Chloes erstes Mal in „so einem“ Club


Chloe vom See ist doch Erwerbsorientierter als gedacht und gründet nun neben dem SpreeSee-Traumdomizil am Warschauer Strand (O-Ton Tabangan) eine Zweit-WG an der Lech, um den Rubel unter der Woche wieder im süddeutschen Speckgürtel rollen zu lassen. Die Frauenquote in ihrem neuen Team ist bezeichnend: 10:1 ! Da muss Chloe ab und zu entsetzt auf

Achtung, DAME im Raum!

im Hinblick auf eine angemessene Mundhygiene der spät pubertierenden Jungs hinweisen. Heute rief mich erst ein Kollege mit „Püppi, komm!“ zu sich. Natürlich wollen die mich nur aufziehen. Darauf gehe ich nicht ein. Manchmal vergessen die Jungs – die mich inzwischen als „einer von uns“ bezeichnen!!! -, dass ich eben doch nicht ganz eine“r“ von ihnen bin. Neulich saßen wir in der Firmenkantine und die Lästerbrüder zogen über eine Frau nach der anderen her. Die Attraktivität einer ganz speziellen „Schnecke“ wurde lange ausdiskutiert, bis einer resümierte: „Ach, die hat doch auch schon die DREI davor!“ Ich blickte nur entsetzt auf und meinte: „Hallo? Ich auch!“ Daraufhin die Jungs: „Ebend. Deshalb geht von uns keine Gefahr aus! Du bist zu alt!“. So holt mich die Realität ein. Oder wie MoMa es nach meiner Reise in die Heimat maynte: „Du bist halt Brot von gestern. Nicht einmal für Zwangsheiraten kommst Du noch in Frage.“

Die schwäbischen Zoten ertrage ich mit der Aussicht auf das Berliner Kontrastprogramm am Wochenende in der Ur-WG. Obwohl Maya letzten Freitag zur Weihnachtszeit gen Schwaben reiste, flüchtete ich antizyklisch in die Hauptstadt. Die erste Nacht ohne Maya in der WG war jedoch recht traurig. Ab und zu hörte ich ihren Geist „Run with the Boys…balbalbalballablalal“ singen.

Samstag Mittag musste ich sie nach meiner weihnachtlichen Tour durch den Kiez daher erstmal anrufen.

Chloe: „Danke für die Erdnüsse. Ich habe schon die halbe Tüte gefuttert.“

Maya: „Gut so! Entschuldigung, dass ich Dir dreckiges Geschirr hinterlassen habe.“

Chloe: „Macht nix. In der Zweit-WG gibt es eine Spülmaschine. Ich lebe meine Zwangsneurose also gerne weiterhin bei uns in der WG aus. Grund zum Abreagieren haben ich nach den ganzen IT-Management-Gelaber aus der Mittelschicht eh genug.“

Maya: „Und wo geht Ihr heute Abend hin?“

Chloe: „Insomnia.“

Maya: „Kenn ich nicht.“

Chloe wird kurz stutzig. Ein Club, den Maya nicht kennt???

Maya: „Aber das hat nichts zu heißen. Hast Du mal geschaut, wo der ist?“

Chloe: „Nein, ich kam noch nicht dazu. Evita war auch so komisch. Sie meinte, dass ich mir vorher besser keine Fotos von dem Club anschauen sollte. Es kommt im Netz etwas krasser rüber als in echt. Keine Ahnung was sie damit meint. Jedenfalls soll ich unbedingt ein schwarzes Kleid anziehen.“

Maya: „Ein Club mit Dresscode?“

Chloe: „Naja. Wahrscheinlich irgendwas mit 20er Jahren oder so. Klang jedenfalls danach.“

Maya: „Na dann viel Spaß auf der Geburtstagsfeier von Evitas Freund!“

Während Chloe sich umzieht, ruft Evita sie mehrmals an: „Komm doch zu mir und wir fahren dann gemeinsam hin.“ Chloe, für die das ein rechter Umweg gewesen wäre, lehnt ab. Eine Stunde später ruft Evitas Kumpel Armand bei mir an: „Wir sind eh bei Dir in der Gegend, willst Du nicht mit uns ein Taxi teilen?“ Dieser Aktionismus nervt Chloe langsam. Kann sie nicht einfach alleine auf ne Party gehen? Nun gut, bei -17 Grad ist die Aussicht auf ein Taxi doch verlockender, als die U-Bahn. Evitas homosexueller Freund erwartet mich ganz aufgeregt mit einer Freundin auf meiner Straße. Die Freundin namens Wiebke ist auch sichtlich nervös. Was ist denn los???

Wiebke schüchtern: „Warst Du schon mal dort?“

Chloe naiv: „Nö. Aber das mit diesem Dresscode ist doch sichtlich übertrieben. Ich hasse es, wenn mir jemand vorgibt, was ich tragen soll.“

Wiebke sichtlich gestresst: „Ja. Ich musste mir auch erst ein neues Kleid kaufen!“

Armand besänftigend: „Ach, Mädels! Jetzt macht Euch keinen Kopf. Das mit den Klamotten ist nicht so wichtig. Wer will, der kann auch nackt kommen.“

Chloe muss über diesen Sarkasmus sehr lachen.

Chloe unterhält sich nun ganz nett mit Wiebke. Es stellt sich heraus, dass sie Eurythmie-Lehrerin auf einer Waldorfschule ist. Sicher wird das ein angenehmer Abend.

Der Taxi-Fahrer verfährt sich. Statt in Alt-Tempelhof sind wir plötzlich in Alt-Mariendorf. Vor Kälte juckt mein Tanzbein. Daher kann ich es kaum erwarten, nach der Extra-Tour in die warmen Hallen des Insomnia einzudringen. Als der Vorhang von den Türstehern gelüftet wird, bleibt mir jedoch die Luft weg! Im Empfangsbereich fuchtelt alles wild an sich herum.

Armand in seiner Rolle als Führer: „Hier könnt Ihr Euch umziehen!“

Chloe reflexartig: „Ich bin schon fertig angezogen!“

Während sich Wiebke ihrer Strumpfhose und Boots entledigt, habe ich Zeit, mir die Szenerie genauer anzuschauen. Männer und Frauen quetschen sich in Netzstrumpfhosen und Schnürstiefel. Dieses Fetisch-Equipment habe ich zum letzten Mal in Schaufenstern auf der Reeperbahn gesehen… Ein männliches Gerippe im Latexanzug bespritzt mit irgendeinem Mittel aus der Dose seinen Geldbeutel, bevor er diesen in die Latexgesäßtasche steckt. „Welche physikalischen Gesetze gilt es denn hierbei zu überwinden?“, denkt sich Chloe.

Ich schaue Wiebke panisch mit großen Augen an. Auch sie scheint sichtlich aufgeregt, als wir die Treppe hoch in „den Club“ laufen. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Welch Sodom und welch Gomorra erwarten mich heute Abend? Und was für Freunde kenne ich, die mir so etwas antun? Und was sind das für Partner von Freunden, die in so einem Club ernsthaft ihren Geburtstag feiern?!?!

Die Inhaberin begrüßt uns persönlich mit einem Willkommensdrink. Ich nippe sehr misstrauisch an meinen Shot. Wiebke und ich werden sofort gefragt, ob wir zum ersten Mal hier sind. Wir nicken und alle um uns herum scheinen sichtlich erfreut über das Frischfleisch: „Und, wie ist es für Euch? Arg schlimm?“ In dem Moment taucht endlich Evita mit ihrem Geburtstagstoyboy auf.

Evita: „Heeeeey Chloe! Schön, dass Du da bist.“

Toyboy: „Ja. Echt cool, dass Du gekommen bist, ohne dass wir Dir gesagt haben, um was es sich hier handelt. Ich hatte zwar etwas Angst, aber Evita meinte, Du bist so offen und neugierig, das geht schon klar.“

Chloe: „Passt schon.“

Toyboy: „Sogar mein allerbester Freund hat sich geweigert hierher zu kommen.“

Chloe denkt sich: „Nicht ohne Grund!“

Evita: „Komm. Trink mehr Alkohol, dann ist alles gleich nicht mehr so schlimm.“

Chloedie nie einem Tropfen Alkohol abgeneigt ist -: „Ich darf nicht! Ich nehme gerade Antibiotika!“

Armand: „Gut, dann zeigen wir Euch jetzt die Räumlichkeiten.“

Wir werden in einen gefliesten Hinterbereich geführt.

Armand euphorisch: „Ist das nicht toll! Hier kann man danach duschen.“

Chloe will gar nicht wissen wonach…

Armand zeigt nun nach rechts auf den winzigen Pool. So sieht es also aus, wenn man die Welt in eine Nussschale packt. Chloe sieht nur noch nackte Beine.

Chloe wendet den Blick vom Tarantelpool ab: „Ja, wirklich toll. Aber mir ist mehr nach tanzen.“

Wiebke nickt mir zu.

Auf der Tanzfläche versuchen wir gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Chloe, die aufgrund ihrer Erziehung nicht einmal nackt vor Maya in der SpreeSee-WG durch den Flur laufen würde, weiß gar nicht mehr wohin sie den Blick wenden soll. Frauen über vierzig (Alter und Konfektionsgröße eingeschlossen) in Strapsen, dicke Männer ganz nackt (Mir geht ein Licht auf! Bei Armands Kommentar handelte es sich um keinen Scherz!) oder Pärchen in Lederkombi. Und mitten drin eine Slash Imitation mit Hut und Lederhose. Und all diese Männer in Boxershorts und weißen Socken in Lederschuhen. Ein besonders possierliches männliches Wesen läuft mit aufgeknüpften Hemd aus dem eine behaarte Kugel hervorwackelt und im Stringtanga wie ein Jäger durchs Unterhöschen, äh -holz. Klar, dass kein Patrick Petitjean hier anzutreffen ist. Darauf spricht mich Evita auch noch an.

Evita: „Was ist das eigentlich mit diesen Männern mit Bart, die Dir Maya jeden Tag auf Facebook postet?“

Chloe: „Das ist nur EIN Mann und mein Adventskalender.“

Evitas Toyboy legt seinen Arm um mich: „Wirst Du von jemanden belästigt? Wenn ja, ich beschütze Dich!“

Chloe: „Keine Angst, ich bin selber groß!“

Toyboy: „Ich kann nix dagegen tun. Das ist ein Instinkt von mir. Ich beschütze Dich!“

Neben all der körperlichen Realität neben mir schocken mich am meisten die animierten Pornos, die auf eine riesige Leinwand projiziert werden. Ein Plot kurz nacherzählt:

Ein süßes unschuldiges Mädchen läuft traurig auf den Dachboden und kramt aus einem alten Koffer ihr Lieblingskuscheltier hervor. Sie weint und drückt das Trost spendende Objekt an sich. Plötzlich verwandelt sich das Kuscheltier in einen personifizierten Penis mit Gesicht, dessen Hoden laufende Beine sind. Das Mädchen ist ganz verwundert und etwas ängstlich. Der Penis weckt jedoch eine völlig unentdeckte Begierde in ihr. Wagt sich an diverse Orte vor. Und als sie in ihrer Lust alle Hüllen fallen lässt, kriechen plötzlich aus allen Ecken des Zimmers hunderte von kleinen Penismännern auf zwei Hoden hervor und marschieren auf ihr weibliches Guilliver zu, drauf und rein und raus und was weiß ich. Der Titel zu diesem Kunstwerk lautete „Groupies“.

Wiebke irritiert: „Was schaust Du denn andauernd da hoch?“

Chloe: „Diese animierten Pornos sind so krass! Ich habe derartiges noch nie gesehen. Das schockiert mich noch mehr als die Frau dort oben auf der Balustrade, die sich gerade selber einen herunterholt. Oder das Pärchen hinter Dir. Der Kerl geilt sich an den tanzenden Frauen auf und seine bessere Hälfte rubbelt an seinem Glied…“

Wiebke: „Ja, man weiß gar nicht wo man hinschauen soll… und ich kann auch überhaupt nicht nachvollziehen wie diese Szenerie einen anturnen soll. So abgeturnt wie jetzt war ich in meinem ganzen Leben noch nicht.“

Chloe: „Ja. Nicht ein gut aussehender Mensch ist hier unterwegs. Sicher, klar, dass nicht alle Menschen Schönheiten sind und auch diesen Menschen sei eine Sexualität gegönnt, aber muss man sich diese visuelle Vergewaltigung wirklich antun?“

Wiebke: „Stimmt. Den Traumprinzen wird man hier wohl eher nicht treffen.“

Chloe: „Und wenn….“

Wiebke: „… dann will man den nicht wirklich näher kennen lernen, da man immer vermutet, dass er auf diverse Sachen steht, sonst wäre er ja nicht hier!“

Chloe: „Man könnte ja auch wie wir ausversehen hier landen?“

Wiebke: „Stimmt. Und wenn später einer danach fragt wie man sich kennen gelernt hat…..“

Chloe unterbricht: „Ooooh mein Gott! Schau mal, da oben ist ein gynäkologischer Stuhl angebracht und da sitzt gerade eine Frau und da steht gerade ein Mann… NEIN! Schau lieber nicht hin….“

Wiebke: „Sollen wir mal in einen anderen Raum verschwinden?“

Chloe: „Ja!“

Wir laufen in eine Liebesgrotte mit UV-Licht und riesigen Schwanzdekorationen an der Decke rein. Ich setze mich bei dem Gedanken daran, welch behaarter Hintern hier schon geruht haben muss, nur sehr widerwillig auf den roten Kunstlederhocker. Neben den Liebesschaukeln liegen tonnenweise Küchenrollen. Jedoch keine Kondome. Ab und zu verläuft sich ein 50-jähriger, ekliger Mann in unsere Grotte und ist völlig enttäuscht darübr, dass wir beide nicht rummachen und er sich nicht als dritter Mann dazugesellen kann.

Chloe: „Boah. Die sehen alle aus wie spießige Geschäftsmänner aus dem mittleren Management in einem Industriebetrieb oder so.“

Wiebke entsetzt: „Oh mein Gott! Stell Dir mal vor, Du triffst hier Bekannte oder Kollegen?“

Chloe: „Ja, da könnte man sich nur sehr schlecht herausreden. Die Nummer mit ich-bin-nur-ausversehen-hier-gelandet zieht schlecht…“

Wiebke seufzt: „Ach. Es wird immer schlimmer. Ich bin jetzt seit vier Jahren Single in Berlin…“

Chloe: „… und keine Besserung in Sicht!“

Wiebke: „Genau. Entweder nehmen sie Drogen…“

Chloe: „… sind verklärte Künschtler…“

Wiebke: „… oder sie sind schon vergeben.“

Chloe: „… oder glauben nicht an Monogamie. Meine Strategie ist es daher mich wieder auf dem Land umzuorientieren. Ganz im Sinne von ‚Intellektuelle sucht treuen bodenständigen Bauern.’“

Wiebke: „Vielleicht hast Du zu hohe Ansprüche?“

Chloe: „Nein. Eben nicht. Die habe ich schon längst auf Null zurückgeschraubt. Ich finde es schon toll, wenn die Typen duschen!“

Wiebke kann nicht mehr aufhören zu lachen.

Chloe: „Lass uns gehen! Ich halte das hier nicht mehr aus!“

Wiebke: „Das ist total unhöflich. Schließlich wurden wir eingeladen. Wir sollten mindestens noch eine Stunde bleiben.“

Chloe ist verzweifelt. Seit wann geht es hier um Etikette? Aber bevor sie was sagen kann, steht Armand schon wieder vor den beiden Mädels.

Armand: „Los! Wir zeigen Euch die Spielwiese.“

Wir laufen also noch eine weitere Treppe hoch. Der Hetero-Freund von Armand schreit euphorisch: „Ich komme nur mit hoch, wenn ich knuuuuutschen darf.“

Als wir oben angekommen sind, rutscht mein Blick auf einer Live Action aus. Ich sehe zwei fette weiße Oberschenkel. An der Orangenhaut erkenne ich das Geschlecht. Plötzlich schmeißt ein grobschlächtiger wohl beleibter Mann die Frau auf die Knie und setzt dazu an, sie von hinten zu nehmen. Mein Unter-Ich schreit nur: „Chloe, nicht fokussieren. Nicht fokussieren!!!“ Genug ist genug. Auch Wiebke, der der Hetero gerade versucht hat, die Zunge in den Hals zu stecken, hat nun die Schnauze voll.

Mich belastet noch ein ganz anderes Problem. Ich muss auf Toilette. Soll ich das wagen? Mir fällt jedoch ein, dass das ja wohl der sicherste Ort an einem Ort sein sollte, an dem Ficken überall erlaubt ist. Pustekuchen! Kaum schließe ich die Tür hinter mir zu, vernehme ich aus der Kabine neben mir eindeutige Geräusche: Stöhnen, Schlucken, Erleichterung.

Ich bin nun nur noch sauer. Nicht mal auf dem stillen Örtchen hat man seine Ruhe!

Wir gehen. Wiebke hat Hunger. Sie greift beim Rausgehen noch schnell in eine Schale mit Erdnüssen. Chloe fällt beim Anblick des hygienischen Leichtsinns fast in Ohnmacht. Als wir aufs Taxi warten schimpft Armand mit uns noch ne Runde.

Armand belehrend: „Mädels. So kriegt Ihr nie einen Mann! Ihr seid viel zu verklemmt. Ihr müsst mutiger werden! Rangehen, rangehen, rangehen!“

Chloe: „Halloooo? Hast Du da drin was gesehen, dass es würdig gewesen wäre, angesprochen zu werden?!?!“

Armand: „Da muss ich Dir Recht geben. Die Ausbeute war heute nicht so gut.“

Da Wiebke und ich inzwischen richtig hungrig sind, bitte ich den Taxifahrer darum, uns am Schlesischen Tor rauszuschmeißen. Wir ziehen uns zu Zweit einen Dönerteller rein. Essen ist immer eine feine Sache. Nach fünf Minuten Schweigen blicken wir beide gleichzeitig auf und sagen: „Wenn unsere Eltern wüssten wo wir heute Abend waren!“ Tja, Extremsituationen schweißen die besten Freundschaften zusammen. Wir verabreden uns noch zum Feiern am Zweiten Weihnachtsfeiertag. Wiebke muss für Montag ihren Schulunterricht vorbereiten und bricht den Abend ab. Ich zische hingegen auf nen Sprung in den Magnet ab.

Ich will einfach nicht, dass mein letzter Eindruck des Abends kopulierende Paare sein sollen. Dann doch lieber der Anblick süßer Indie Boys. Wie unschuldig die Szenerie der kleinen Hipsters auf mich wirkt. Und dann sehe ich den süßesten DJ der Welt auflegen. Ich setze mich einfach auf einen Stuhl, genieße die Musik und erfreue mich am Anblick des angezogenen DJs. Aber auch der Aufenthalt im Magnet ist eine neue Lektion für mich:

1. Liebe Chloe, gehe nie nach fünf Uhr als Frau alleine in den Magnet: Restefickenalarm!

2. Liebe Chloe, jetzt ist mir klar, warum ich sonst nie angesprochen werde. Mit meinem Kreiseltanz verschrecke ich alle Männer! Sie haben keine Chance, mich aufgrund der fuchtelnden Bewegungen anzusprchen.

Sitzend in der Ecke übe ich hingegen eine unglaubliche Anziehungskraft auf Nerds aus. Nach nur drei Minuten ist mein rechter, rechter Platz schon nicht mehr leer.

Typ: „Warum sitzt Du denn hier so alleine?“

Chloe: „Weil ich alleine hier bin.“

Typ: „Ich auch. Warum Du?“

Chloe: „Weil ich die Musik mag und die anderen nicht mehr mitwollten.“

Typ: „Bei mir wollte auch keiner mehr mit. Wir sitzen also im selben Boot.“

Chloe schaut sich das breite Quadrat mit Bierfahne neben sich an. Wie kann der Kerl nur ernsthaft davon ausgehen, dass wir irgendwelche Gemeinsamkeiten haben???

Typ: „Ich komme aus Bayern.“

Chloe: „Kenn ich.“

Typ: „Ich gehe jetzt tanzen.“

Chloe: „Tu, was Du nicht lassen kannst.“

Chloe himmelt den DJ aus sicherer Distanz weiter an. Doch nach nur zwei Minuten ist mein rechter, rechter Platz nicht mehr leer.

Zwerg: „You aaalooooone!“

Chloe: „I like being alone.“

Zwerg: „Are you from Berlin?“

Chloe: „Yes.“

Zwerg: „I am Costas from Greece. You from Berlin. You not dancing!“

Chloe: „I just want to enjoy the Music!“

Zwerg: „You like?“

Chloe steht auf und geht tanzen, um den Kerl abzuwimmeln. Großer Fehler! Costas wackelt Chloe hinterher. Chloe übt sich in ihrem autistischen Tanzstil und ignoriert den einen Kopf kleineren Griechen. Plötzlich versucht sich Costas anzunähern.

Costas fällt meine Kette auf und er schüttelt entsetzt den Kopf: „Do you reeeeelly like this?“

Ich bin richtig sauer über sein Fashionstatement. Ich liebe meinen Eulenanhänger!

Costas erdreistet sich gar und fasst meine Eule an: „Ah. It is an OWL. You know what they say in my land? They say owl has wisdom!“

Chloe platzt der Kragen: „I am leaving now!“

Costas wird nun erst richtig aufdringlich und packt mich an meinen Arm und zerrt mich Richtung Bar: „Noo! Nooo! You are not going. I give you a drink!“

Chloe: „Bye!“

Costas schiebt mich nun mit vollem Körpereinsatz gen Bar: „No. Drink!“

Ich werde nun richtig sauer und schreie ihn an: „Stop it! I am leaving.“

Ich schaffe es auch und gehe. Was für ein Abend…. war ich froh in den schönen Wänden der WG zu landen. Seit Indien beherrsche ich die wahnsinnige Technologie der selektiven Amnesie, damit mein Unbewusstsein bzw. nachträglich meine Träume nicht unnötig mit schlechten Erinnerungen belastet werden. Als ich in der S-Bahn zur Mitfahrgelegenheit gen Lech saß, flackerte mittags jedoch kurz ein Rückblick auf. Ich schrieb daraufhin endlich Maya eine SMS.

Was für eine Nummer gestern! Wie krieg ich bloß diese Bilder aus meinem Kopf! In Zukunft google ich lieber wieder alles im Voraus.

Innerhalb von einer Minute rief Maya, die inzwischen aus Neugier schnell im Netz recherchiert hatte, auch schon brüllend vor Lachen an: „Die haben Dich doch nicht ernsthaft in einen Swinger Club geschleppt?“

Chloe: „Doch!“

Maya liest mir nochmals schadensfroh den Claim von Insomnia vor: „Insomnia Club – Der Pärchenclub (Swingerclub) für Liebhaber des Fetisch, des Bizarren und des Besonderen. – CHLOE ! Dass auch immer DIR so etwas passiert! Unfassbar.“

Chloe: „Ja, ich finde es auch wahnsinnig unverschämt mich da eiskalt unvorbereitet zu so ner Sache mitzunehmen. Ich schlepp ja auch keinen Freund mit Höhenangst zu nem Klettersteig! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Ich kenn jetzt nicht reden!“

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