SpreeSee, die „Mum“ aller WGs


Neulich postete mir Maya folgende Frage auf Facebook:

Haben wir ne Zensus-Interview-Ankündigung bekommen, von der ich nichts weiß?

Ich antwortete unwissend

Hatte der Onkel an der Tür Schokolade dabei? Bloß nix von fremden Menschen annehmen!

Als ich Freitag vor einer Woche den Koffer unters Bett und die neue Weinflasche ins Regal schmiss, reichte mir Maya, die der alten Zensus-Oma mit den Worten „Halten Sie sich an den Prozess“ die Tür vor der Nase zugeknallt hatte, mit einem reuigen Blick einen Brief rüber. Da war sie doch plötzlich eingetroffen: Die ZENSUS-Einladung zur Volkszählung! Chloe und Maya sind repräsentativ! Unser Leben die Grundlage für Hochrechnungen. Dabei hatten wir erst neulich ordentlich Schabernack mit dem Status unserer „Lebensgemeinschaft“ betrieben…

Als Gastarbeiterin in der Puppenkiste setzte Single-Chloe vor wenigen Wochen der Frühling etwas zu. Damals erwähnte ich bereits, dass sich Nummer Fünf plötzlich unter dem Vorwand der räumlichen Nähe bei mir gemeldet hatte. Ich ignorierte ihn. Aufgrund einer XING-Neuigkeit versuchte er nach drei Wochen einen zweiten Anlauf.

Hallo liebe Chloe,
ich wünsche Dir alles Gute zur Beförderung! Würde mich freuen, wenn man sich mal wieder sehen würde.
LG, Nummer Fünf

Irgendwie fing mich diese Penetranz derart an zu nerven, dass ich mit einer eindeutigen Mail den Kommunikationskanal endgültig versiegeln wollte. Ich antworte wohl überlegt:

Hi Nummer Fünf,
vielen Dank für die Glückwünsche. Maya und ich haben auch ordentlich gefeiert 😉
Da ich zwischen Bayern und Berlin pendle, bleibt leider nicht viel Zeit für Privates. Dir viel Erfolg in München!
Lg
Chloe

Nur wenige Stunden später blinkte es wieder in meinem Posteingang:

Hey Chloe,
das ist sehr schade, dass Dir Dein Beruf so wenig Zeit lässt. Wie geht es Maya, was macht sie denn zurzeit? Falls Du doch mal Zeit haben solltest, hast Du meine Daten ja hier bei xing. Auch ich wünsche Dir viel Erfolg!
Viele Grüße an die Puppenkiste, 5

Was für eine schäbige Nummer! Jetzt versuchte er mit der Maya-Nummer den Gesprächsstoff weiter am Ball zu halten. Ich hatte zwei Sekunden lang einen verschmitzten Hintergedanken im Kopf – unterdrückte diesen jedoch.

Als wir einen Tag vor MoMas großer Feier in Düsseldorf mit den Mädels einen gemütlichen Abend auf der Couch genossen, erzählte ich von den unermüdlichen Kontaktaufnahmen und las die letzte Mail vor. Maya grinste. Ich grinste. Wir wussten beide was wir so hinterlistig dachten. Ich schüttelte noch mit dem Kopf, aber die rauchende Maya schrie laut vom Balkon zu mir auf die Couch rüber: „Ach. D E R hat es verdient! Du weißt doch noch, was für ne Nummer der damals abgezoge hat!“

Also setzte ich an und formulierte folgende Mail:

Hi Nr. 5!
Maya geht es sehr gut. Sie wohnt jetzt mit mir zusammen. Nach all den Jahren haben wir uns endlich zueinander bekannt. Als nächsten Schritt Adoption. Unter spreesee.com sind wir auch beruflich ein Paar. Falls Du mal in Berlin bist, stellen wir Dir gerne unsere kleine Familienburg vor. Ade – Chloe

Klar. Das mit der Adoption war etwas drüber. Schuld war wie immer nur der Prosecco… Am nächsten Morgen nüchterten wir gerade noch aus, als die Antwort eintrudelte:

Hi Tante Chloe,

ich kann mit keiner homosexuellen Story dienen, bei mir läuft das auf die altmodische Art und Weise. 😉 Ist aber spannend zu hören, welche Wendungen das Leben so nehmen kann. Wann wurdest Du Dir denn Deiner sexuellen Neigung bewusst?

So eine Selbständigkeit frist natürlich Zeit, das ist klar. Euer Geschäft liegt ja in einer sehr kreativend Gegend. Is eben Berlin, wa!

Nehme Euer Angebot sehr gerne an und komme Euch mal bei meinem nächsten Aufenthalt in Berlin besuchen.

VG,

Five

Wir hatten nie mit einer Antwort gerechnet und mussten nun den ganzen Tag über diese Mail lachen. Der hatte sich immerhin die Mühe gemacht und unseren Standort gegoogelt.

Maya brüllend vor Lachen: „Wann wurdest Du denn Deiner sexuellen Neigung bewusst? Antworte ihm, dass das kurz nachdem Du ihn getroffen hast so gekommen ist!“

Chloe entzückt über die Leimspur: „Nee. Jetzt ist dann auch mal gut. Man soll es nicht übertreiben.“

Chloe schwieg. Zwei Wochen später kam eine neue Mail mit dem schlichten Satz rein: „Warum schaust Du eigentlich so böse auf Deinem Profilbild“. Chloe schweigt immer noch.

Aber stillschweigend scheint Maya nun ein Floh ins Ohr gesetzt. Als ich mich gerade mit der Engländerin auf Stoffsuche am Maybachufer auf dem Türkenmarkt befand, blinkte folgender Pinnwand-Eintrag auf:

Hilfe!!! Still und heimlich ist das Mutterschaftsmagazin auf dem Küchentisch gelandet. Ist das eine subtile Botschaft??? Chloe! Müssen wir das Kinderzimmer einrichten?

Während Maya als Early Adopter gerne mal den „Business Punk“ testen darf, hatte ich zum Probelesen die „Mum“ bekommen (in beiden Fällen muss in den jeweiligen Marketingabteilungen ordentlich was schief laufen). Eigentlich wollte ich die Zeitschrift direkt wegschmeißen, dachte aber, dass Maya der Artikel zu „Sein oder nicht sein? Die Patentantenonkelanfrage“ interessieren könnte.

Maya dachte für drei Sekunden wirklich, dass die Zeitschrift auf dem Küchentisch mein romantisches Kommunikationsmittel zur Offenbarung einer Schwangerschaft sein könnte. Erst dann fiel ihr ein, warum ich aus beruflichen Gründen doch die „Mum“ zugeschickt bekommen haben könnte.

Während der Zensus-Befragung gerieten wir beide nach all den Verwirrungen zumindest bei dieser Frage ins starke Grübeln…

Wohnen Sie in Ihrer Wohnung mit einem Partner/einer Partnerin in einer Lebensgemeinschaft zusammen, die weder Ehe noch eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft ist ?

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