Das Jahrzehnt ist jung – die Dekadenz schreitet voran


Du musst ihn ab und zu gießen!

Mit diesen Worten –  sehr ernst und langsam gesprochen, als wollte sie mir eine komplizierte mathematische Formel eintrichtern – übergab mir Chloe kurz nach unserem Einzug einen Ficus Benjamini in Pflege, der nicht mehr in ihr Zimmer passte.

Hallo – Ich weiß schon, dass Pflanzen Wasser brauchen!

entgegnete ich lachend. Zwar bin ich für maynen Mangel an Enthusiasmus was Zimmerpflanzen angeht bekannt, dass mir aber die Grundbegriffe an Botanik fehlen sollten, wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Also schwor ich mir insgeheim, es besser zu machen als als Teenager. Mayn Bruder und ich bekamen damals regelmäßig Ärger von den Eltern, da wir offensichtlich keinerlei Einfühlungsvermögen und Gespür für den Durst des Gestrüpps im Hause hatten.

Wie konntet ihr das nur ignorieren – die lässt doch alles hängen!!!

Hieß es damals recht häufig. Ehrgeizig hege und pflege ich nun also das Bäumchen und tatsächlich wirkt es immernoch einigermaßen gesund, ich würde fast behaupten, dass es besser aussieht als beim Einzug:

Mayas ganzer Stolz - der Ficus, der es mit mir aushält!

Mayas ganzer Stolz - der Ficus, der es mit mir aushält!

Während ich über die Feiertage durchs Schneechaos in den Süden der Republik flog, um dort den Familienstammbaum zu pflegen und seinen neuesten Trieb zu begutachten, überließ ich das SpreeSee-Domizil samt seiner Pflanzenwelt der Teilzeit-Mitbewohnerin. Natürlich war ich nicht gegangen ohne Chloe vorzuwarnen, der Weihnachtsstern, den sie gekauft hatte, hat mayne Obhut weniger gut überstanden. Das tat mir sehr Leid, schließlich war es das einzige Stück saisonalen Flitters, das ich der im kargen bayram-dekorationsfreien muselmanischen Haushalt aufgewachsenen Chloe erlaubt hatte, sie verspürte einen viel größeren Nachholbedarf. Aber die unglaubliche Geschwindigkeit, in der die Pflanze ihr Leben ließ, kann unmöglich allein auf mayne Unfähigkeit zurückzuführen sein. Das war eine wahrhaftige Blume des Bösen. Stündlich purzelten die Blätter. Was für ein jämmerliches Bild! Selbst ein Standortwechsel – weg vom zugigen  Küchenfenster, hinein ins wärmste Zimmer des Domizils – konnte den Verfall nicht aufhalten. Chloe – die nach eigenen Angaben Pflanzen liebt – scheint diese beim ersten Anblick verloren gegeben zu haben, denn bei mayner Rückkehr fand ich sie so vor:

Das jähe Ende des Weihnachtssterns - Tod durch Verwelken binnen kürzester Zeit!

Das jähe Ende des Weihnachtssterns - Tod durch Verwelken binnen kürzester Zeit!

Ein Mahnmal! So schnell kann es gehen. Allerdings stellte ich schnell fest, dass nicht nur der im Januar ohnehin obsolete Weihnachtsstern hinüber war, die gesamte Wohnung schien vom Verfall heimgesucht worden zu sein: Die Halterung des Duschkopfs war aus der Wand gerissen und im Südflügel klaffte gar ein Loch im Fenster:

 

Angriff auf die SpreeSee Behausung - oder Vorzeichen für Schlimmeres?

Doch das größte Chaos herrschte im Innenhof vor. Schnell überlegte ich noch, ob er kurzfristig in eine Kunst-Ausstellungsfläche umgewidmet worden war.

 

Müllexplosion in Friedrichshain

Nein – das war keine Installation als Kritik an der Dekadenz der modernen Wegwerfgesellschaft, das war einfach eine zerstörte Mülltonne.

WAS IST HIER LOS???

Um mich herum Chaos, Zerstörung und Verfall – sind das etwa die ersten Vorzeichen auf das im nächsten Jahr mal wieder erwartete Ende der Welt?

Oder ist es einfach – jetzt da mayn Heimweg von Bahnhof und Flughafen keinen Kontakt zu mich anschnauzenden Busfahrern mehr enthält – der morbide Charme Berlins, der mir zuraunt

Willkommen zu Hause

 

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Eine Antwort

  1. Liebe Maya,
    und wer hat während Deiner zweiwöchigen Abwesenheit gegossen, bitteschön??? Moi! An den Weihnachtsstern habe aber nicht einmal ich mich mehr rangetraut… Ansteckungsgefahr!
    Danke auch nochmals für die Aufnahme der Tonne bei Tag. Ich amüsiere mich köstlich… Was wohl mit meinem Rad passiert ist?
    Freu mich darauf, dass wir ab Mittwoch nach einem ganzen Monat (sic!) mal wieder GEMEINSAM in der Wohnung sind 😉
    Ade von der Lech
    Chloe

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