Maya auf Reisen: Expedition in die Puppenkiste


Besuche zwischen Spree und See sind längst legendär. Lang lang ist mayne Reise an den Bodensee und damit die Geburtsstunde des Blogs nun her. Inzwischen gibt es seit über einem Jahr die SpreeSee-WG am Warschauer Strand und damit hätte sich ein Besuch  erledigt, wenn nicht Chloe dem Ruf des Geldes wieder nach Süden gefolgt wäre. Fast jedes Wochenende höre ich mir deshalb ihre Geschichten aus einer anderen Welt an. Wenn es besonders schlimm ist, glüht auch wieder die berüchtigte Standleitung. Was Chloe mir da über die Scrum-Sekte, cholerische Mitarbeiter und die seltsamen Gebräuche der Einheimischen im fernen Gastland berichtet, ist haarsträubend. Mir schwirrt der Kopf vor lauter Spitznamen, Skandalen und Verbindungen.  Ein Abgleich zwischen Fantasie und Wirklichkeit ist längst überfällig.

Ich bin mit viel weniger Reisebereitschaft ausgestattet als Chloe, daher hat es nun auch eine ganze Weile  gedauert,  doch dann bot mir unser lieber MoMa einen wunderbaren  Anlass,  das ganze Ausmaß von Chloes Lebensumständen im bayerischen Schwaben in Augenschein zu nehmen. Er eröffnet eine Ausstellung in der Fuggerstadt und die Vernissage lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Morgen früh geht es los und Chloe warnte mich bereits: „Du darfst aber nicht wieder Interna ausplaudern, wie damals am See.“ Leider können wir uns beide nicht mehr daran erinnern, welches geheimnisvolle Insiderwissen  ich damals preisgegeben haben soll. So wird auch der diesmal verordnete Maulkorb wohl nicht allzu wirksam sein. Vielleicht werde ich auch versuchen, erst einmal die anderen reden zu lassen. Besonders gespannt bin ich schließlich auf die Mundart der Stadtbewohner. Chloe hat sich bereits häufig in Tiraden darüber ausgelassen. Angeblich klingt der Dialekt nicht nur grauenvoll, sondern entstellt auch das Gesicht des Redners fürchterlich. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Aus der Stadt, die mich mayne ganze Kindheit über mit bezaubernden Geschichten versorgt hat, kann so eine Sprache gar nicht kommen.

Wenn ich morgen also quietschfidel wie Schlupp vom grünen Stern auf diesem fremden Planeten lande, hoffe ich auf den Übersetzungsknopf oder ganz viel Empathie auf beiden Seiten…

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