One Weekend @Casa SpreeSee


Im letzten halben Jahr haben die SpreeSee-Damen in ihrer WG einige lustige Traditionen eingeführt. Freitag abends steht Chloe beispielsweise vor der Haustür und versucht erfolglos die Tür aufzuschließen, da Mayas Schlüsselbund von innen im Schlüsselloch steckt. Entweder chlopft Chloe, chlingelt Sturm oder ruft im Extremfall auf dem Handy an, damit Maya ihr die Tür öffnet.

Was dann folgt ist für Unbeteiligte sicherlich die reinste Qual:

Schräge Mitbringsel aus der Puppenkiste werden ausgepackt und Nahrungsmittel aus den Südstaaten (auch gerne mal ein Stück frisches Rinderfilet oder ein leckerer Scheiterhaufen) verkostet. Bacchus – eine Flasche Wein vom Feinkost-Aldi-Süd – begleitet als treuer Freund das Gequietsche und Gelächter, wenn sich die Fernbeziehungsmitbewohnerinnen gegenseitig ihre Werktagsgeschichten ohne Luft zu holen an einem Stück runtererzählen. Zwischendrin legt Maya die neueste Mucke auf und hüpft aufgeregt von einem Bein auf das nächste: „Chloe! Mach Deine Post auf. Ich bin soooo neugierig was in den Umschlägen steckt.“ Also öffne ich alle drei Hochzeitseinladungen und unsere Köpfe hängen über den Karten, als würde gerade ein Pitch stattfinden. Welche Agentur – äh, welches Liebespaar – wird das Rennen um die schönste Hochzeitseinladung gewinnen? …

Manchmal ziehen wir in diesem angeheizten Zustand direkt um die Häuser. Letztes Wochenende mussten wir nicht einmal das eigene Haus verlassen, um auf unsere Kosten zu kommen. Wie von Maya angekündigt, feierte die WG unter uns ihre House Warming Party. Als alle Tango- und Männergeschichten vorerst auserzählt waren, gingen wir beide mit einer Flasche Prosecco bewaffnet mutig Down Under. Eine Horde Zwanzigjähriger tanzte zu –O-Ton Hauptmieterin – „Retro-Musik“ (also Hits aus Mayas und mayner Jugend!!!). Die blutjungen Mädels waren restlos darüber begeistert, dass sich doch noch „echte“ Nachbarn zu ihrer Party gesellt hatten. In der Tat war – was Chloe sofort am grauen Haar erkannte – noch ein anderer Nachbar über Dreißig da. Auch dieser Nachbar war frisch eingezogen und lud uns sofort zu seiner Einweihungsparty ein, die am nächsten Tag stattfinden sollte, Wir wanderten zu Dritt von einem Balkon auf den nächsten (zweiter, dritter und vierter Stock), um die unterschiedlichen Aussichten auf die Warschauer Brücke zu vergleichen. Lustigerweise teilten wir unabhängig voneinander auch die gleichen Ansichten:

1. Für das Katerfrühstück am Sonntag brauchen wir definitiv einen Flaschenzug mit einem Weidekorb zu unserem Café unter uns.

2. Die Hunde müssen weg! Und die Frau, die ihre drei bellenden Nervensägen alleine in ihrer Wohnung einschließt, sollte dringend angezeigt werden. Chloes Vorschlag mit der vergifteten Wurstscheibe kam nicht so gut an…

Den Samstag Morgen läuten wir ebenfalls mit diversen Routinen ein. Chloe geht als erste duschen und Maya chocht in ihrem orangefarbenen Bademantel Chaffee. Im Bad läuft Motor FM, in der Küche dröhnt Radio Eins, in Chloes Zimmer hängt mit FM4 Wiener Schmäh in der Luft und in Mayas Zimmer ist Mayas bunte Playlist am Start… Ich nenne das die hochakustische „4-Wege-Beschallung“. Musikalisch beschwingt zeigen wir uns gegenseitig die neuesten Shoppingtrophäen. Hat eine von uns beiden wieder ein Schnäppchen bei Buy VIP ergattert, stürzen wir uns auf die trashigen Gratis-Beilagen (in der Regel das loweste vom lowesten der Frauenmagazine).

So sitzen die beiden Tanten am Küchentisch und tauschen den neuesten Tratsch aus der Welt der Prominenten aus. Scheiß Klischees… Maya blättert eine Seite nach der anderen um und regt sich wirklich empört – dabei rutscht ihr die Brille von der Nase – über „Chloe! Jetzt heiratet Christian Ulmen auch noch diese Colin!!!! Ich kann es nicht fassen. Ich fand den mal cool!“ auf. Toll sind auch prominente Mütter, die das mit der Kindererziehung nicht so im Griff haben.

Das würden wir natürlich niemals tun...

Gummi-Penise für vierjährige Naschkatzen… wer hätte gedacht, dass die Gisele-Bündchen-benutzt-Plastiktüten-Affäre noch getoppt werden kann!

Generell lesen wir uns gerne gegenseitig etwas vor. Spannend höre ich beispielsweise Maya zu, wenn sie die „Großen Fragen der Liebe“-Kolumne des Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer aus dem ZEIT Magazin andächtig vorträgt. Zwischen Ton, Text und Tapete schielen wir selbstverständlich nebenbei auf unser Endgerät zum Rest der Welt: Das iPhone. Während wir quatschen, posten wir. Während wir zuhören, schauen wir die neusten Videos der Hawaiianischen Nichte an. Ein Irrenhaus.

Maya stöhnte neulich darüber, dass sie oft nicht mehr weiß, was sie unter welchem Pseudonym verwerten und auf welchem Kanal (Blog, Facebook, Twitter etc.) veröffentlichen soll. Chloe ist neulich gar ein ganz peinlicher Fehler unterlaufen… Ich saß mal wieder übernächtigt im Zug und warf einen Blick auf meine Facebook News. Eine von MoMas Karikaturen gefiel mit derart, dass ich spontan „Großartig, Moma!“ kommentierte. Prompt schrieb MoMa eine Mail an seine Administratorin – also mich:

Liebe Chloe, hast Du mein „Selbstlob“ bei der Pyramidenzeichnung eingefügt, oder kann das auch ein Externer? Von mir ist es nicht, und ich würde es gerne wieder weghaben.

Ich war in der Tat als MoMa eingeloggt gewesen… Über die Situationskomik „Moma: Großartig, Moma!“ musste ich dennoch schrecklich lachen.

Der Samstag Nachmittag gehört der Kunst, der Mode und Freunden. Abends sind wir mal im Theater, mal bei Geburtstagen oder einfach einen Sprizz mit alten oder neuen Freunden trinken. Zur Ausgehzeit – also nach 2 Uhr nachts – geht es in die bekannten Indie Schuppen. Der Magnet ist in letzter Zeit ob der räumlichen Nähe zur Casa SpreeSee ein oft besuchter „Lass-uns-tanzen“-Absacker geworden. Auch hier schleichen sich also diverse Routinen ein. Eine genauere Analyse der Stunden zwischen 4 Uhr bis 11 Uhr morgens unterlasse ich aber an dieser Stelle.

Die Frühlingswärme erlaubt es uns seit ein paar Wochen, den Reparatur-Sonntag am Balkon als neue Institution für die Damen zu etablieren. Erledigt sitzen wir im Schutz unserer verdunkelten Brillenscheiben und erzählen uns gegenseitig was wir die letzten paar Stunden ohne die andere um sich herum erlebt haben. Die Zeit vergeht wie im Fluge…

Auch das ist leider inzwischen Routine. Chloe packt hektisch den Koffer und rennt beim Rauslaufen sämtliche Gegenstände im Flur um.

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4 Antworten

  1. Haha – wie ich sehe, funktioniert der Stick!. Gut, dass du geschrieben hast, so konnte ich eben schnell noch den Schlüssel abziehen…Routinen schleifen sich eben leicht ein, sind aber nur schwer wieder loszuwerden. Der Bindestrich-Mann heißt außerdem Heidegger, mayn ich…aber was soll’s, Habermas passt eh immer.

  2. Liebe SpreeSee-Damen, der Lenz hat es endlich nach Kanada geschafft und ich kann auch auf dem Balkon frühstücken. Ein wunderschönes Wochenende und viele Grüße

  3. Liebe Wahlkanadierin – es sei dir von Herzen gegönnt, auch wenn der Frühling hier gerade ganz gewaltig Pause macht…Viele Grüße zurück!

  4. […] man auf den Retro-Tunes der Damen aus dem 2. Stock hängen. Musikalisch ist das nicht die Beletage, das durften Chloe und ich schon bei der Einweihungsparty feststellen. Dass Ausgehen vielleicht die bessere Alternative wäre, hätte uns schon am Vormittag auf dem […]

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