Der Name als Flirtfaktor


Gerade hörte ich auf Radio eins ein Interview mit der Erziehungswissenschaftlerin Astrid Kaiser aus Oldenburg (kann man noch eine Woche lang hier nachhören).

Kaiser hatte uns vor einiger Zeit mit dem Phänomen des Kevinismus bekannt gemacht.  Demnach haben – wie wohl der größte Teil der mit etwas Geschmack und einem Quäntchen zu wenig Gerechtigkeitssinn ausgestatteten Gesamtbevölkerung – (Grundschul)Lehrer Vorurteile gegenüber Schüler mit bestimmten Vornamen. Während Sophie und Alexander als schlau und leistungsstark eingestuft werden, erwartet man von Kevin und Chantal eher langsame Auffassungsgabe und Verhaltensauffälligkeit. Schlimm genug für die Kinderlein, nun wurden auch ihre Chancen im späteren Leben untersucht.  An der HU hat man mal ein wenig weiter gedacht und sich gefragt, wie denn der Name sich auf die imaginierte Attraktivität des Trägers auswirkt. Das ist ja in Zeiten von Onlinedating enorm wichtig.  Schließlich geschieht der erste Eindruck oft nicht mehr unmittelbar- also haben Mandy oder Justin keine Gelegenheit potentielle Partner  direkt zu bezaubern, bevor sie ihren (von den Eltern aufgedrückten) Proll – Makel beichten müssen. Was raus kam ist natürlich das Äquivalent zur Grundschulstudie. Scheint, als seien Kevin und Co. nicht nur karrieretechnisch sondern auch privat auf der Verliererstraße…

 Neben den Daten des Datingportals legten die Wissenschaftler ihrer Studie Rankings zur Beliebtheit von Vornamen zugrunde. So konnten sie ermitteln: Werden Träger von unbeliebten Vornamen häufiger missachtet?

Ergebnis: Seiten von Männern mit dem beliebtesten Namen wurden mehr als doppelt so häufig angesteuert als die der Träger des unbeliebtesten Namens. Oder anders ausgedrückt: Alexander schnappt Kevin reihenweise Frauen weg.

Moment mal – denke ich mir – selbstverständlich ist das ein Thema. Und die niemals für eigene Vorurteile blinde Chloe sollte gerade dieses entscheidende Auswahlkriterium in ihrer umfassenden Parship-Kolumne nicht behandelt haben???

Seltsam. Doch einerseits weiß ich schon jetzt, dass Chloe bei der Bewertung des Vornamens potentieller Partner noch viel feinere Filter anwendet, als nur die vordergründig absurden auszusortieren. Wäre diese tatsächlich bei der Auswahl scharf geschaltet, blieben bei der überzeuten Anhängerin der Vokaltheorie nur wenige Kandidaten übrig. Zweitens aber- und das ist viel wichtiger – habe ich von Chloe gelernt, dass man keineswegs zwangsläufig den eigenen Namen im Profil angibt.

Jeder ist der Designer seines eigenen Images im Internet. Und gerade beim Dating. Wer also bei Alter, Größe und Hobbys lügt, der ist ja wohl selbst schuld, wenn er nicht auch den Kevin-Fluch ablegt.

Insofern hat die Wissenschaftlerin Frau Kaiser natürlich recht, wenn sie uns so vehement auffordert, doch nicht Menschen nur aufgrund ihres Namens zu diskriminieren. Andererseits sind nur die wenigen, krankhaft ehrlichen Onlinedater von der Ungerechtigkeit wirklich betroffen. Und wie viele können das schon sein?

Die Kevins und Chantals, die nun wissentlich ihren Namen bei der Partnersuche im Internet behalten, sind entweder wirklich doof, weil sie freiwillig den Nachteil in Kauf nehmen, oder sie haben selber einen sehr anspruchsvollen Filter gesetzt und suchen Menschen ohne Vorurteile. Wie auch immer – man kann ihnen dabei nur Glück wünschen!

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10 Antworten

  1. Auf den Portalen auf den ich unterwegs war sind mir niemals derartige Namen begegnet !!! Liebe Maya, auch in der virtuellen Welt gibt es „Türen“… Erst letzte Woche musste ich herzlichst schmunzeln, als ich in das Büro eines älteren Abteilungsleiters reinlief und ihn dabei erwischte wie er auf „Elite Partner“ herumstöberte.

    Es gibt so viele unterschiedliche Single-Portale wie Clubs in einer Stadt. Kevins werden nie bei Elite Partner zu finden sein.

    Und Du kennst mich auch zu genau: natürlich achte ich viel mehr auf Vokale als auf alles andere ! Und Männer mit Diphthong haben eh gleich verloren !!!

  2. Wieso kann Kevin nicht Angehöriger einer wie auch immer gearteten Elite sein und sich eine ebenso elitäre Partnerin auf dem entsprechenden Portal suchen? Wir kennen doch auch eine ziemlich erfolgreiche „Chantal“, die es immerhin als toughe Geschäftsfrau nach NYC geschafft hat. Allerdings musste sie sich privat auch mit einem Downdate par excellence zufrieden geben. Ob’s am Namen lag?

  3. Empirie. Ich verstehe es ja auch nicht. Habe in all den Profilen und bei all den Dates nie einen Kevin oder Rocco gefunden. Vielleicht benutzen die auch einfach ihren Zweitnamen in der virtuellen Welt… Aber ich werde mich jetzt keinesfalls nochmals anmelden, nur um diese Theorie zu überprüfen. Es reicht.

  4. Es gibt jedoch Therapien: https://www.youtube.com/watch?v=1u—eFwpYc&feature=player_embedded#at=158 Ich lach mich krank! Es geht auch viel um Klang der Vornamen. Also nicht weit entfernt von der Vokaltheorie…

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