgar von Lahnstein (ihre Freundin kannte den Schauspieler) VIP-Karten für die anscheinend legendäre „Candy Shop“ Partyreihe besorgt. Ob Schickeriapublikum und Großraumdiskoatmosphäre schaltete Maya sofort auf den Maniac-Modus um. Was für ein Spaß für mich. Ich liebe es, wenn Maya wütet…

Maya nahm vom Türsteher die Stempelkarte entgegen: „Stempelkarte? Wie süß. Das habe ich zum letzten Mal in den 90ern auf den Fildern gesehen!“

Tja, wer hätte gedacht, dass die 90er das Leitmotiv des Abends sein wird!

Beim Anblick des Saxophonisten auf der Bühne, der zum DJ blies, bestellte sich Maya sofort einen Gin.

Maya angewidert: „Saxophon? Das ist doch (Muschi-House) <diesen lustigen Ausdruck verdanken wir erst Charlys Kommentar zum Abend>! Voll 90er.“

Um uns herum füllte sich der Raum mit Hofmannsthals Neo-Elektras: Botox-Gesichter, blondierte Haare, gerichtete Nasen, pralles Silikon – so viel Künstlichkeit auf einem Fleck hatten wir bis dahin noch nie gesehen. Die Frauen tanzten in High-Heels, auf denen sie unmöglich laufen konnten. Deshalb rammte mir die Tussi vor mir auch prompt ihren Mörderabsatz in den Fuß. Für mich war der Abend gelaufen…

Maya gab sich zu Ehren unserer reizenden Gastgeberin außerordentliche Mühe und soff sich die Party schön. Es wollte Ihr jedoch einfach nicht gelingen. Musik kann man sich nicht schön hören…

Maya manisch: „Die spinnen doch! Um uns herum sind alle zehn Jahre jünger und die Musik ist zwanzig Jahre älter. Was ist hier los? Die tun ja quasi so, als wären im dritten Jahrzehnt – Jahrtausend habe ich eigentlich gesagt – keine Platten aufgenommen worden! Nur Oldies. Sind wir denn schon tot? Musik-Ignoranten! Ich brauch noch einen Drink.“

Eine leicht bekleidete Blondine lief mit einem voll Süßigkeiten beladenen Bauchladen durch den Club. Aha, Konzepttreue… Chloe mampfte daraufhin kiloweise Mäusespeck gegen den Partyfrust. Die Männer um sie herum sahen alle wie Schnösel aus schlagenden Verbindungen aus: Manschettenknöpfe, Einstecktuch und gebleachte Zähne. Maya kam Karies trotzend mit einem Lolly aus der Toilette zurück. Ein alternder Fotograf wollte sie daraufhin andauernd beim Schlotzen fotografieren. Maya wich aus.

Maya naserümpfend zu Chloe: „Hier sehen alle so schlecht aus. Aber dafür riechen sie gut. Tja, hier steckt halt Geld!“ Dazu machte sie die klassische Geldscheingeste indem sie Zeigefinger und Daumen aneinander rieb.

Chloe nickte gleichgültig: „Ich muss auf Toilette.“

Maya: „Ich komm mit.“

Der Toilettenmann schrie uns an und drückte mich an die Wand. Ungelogen! Das war der reinste Schlangen-Ansteh-Nazi. Während wir in der Schlange anstanden wütete Maya weiter.

Maya an der Wand anlehnend. Sie verzog ihr Gesicht und wackelte mit dem Kopf. Ihr fehlte nur noch der Stock mit dem die alte Tante auf das Objekt zeigen könnte: „Das geht einfach nicht! Die Frauen tragen hier alle Leggins ohne was drüber! Man sieht die Arschbacken <tatsächlich nahm Chloe das A-Wort in den Mund – nicht ich, sowas habe ich gar nicht im Wortschatz>.“

In dem Moment trat eine Vertreterin der Leggins-offene-Pobacken-Garde aus der Toilette zum Waschbecken.

Maya zu Chloe: „Siehst Du! Das meine ich. Das geht einfach nicht.“

Chloe flüsternd ob der riesigen Frau, die Maya gerade beleidigt hatte: „Pssst. Die hört Dich.“

Maya noch lauter: „Die soll das ja hören! Sonst bringt das ja nix.“

Chloe ermahnend: „Nicht, dass die Dich jetzt schlägt!“

Maya aufmüpfig: „Dieses Veilchen würde ich mit STOLZ tragen! Das muss doch mal gesagt werden, wie unmöglich das aussieht.“

Die große Frau in der Animalprint Leggins (ein Zebramuster, das wirklich alles betonte, was es nicht betonen sollte!) lief schnurstracks auf Maya zu.

Chloe versuchte sich krampfhaft Kampftechniken aus dem Film „Karate Kid“ in Erinnerung zu holen, damit sie ihre kleine Freundin vor dem Monstrum in Strumpfhosen retten konnte. Hm… vielleicht doch einfach dazwischenspringen?

<Liebe Chloe – ich bin wirklich gerührt, dass du mich auf Damentoiletten mit körperlichem Einsatz verteidigen würdest, aber das wird sicher nie nötig sein, das folgende Gespräch zwischen zwei erwachsenen Frauen lief nämlich äußerst sachlich ab>

Da öffnete der Animalprint-Tusse schon ihren Mund: „Meinst Du mich?“

Chloe rutschte das Herz in den Rock.

Maya fashion-patriotisch: „Ja!“

Animalprint-Tusse: „Hast Du was gegen meine Hose?“

Maya: „Ja!“

Animalprint-Tusse: „Ich finde Dein Kleid auch Scheiße.“

Maya im gepunkteten Plisseekleid aus der H&M Trend-Linie: „Dann sind wir uns ja einig.“

Animalprint-Tusse schaute sich selbstverliebt im Spiegel an und strich sich mit der Hand über den Hintern: „Ich finde meine Hose toll. Wir sind halt ganz unterschiedliche Typen.“

Kurz bevor sich Chloe erleichtert in den Rock machte, wurde vor uns eine Toilette frei. Zwei Frauen kamen aus einer Kabine raus.

Maya wieder extrem laut: „Ich lasse Dir den Vortritt, Chloe. Sei froh, dass wir nicht gemeinsam auf Toilette gehen. Wir KOKSEN ja nicht !“

Geläutert vom Publikum resümierte Maya den ganzen Abend über nur noch: „Armer Charly! Ich werde nie wieder über Stuttgart schimpfen. Nie wieder. Was ich hier gesehen habe lässt Stuttgart in einem ganz neuen Licht erstrahlen. Ach, und was bin ich stolz darauf in Berlin zu wohnen!“

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4 Antworten

  1. Ups… der Grunge/Punk-Fehler war ja mal wieder ein echter Chloe (mit „L“ bittesehr, Frau Grammar-Nazi!!) ! Peinlich. Peinlich.

    Und stimmt… wir hatten ja schon am nächsten Tag geklärt, dass „Arsch“ nicht Deinem Wording entspricht. Es rutschte mir einfach mal wieder raus.

    Ich dachte in unserem dritten Jahrzehnt. Aber auf die ganze Menscheit gesehen handelt es sich tatsächlich um das dritte Jahrtausend… haha!

  2. Sorry für das fehlende „L“ – vielleicht brauche ich doch Tippsen-Unterricht. Und natürlich Grunge – es ging ja – rein style-technisch – mehr um Courtney Love als um Gwen, aber schluss damit, sonst wird das doch noch ein Modeblog.

    Sehr schön war auch deine Erklärung für die drastische Wortwahl, du bestandest darauf „Ar… frisst Hose“ sei ein Fachbegriff.

    Das mit dem dritten Jahrzehnt ist allerdings auch ein echter Chloe. Nee nee – so egozentrisch bin ich nicht, dass es mir nur um Musik aus unseren Lebzeiten ginge…

  3. […] wenn die „Muschi durch die Leggins“ drückt? Vielleicht weiß ja Maya, die solche Modesünden sofort bestraft, ne […]

  4. […] nebenbei, denn wie man weiß, bestrafe ich Modesünden gerne sofort: Wenn ich die Bluse mit Sternchenmuster und Puffärmeln sehe,  finde ich es doch ziemlich schade, […]

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