One Night Facebook Friend?


Ich gebe ja gerne Tipps für den besseren Umgang mit Facebook. Heimse mir dafür aber auch manchmal eine schöne Tracht Prügel ein. Nach meinem Ratschlag wie man am besten mit Ex-Freunden auf Facebook verfahren sollte, fuhr mich ein Freund ganz schön von der Seite aus an. Seine Ex-Freundin (ebenfalls eine SpreeSee-Leserin) hätte ihn sofort nach dem Erscheinen meines Blog-Eintrags auf Facebook blockiert. Meine Lektüre hätte sie somit dazu animiert! Über diese enttäuschte Reaktion war ich sehr schockiert. Mein Bruder versuchte mich zu beruhigen: „Chloe! Das ist doch eine große Ehre für Dich. Du schreibst und argumentierst so gut, dass Deine Leser Deinen Tipps sofort folgen. Dafür kannst Du nix! Hör bloß nicht auf zu bloggen.“

Also schreibt die Digitale Boheme weiter… Heute möchte ich kurz über ein neues Problemfeld in der virtuellen Welt schreiben: Den One Night Stand.

Die Geschichte der „Kann ich Deine Nummer haben“-Nummer

90er – „Fest“ war für alle da.

Zu Chloes und Mayas Teenagerzeiten gab man seinen One Night Stands ungern die Telefonnummer raus. War doch die Gefahr bzw. Peinlichkeit zu groß, dass die Eltern vor einem ans Festnetz hetzten. Verliebte Halbstarke schickten daher, sofern ich eine Anschrift rauszückte, gerne mal einen Brief an Chloe. Unermüdlichen Verehren blieb nur die Möglichkeit übrig, das gesamte Telefonbuch nach meinem Nachnamen abzutelefonieren.

In meiner Ur-WG während der Schwabenlehrjahre – als DSL und mehrere Festnetznummern noch in den Kinderglasfasern steckten – machten sich meine Mitbewohner einen Spaß daraus, Post-Its mit den Namen der männlichen Verehrer inkl. Strichliste mit der Häufigkeit der Anrufe (sic!) an meine Tür zu kleben. Nach einem Wochenende Abwesenheit konnte sich da einiges ansammeln und ich musste das blöde Grinsen der Eltern meiner Mitbewohner ertragen, wenn sie sonntags zu Kaffee und Kuchen ihre Sprösslinge und meine Zettelwirtschaft begutachteten.

Schlimmer als die Zettel waren Nachrichten auf dem Anrufbeantworter im Flur. Waren meine Mitbewohner zu lahm und sprang dieser in meiner Abwesenheit an, konnte sich die ganze WG an stammelnden Botschaften der verschossenen Romeos ergötzen.

00er – „Mobil“ hieß privat.

In unseren Zwanzigern war das mobile Telefon dann flächendeckend verbreitet. Mein erstes Handy – ich war aus ideologischen Gründen eine der letzten im Freundeskreis ohne – bekam ich sogar von einem Mann geschenkt: meinem Bruder.

Da frau ab sofort nur noch selber mit den Kontaktaufnahmen der Männer konfrontiert war, sank die Hemmschwelle rapide und man rückte plötzlich sehr viel bereitwilliger seine Nummer raus. Regte sich aber auch nach der nocturnen Techtelmechtelei über doofe SMS am Mittag mit dem Inhalt „Alles klar bei Dir, Kleine?“ auf. Jedenfalls wichen die Post-Its der Anzeige meiner entgangenen Anrufe auf dem Display… Was intim war blieb intim.

10er – „Web 2.0“ ist überall!

Heute lautet die Frage am ernüchternden Morgen danach nicht mehr „Gibst Du mir Deine Nummer?“, sondern „Bist Du auf Facebook?“ Und damit fängt der Schlamassel erst richtig an… Chloes Analyse anbei.

+++ Der Facebook-Nachrichtenstrom ist Deine WG-Tür! +++

„Martin vom Meer ist jetzt mit Frida vom Fluss befreundet.“ Der Mensch ist neugierig. Wer spekuliert bei solchen Neuigkeiten nicht sofort, woher der Genosse aus der gleichen Generation plötzlich diese neue blutjunge Frau kennt? Vor allem, wenn jeden Sonntag Mittag ein hübsche Blondine mehr dazukommt?

Chloes Tipp: Bumpt Euch nicht gleich vor Ort und im betrunkenen Zustand nach der Hormonentladung mit dem Smartphones an! Freundschaftsanfragen können auch ruhig unter der Woche angenommen werden. Wirkt weniger verdächtig.

+++ „Gefällt mir“ ist Dein Post-it! – Deine Pinnwand ist Dein Anrufbeantworter! +++

Bei meiner Single-Freundin aus Hamburg taucht plötzlich ein Mann aus dem Nichts auf, der zu jedem Link und Foto plötzlich seine Daumen hochhält. Morgens um 8 Uhr postet er ihr peinliche Gute-Laune-Lieder von Pur. Als Zuschauer bzw. Freundin weiß man nicht, ob man beschämt oder besorgt sein soll. Das Profilfoto verrät nur eines: Meine Freundin muss sich den ordentlich schön gesoffen haben…

Chloes Tipp: Ihr seid Eurer eigener Admin auf Facebook. Gewährt den Männern doch nicht immer gleich von Anfang an alle Schreib- und Leserechte! Sie sollen sich ruhig durch die A-B-C-Freundeslisten http://spreesee.com/2009/07/08/facebook-gebrauchsanleitung/ hocharbeiten dürfen!

+++ Anstupser sind erbärmlich +++

Du hast Dich trotz Facebook-Kontaktaufnahme nie wieder bei Deinem One Night Stand gemeldet. Du hast Dich nur prophylaktisch mit ihm befreundet, damit bei einem Fauxpas (das stellt sich ja meist nur nachträglich heraus) der Vater Deines Kindes einen Namen hat. Der Mann, dem Du niemals Deine Nummer rausgerückt hättest, ist C-Freund. Ihm bleibt lediglich eine Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen: er stupst Dich an!

Ganz unverfänglich, er hat nichts zu verlieren. Für eine persönliche Nachricht ist er zu feige, sein Ego zu schwach. Wenn Du jetzt zurückstupst, sieht er es natürlich als Zeichen dafür an, dass Du doch mehr Interesse an ihm hast und leitet die Eskalationsstufe II ein: Eine Nachricht.

Chloes Tipp: Lass das zurückstupsen sein!

+++ Der Chat ist die offene Haustür zu Dir! +++

Wenn Du im Chat online bist, kann Dich plötzlich Gott und die Welt anschreiben. Wer für einen Anruf zu schüchtern, der versteckt sich gerne hinter getippten Wortwechseln. Einer Ex-Mitbewohnerin von mir, einer sehr erfolgreichen Chefärztin Ende 30ig, ist neulich etwas Unfassbares passiert. Sie chattete gerade mit ihrer Cousine in Australien, als sie plötzlich ihr Toy Boy-One Night Stand von vor zwei Monaten anchattete. Der Junge war ein reisender Erasmus-Student Anfang Zwanzig und nach der besagten Nacht in ihrer Penthouse Wohnung in Frankfurt direkt zurück an den Campus geflogen. Im Chat fing er plötzlich an schrecklich auf die Mitleidstube zu drücken. Zu Hause in seiner Heimat hätte er ja zumindest das Mensa-Essen umsonst bekommen. Das teure Studium an der Gastuniversität im kalten Skandinavien zehrt an ihm. Ob sie denn wisse, wie das sei, eine Woche lang nichts zu essen? Aus Geldnot hungern zu müssen? Und aufgrund seiner schlechten Sprachkenntnisse findet er nirgends einen Job. Meine Freundin schmunzelte noch und schlug ihm vor, dass er als Grieche doch einfach in einem Griechischen Restaurant anheuern soll. Doch dann ging ihr plötzlich ein Licht auf! Der Kerl hatte neulich gepostet, dass Zeus 600 Euro vom Himmel regnen lasen solle, damit er mit seiner neuen Flamme Ski fahren gehen kann. Depp! Jetzt war ihr alles klar. Dies war kein netter Chat, sondern eine ganz miese Nummer, um Geld bei seiner Mrs. Robinson zu schnorren…

Chloes Tipp: Sei einfach offline!

+++ Facebook ist ein Hort von Missverständnissen +++

Maya maynt, dass sie und Charly zur Zeit „des Facebook“ niemals zusammengekommen wären. Diese ganze Plattform gewährt einem viel zu viel Interpretationsspielraum und Grund für Eifersüchteleien…

Moderne Momente, die eine verschossene Frau auf Facebook stutzig machen könnten:

  • In seinem Fotoalbum ist er des Öfteren mit einem Kleinkind auf dem Arm zu sehen.
  • Jeder zweite Post an seiner Pinnwand stammt von seiner Mutter.
  • Er hat gerade mal zwölf Freunde.
  • Der Angebetete sagt eine halbe Stunde vor dem Date per SMS ab, da er eine Lebensmittelvergiftung hat. Du hast aber auf Deiner Facebook iPhone-App gesehen, dass er vor zwei Minuten noch ein Musikvideo mit dem Spruch „Endlich Wochenende“ postete.
  • Unter Zitate steht „Carpe diem“.
  • Die Fotoalben der letzten vier Jahre sind voll mit Bildern seiner Ex-Freundin. Du fängst an, Dich mit ihr zu vergleichen.
  • Er wird von seinen Freunden über Facebook Orte in einem Swinger Club markiert.
  • Auf den Weihnachtsfotos ist auch sein Vater zu sehen. Geheimratsecken sind erblich…
  • Du wartest seit drei Tagen auf eine Antwort auf Deine Mail. Siehst aber, dass er die Muse hat, sämtliche Posts seiner Freunde zu kommentieren.
  • Eine Dir unbekannte Frau kommentiert das neue Profilfoto Deines Dates mit den Worten: „Du bist so süß! Lass uns mal wieder was trinken gehen.“
  • Unter religiöse Ansichten steht „Buddhist“.
  • Bei ihm steht seit ihr Euch kennen gelernt habt als Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“.
  • Seine Freunde posten ihm zum Geburtstag ein Playboy-Bunny und er regiert mit „gefällt mir“.
  • Nach der vermeintlichen Lebensmittelvergiftung triffst Du Dein Date nochmals. Danach schmiedet ihr Pläne fürs nächste Wochenende. Er meldet sich am Samstag wie abgemacht mit einer SMS: „Hey süsse.war proben.und jetzt fahr ick zu meiner oma.ick melde mich wenn ick da wieder los fahre.lg“ Du hörst nach dieser SMS nie wieder etwas von ihm. Cholerisch blockierst Du ihn konsequenterweise auf Facebook. Nach zwei Wochen denkst Du Dir, dass er eventuell gestorben sein könnte. Du entblockierst ihn, um zu sehen, ob im Laufe der Zeit die Anzahl seiner Freunde (mehr Informationen sind für Dich über sein Profil im entfreundeten Zustand nicht zugänglich) steigt. Sie steigt! Er lebt also noch. Arschloch!

Hasst Du diese Situationen? Dann halte Dich an mein letztes Wort:

Ein One Night Stand ist ein One Night Stand. In dem Fall gehört sich eine Facebook-Freundschaft so oder so nicht. Es gibt daher nur eine adäquate Antwort auf die Frage: „Bist Du auf Facebook“ am Morgen danach. Und die lautet:

Ich habe gar kein Facebook!

Lieber lügt man, tauscht bei echtem Interesse Telefonnummern aus und gewährt der Liebe eine wahre Chance fernab von virtuellen Schatten in der Höhle Facebook. Schließlich ist es weitaus angenehmer einen neuen Freund nach drei Monaten auf Facebook zu adden, als einen Stalker nach zwei Wochen zu blocken.

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2 Antworten

  1. Das letzte geht aber nur, wenn er den echten Namen nicht weiß…. selbst, wenn man sich unauffindbar gemacht hat, wird man noch gefunden über drei andere Ecken. Auch bescheuerte Ex-Freunde finden das irgendwas raus. All das kann einen schonmal dazu treiben, sich unter falschem Namen neu anzumelden… 😉

  2. Wird man da nicht auch irgendwann wieder gefunden? Das ist doch die Natur vom Netzwerk
    …dann bleibt einem aber immer noch, Anträge und Kontaktaufnahmen mutig zu ignorieren und unerwünschte Personen zu blockieren.

    Wie so oft bei diesen Ausführungen bin ich froh, dass ich aus dem ganzen Single-Spiel raus bin.
    Dass wir auch unter dem großen Facebook-Schatten zusammengekommen wären, habe ich übrigens nicht bezweifelt. Die Schwierigkeit liegt ja – wie ich stets gerne wiederhole – sowieso im Zusammenbleiben. Solo ausgelebte Sturm-und-Drang-Zeiten des Partners sind angesichts von Beweisfotos und den blöden Kommentaren von Komplizen sicher schwerer zu ertragen, das habe ich gemaynt.

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