Es googlet sich was zusammen…


Die SpreeSee WG Küche ist ein beliebtes Versuchsfeld. Hier entstanden im vergangenen Jahr diverse Pide-Variationen, persönliche Erstausgaben traditioneller deutscher Kost wie Rinderrouladen oder Kassler mit Sauerkraut und viele mediterrane Sommergerichte. Unvergessen bleiben auch die hochprozentigen Gaumenfreuden von der Feuerzangen- bis zur Erdbeerbowle. Selbstverständlich immer passend zur Saison. Meistens waren die Ergebnisse zufriedenstellend. Nur die aus Mangel und Verzweiflung geborene Aperol-Orangensaft-Komposition wird ihren Weg nicht wieder in unsere Gläser finden.

Beim Braten eines Huhns, sowie dem Panieren eines Schnitzels und vielen weiteren Aktivitäten nahe des Herdes hat Chloe eine sehr anstrengende Seite an mir entdeckt, die bisher gut verborgen geblieben war. Offensichtlich bin ich ein Kitchen-Psycho. Wirble ich am Herd, steigt das Stresslevel, ich nehme autistische Züge an, schreie entsetzt die Helfer an, wenn sie sich nicht als nützlich erweisen  oder gar mit absurden Gewürzvorschlägen die Soße zu verderben drohen. Kurz: mayne Besserwisserei steigert sich ins Unerträgliche. Es bleibt dem Umfeld nur das Weite zu suchen oder sich über das groteske Schauspiel aus sicherer Distanz zu amüsieren.

Heute jedoch, da ich einen Arbeitstag verbringe, während Chloe und Charly einen Brückentag abfeiern, bin ich zum Zusehen verdonnert. Wegen mayner entsetzten Blicke wurde ich aber sogar des Raumes verwiesen.

O-Ton: „Du Giftzwerg mit deinen skeptischen Nachfragen, vermiese uns doch nicht alles.“

Um des lieben Friedens willen überlasse ich nun also den beiden das Küchenschlachtfeld, gebe höchstens noch Orientierungshilfe bei der Suche nach Geräten und freue mich auf das Ergebnis. Hier nur noch ein paar optische Eindrücke:

Die modernen Chefköche googlen sich ihre Rezepte fleißig mit den I-Phones zusammen:

Kochbuch der Postmoderne

Kochbuch der Postmoderne

Die neurotische Chloe ist besonders stolz auf ihre aufgeräumte Arbeitsweise: „Siehst du wie ordentlich wir arbeiten: alles wird sofort wieder sauber gemacht.“

Der Nachtisch ist schon in der Kühlung:

Granatapfel-Soße mit Verdickungsmittel

Granatapfel-Soße mit Verdickungsmittel

In den Einkäufen hatte ich ein Päckchen Vanillesoße entdeckt.

Kritisch fragte ich nach: „Habt ihr denn dafür auch Milch gekauft?“

Verächtlich entgegnete mir die Süßspeisen-erprobte Patissière Chloe: „Davon hast du keine Ahnung, das benutze ich doch als Verdickungsmittel für die Granatapfelkerne…“

Panna Cotta

Panna Cotta

Auf dem Herd köchelt Charlys Meisterstück, die Tomatensoße, die während ich zusehen konnte, unter anderem mit Orangensaft und Lorbeerblatt verfeinert wurde.

Sugo Charly

Sugo Charly

Ab acht kommen die Gäste. Es bleibt spannend…

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Eine Antwort

  1. Chloe chommt erst jetzt dazu, auf diesen Eintrag zu antworten. Zuallererst möchte ich betonen, dass Charly und ich niemals dergleichen geäußert und Maya aus der Küche verbannt! Wir wollten beide lediglich, dass Maya sich bekochen lassen und arbeiten kann. Stattdessen hat sie heimlich über unseren Kocheinsatz gebloggt! Tztztz. Das Urteil über Charlys Soße fiel ferner auch vernichtend aus: „Charly, das schmeckt weihnachtlich! Was hast Du reingetan. Sag! Welches Gewürz! Sprich!“

    Während ich in der Puppenkiste die Küche nur betrete, um ins Bad zu gelangen (da letzteres dahinter gelegen), ist die SpreeSee-WG wirklich eine kulinarische Hochburg für die Ü30 Köchinnen geworden! Wir kochen quasi den Wunschzettel der Rezepte unserer Neugier ab. Dabei gibt es jedoch hin und wieder auch kleine Katastrophen… Mein Zwiebelrostbraten gelang statt in den Ofen auf den Boden. Die Auflaufform war mir auf einer rollenden Unterlage ausgerutscht und das Fleisch inklusive 500 ml Fond zu Füßen gestürzt. Maya schob die Fleischlappen mit gestreckter Würzl-Brühe dennoch in den Ofen und wir aßen das Mißgeschick noch brav auf. Die vielen Spritzflecken an der weißen Wand vergaßen wir jedoch zu beschriften. Rot für Feuerzangenbowle im November 2010. Braun für den Zwiebelrostbraten…

    Im letzten Monat entdeckte Maya ferner das „R“ und bekochte mich mit Muscheln. Das war mit Abstand mein persönliches Highlight. Da ich den Gasherd jedoch noch nicht ganz beherrsche, konnte ich mich nur mit ein paar angebrannten Cantuccini revanchieren…

    Und wenn „Pferde“ Hunger haben, darf ich gar Mayas Notration – ein Laib Brot – mitten in der Nacht im Ofen auftauen. Maya aß dann die letzte Scheibe als sie im Morgengrauen nach mir heimkam… und ihr Urteil: Das Brot schmeckte so noch besser! Diese Kruste!!!

    Danke Maya, dass Du stets eine Lebensmittelration für mich übrig hast!

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