SpreeSee-WG newborn: Chloe fehlt der Schatten!

Ich bin wieder hier! Seit zwei Monaten ist Chloe nun zurück. Zurück in Berlin! Somit konnte ich auch endlich ruhigen Gewissens Charlys bissigen Kommentar von vor 2,5 Jahren freischalten…

Am Anfang musste Maya jedoch erst meinen Abschiedsschmerz von der Puppenkiste ertragen. Bei -20 Grad Ankunftstemperatur froren mir die kullernden Tränen über der Warschauer Brücke fest. Als wäre das nicht genug, wurde ich in meinem neuen Lebensabschnitt als „Beraterin“ zusätzlich ins eiskalte Wasser geworfen.

Mit hängenden Schulten saß ich in der Küche.

Maya irritiert: „Chloe! Was ist denn los? Gefällt Dir der neue Job nicht?“
Chloe verwirrt: „Naja. Die arbeiten mit anderen Methoden!“
Maya: „Aber Du kannst doch Scrum!“
Chloe: „Ja, ja. Aber, aber… die wollen, dass ich male!“
Maya mit großen Augen: „M A L E N?“
Chloe: „Ja… Kein Power Point! Ich soll meine morgige Präsentation komplett auf Flipchart halten.“
Maya völlig verständnislos: „Aber warum?“
Chloe erschöpft: „Das scheint wohl gerade der neueste Beraterschick zu sein. Weg von Digital, zurück zum Papier. Mit Zeichnungen statt mit Worten sollen die Kernbotschaften ausgedrückt werden. Gedanken visualisieren… Ach, was weiß ich! Aber alle meine Kollegen waren auf ganztätigen Schulungen, um diese Präsentationstechnik zu lernen!“
Maya besorgt: „Du kannst…“
Chloe: „… gar nicht malen!“
Maya: „Was hast Du jetzt gemacht?“
Chloe: „Naja. In der Küche lag so ein Ringbuch mit Skizzen-Vorlagen herum. Bikablo heißt das „Trainerwörterbuch der Bildsprache“. Ich setzte mich dann hin und suchte passende Motive zu meinem Inhalt heraus. Links mit dem Buch in der Hand und rechts mit einem Edding bewaffnet traute ich mich an mein erstes Flipchart-Blatt heran.“
Maya: „Ist es was geworden?“
Chloe: „Meine Kollegin trat prüfenden Blickes neben mich heran. Und dann kam das vernichtende Urteil: Es fehle der Schatten!“
Maya entsetzt: „Der S C H A T T E N?!?“
Chloe: „Ja! Der Schatten! Schließlich falle das Licht von O B E N!“
Maya trocken: „Von oben!“
Chloe: „Ich sag Dir, da steckt die Büromaterial-Mafia dahinter! Mit der Digitalisierung werden immer weniger Ordner und Klarsichthüllen verkauft. Das muss ja irgendwie kompensiert werden. Also redet man den Leuten ein, dass sie noch mehr White Boards, Flipcharts, Post its in allen Farben der Welt, Klebepunkte zum Auswerten von Ideen…“
Maya bremst aus: „Was ist jetzt mit dem Schatten??“
Chloe: „Und dann gibt es diese speziellen Stifte mit einem besonders großer Keilspitze, um auf Flipchart-Zeichnungen Schatten einzumalen. Wirkt perspektivischer. Aber natürlich nicht irgendwelche Stifte! Die müssen dann schon von der Marke „Neuland“ sein.“
Maya: „Und?“
Chloe: „Ich habe jetzt auch nen Schatten!“
Maya: „Wahnsinn! Diese ganze Industrie. Vielleicht springt dabei auch mal ein Job für MoMa heraus? Die Printmedien zahlen doch immer weniger für Karikaturen. Das wäre quasi eine sichere Investition in MoMas Zukunft! Er könnte Kurse anbieten wie ‚Merkel oder Manager: Bei uns lernen Sie wie Sie vor einer großen Gruppe sicher und mit ruhiger Hand Führungspersönlichkeiten aufs Flipchart bringen!’
Chloe: „Nette Idee, Maya. Aber ich muss jetzt ins Bett. Und vielleicht sollte ich vorher noch ein paar Stimmübungen wie unser nerviger neuer Nachbar machen. Wer weiß, ob ich nicht in naher Zukunft die Gitarre auspacken und mit den Schulungsteilnehmern die Prozesse nachsingen muss!“
Maya: „Du kannst doch nicht einmal…“
Chloe: „.. ich weiß: Gitarre spielen! Für diese zahlreichen ‚Coaches’ bin ich wohl eine Goldgrube!  Die Visual Facilitators reiben sich schon die Hände… Der vom See muss alles noch beigebracht werden! Malen, singen… “
Maya: „… tanzen kannst Du doch aber schon ganz… „
Chloe: „Naten e mire!“

Am nächsten Morgen schaute Maya der traurigen Chloe verständnisvoll hinterher, als diese mit einer riesigen Papierrolle unterm Arm aus der Tür watschte.

Man muss erwähnen, dass Maya sterben würde, bevor sie nur ein einziges Smiley irgendwohin malen oder gar in einer E-Mail einsetzen würde! Neuerdings bietet sie auch auf eine ganz perfide Art und Weise den Emoticons die Stirn:

Maya ist gegen Emoticons

Maya schreibt die Emoticons einfach aus! Mit der Begründung: „Unsere Sprache bietet so viele schöne Möglichkeiten sich auszudrücken, da braucht es keine Bilder!“

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Wir hatten einen Traum !

Heute wurde eine neue Marke geknackt: SpreeSee freut sich über eine halbe Millionen Besucher.

Leider sind unsere Leser in letzter Zeit jedoch etwas von unserem Blog enttäuscht.

Dieser treue Fan treibt es in die Höhe: Charly schickt Maya Droh-E-Mails mit Screenshots von SpreeSee auf denen „Dieser Blog ist tot!“ steht.

Ideen für Blogeinträge haben wir ja genug. Aber aufgrund des neuen Lebensabschnitts – Maya und Chloe befinden sich in den Fängen von Vollzeitberufen – bleibt kaum noch Zeit und Muße für das Ausformulieren unserer Spinnereien und Erlebnisse. Aber wir geloben Besserung!

Unsere Vollzeitberufe nehmen in letzter Zeit auch den größten Raum im Hinblick auf die SpreeSee-Küchen-Diskurse ein. Wie positioniert man sich als Frau in einer immer noch sehr männlich dominierten Arbeitswelt? Maya sitzt in Zügen mit alternden Strickpulliredakteuren und Chloe in Scrum-Ecken mit Entwicklern in Funktions-T-Shirts. Oft sind wir die einzigen Frauen. Weibliche Vorbilder, die es bis ganz nach oben geschafft haben, gibt es kaum. Unseren eigenen femininen Führungsstil zu finden, ohne zum Männerabklatsch zu werden, ist eine große Herausforderung.

Neulich saß ich wieder Freitag Abends in der WG-Küche und jammerte Maya von einem bevorstehenden Workshop in Würzburg vor. Die neuen potentiellen Geschäftspartner aus Japan erwarteten neben der Erarbeitung von Konzepten natürlich auch etwas Freizeitspaß. Man hatte mir bereits zugetragen, dass ich für die abendliche Biergarteneinlage im Dirndl erscheinen solle.

Maya ärgerte mich daraufhin: „Erst o’zapfen und dann musst Du die Herren sicherlich in das Nachtleben einführen. Kennst Du Dich überhaupt bezüglich der angesagten Edelpuffs in Würzburg aus? Du störst die Herren sicherlich mit Deiner Anwesenheit, da sie dann nicht so leicht ihre Jungs-Dinger drehen können.“

Chloe ging auf diese Provokation nicht ein. Ging lieber ins Bett. Am nächsten Morgen stand sie dann entsetzt vor dem bebrillten Bademantel in der Küche und keifte zurück: „Maya! Vielen Dank für Deine Inspiration. Ich hatte einen furchtbaren Traum. Wir waren mit allen Managern und Entwicklern in einem Bus auf verschlungenen Landstraßen unterwegs. Vor einem alten Haus, es muss wohl vormals ein großer Bauernhof gewesen sein, hielten wir an. Ich lief, als ob ich wüsste was ich tat, schnurstracks auf die Türsteher in Bomberjacken zu. Ich zeigte auf meine Reisegruppe. Viele Damen wurden nun in einen großen Flur zusammengestellt. Ich führte meine Kollegen in diese Arena. Der Flur leerte sich schnell, da Männlein und Weiblein schleunigst hinter den vielen Türen verschwanden. Plötzlich stand ich mutterseelenallein da und wunderte mich wie lange ich wohl warten müsse. So setzte ich mich erst einmal auf einen Stuhl. Ich wollte gerade meine E-Mails auf dem Handy checken, als ich einen wunderhübschen Mann gegenüber von mir sitzen saß. Ich fragte ihn, auf wen er denn so warte. Er antwortete, dass er auch hier arbeite. Ich verstand und versuchte meine Verlegenheit mit Small Talk zu übertünchen. Nonchalant fragte ich, was er denn so koste. Er antwortet: 38 Euro. Ich schrie entsetzt auf, dass, wenn ich gewusst hätte wie günstig das sei, ich das auch schon längst gemacht hätte! Dann war ich wach.“

Maya bepisste sich vor Lachen: „Chloe, für Deine Träume kann ich wirklich nichts. Aber es ist äußerst interessant, wie auch dieser absurde Traum Deinen Geiz verrät.“

Den Workshop habe ich inzwischen überlebt. Auch wenn ich ab einem gewissen Zeitpunkt tatsächlich die Bühne verlassen musste, da meine männliche Truppe noch in einen Stripschuppen ging. Immerhin waren sie so nett und boten mir an, sie zu begleiten. Ich konnte sie jedoch davon überzeugen, dass ich nackten Frauen an der Stange nicht viel abgewinnen könne. In Mayas mahnenden Worten lag wie immer a weng Wahrheit.

Als ich meinen Traum schon fast vergessen, rannte Maya nun neulich selbst schockiert in die WG-Küche: „Chloe! Ich hatte einen ganz verrückten Traum. Ich war quasi als Reiseleiterin für einen Reporter mitten im deutschen Wald unterwegs. Wir hatten sogar einen Kameramann dabei. Ich fühlte mich irgendwie für die Bespaßung des Reporters zuständig. Plötzlich, mitten im deutschen Wald, sahen wir eine Playboy Mansion. Ich dachte mir die ganze Zeit wie peinlich dieser Pseudo California Lifestyle zwischen deutschen Eichen sei. Frauen räkelten sich in Swimming Pools. Ich musste irgendwie die Form wahren und mich in deren Porno-Jargon mit denen unterhalten…“

Bevor ich mit irgendeiner Traumdeutung anfange, höre ich jetzt einfach mit dem Bloggen auf. Ich muss ins nächste Meeting !

Und ewig lockt der Sale…

Manchmal sind wir SpreeSee-Mädels auch einfach nur ganz normale Frauen. Nur um der Originalität willen kann man eben nicht auf Teufel komm raus jedes Klischee vermeiden. Und so klingt trotz Schuh-Schrein im Flur und gut gefüllten Kleiderschränken in den WG-Zimmern des Öfteren ein durchaus abgegriffener Seufzer durch Friedrichshain:

Ich hab nichts anzuziehen!

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Make Up-Figürchen gegen Testosteron-Zwerge

Chloe gibt derzeit am Lech das Schneewittchen. In extrem testosterongeschwängerter Atmosphäre räumt sie als einzige Frau unter lauter IT-Zwergen auf. Da hat man es als Dame nicht so leicht. Weil sich ein direkter Vergleich der Penisgrößen am Besprechungstisch verbietet, geht es verbal in der männlichen Kollegenschaft hoch her. Hierarchiegerangel, Machtfantasien und permanentes Sexgeprotze sind an der Tagesordnung, die Anwesenheit der neuen Kollegin scheint entweder noch nicht durchgedrungen zu sein oder das ganze noch zu befeuern. Was ich mir da dann am Telefon und am Wochenende anhören kann, würde ohne weiteres 2-3 soziologische Fallstudien ausfüllen, Klagen wegen sexueller Belästigung begründen und Gender-Studies-Kurse zum Jaulen bringen.

Zu allem Übel sind die Kolleginnen der anderen Abteilungen noch ein wenig zurückhaltend, der armen Chloe fehlt eine verbündete Geschlechtsgenossin am Arbeitsplatz. Ein Glück nur, dass es die Phalanx der Mitbewohnerinnen in Süd und Nord-Ost gibt, wir peppeln die tapfere erwerbsorientierte Pionierin mit Frauengesprächen auf. Vom Liebesroman bis zum Kochrezept, vom Frauenarzt bis zum Änderungsschneider, von der Quote bis zur Quaste wird dann alles schön rosarot durchdekliniert.

Doch was, wenn Chloe einen kleinen Östrogenkick für zwischendurch braucht?

Zum Glück haben sich die Leute aus dem Haus Chanel eine sehr hübsche Kampagne für ihre dekorative Kosmetik einfallen lassen, dieses Video ist sooooooo süüüüüüüüß, das ist ein ideales Schutzschild für mayne Chloe hinter den Sieben Bücherbergen bei den IT-Zwergen:

Der Kunde hat eine moralische Wahl !!!

Als Kind der 80er träumte Teenager-Chloe davon, eines Tages an kühnen Greenpeace-Aktionen teilzunehmen. Sich für die Natur ganz aufopfernd anzuketten oder für Tiere ghandisch abzuhungern. Die Besetzung einer Ölplattform wurde bei etlichen Schulreferaten über Brent Spar bis ins kleinste Detail ausdiskutiert. Mit 18 Jahren wählte sie daher konsequent Die Grünen.

Doch irgendwann verlor Chloe den Fokus. Irgendwann lief sie in Fußgängerzonen abweisend an Aktivisten vorbei. Erfand – von ihrem Freund Jos Lars Soederbaum ertappt – auch Ausreden für ihren Einkauf bei Lidl.

Jetzt, während ihrer Auszeit, bekennt die verlorene Tochter wieder „Grün“. Reflektiert kritisch ihre Zeit in der Wirtschaft. Liest viel über Nachhaltigkeit & Konsumverhalten.

Mit dem aktuellen Schlecker-Skandal stieß sie auf einen Artikel, deren Behauptungen sie nun nicht grün, sondern rot anlaufen lassen. In „Zwischen Lohn-Dumping und Wirtschafts-Fatwa“ wird folgende These aufgestellt:

Die Mitarbeiter von Schlecker können einem ja auch wirklich nur leid tun. Die Märkte, die ich kenne, sehen alle aus, als stünden sie kurz vor dem Ausverkauf. Die Kassen sind chronisch unterbesetzt, worüber ich mich jedes Mal aufrege, wenn ich Shampoo oder Deospray kaufen will. Und dennoch weiß ich: Die Kassen sind unterbesetzt, weil die einzige vorhandene Mitarbeiterin im Drogeriemarkt gleichzeitig die Regale einräumen muss. Es läge also letztlich an mir als Kunden, nicht länger bei Schlecker einzukaufen. Aber habe ich denn die Wahl?

Wer meint, der Kunde könnte durch seine Entscheidung, woanders einzukaufen, gegen das Prinzip des so genannten Lohn-Dumpings ankommen, irrt. Der Kunde hat längst keine Wahl mehr. Es sind die Preise, die seine Kaufentscheidung diktieren, vor allem bei Produkten, wie sie in Drogeriemärkten angeboten werden. Andernorts mag man ja noch mit fachlicher Beratung für höheres Entgelt werben können – bei Zahnpasta und Waschpulver gibt es aber immer nur die eine Frage: In welchem Regal steht das?

Wenn schon der Kunde keine Wahl hat, wer dann? Es ist ein Mythos des Glaubens an die gerechte Gesellschaft, dass etwa ein Unternehmen wie Schlecker die Freiheit hätte, seinen Angestellten mehr zu zahlen. Wären die Preise infolge niedriger Lohnkosten nicht derart günstig, könnte sich das Unternehmen nicht entsprechend erfolgreich auf dem Markt bewähren. Mehr noch: Jede ungenutzt gelassene Möglichkeit, Gewinn zu erzielen, wird auf dem Markt doppelt bestraft. Der eigene Gewinnausfall wird getoppt durch die genutzte Gewinnmöglichkeit seitens der Konkurrenz.

Bei CICERO sollte man arbeiten! Da scheint man sich wohl auch ohne fundiertes Fachwissen im Wirtschafts-Ressort Journalist schimpfen und die Meinung von Lesern bilden zu dürfen. Auf der einen Seite wird hier der Konsument als vollkommen unmündige Markt-Marionette dargestellt. Auf der anderen Seite werden unmoralische Unternehmen auch noch in Schutz genommen! Das kommt fast dem Aufruf gleich den Bürgern einzureden, sie bräuchten nicht wählen gehen, um dann den Rechtsradikalen alle Freiheiten zu lassen. Und vom Umwelt-Genozid will am Schluss keiner etwas gewusst haben…

Zum doch sehr mündigen Kunden: Seit Sinus die Lohas (Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit) für die Marketingabteilungen dieser Wirtschaftswelt als neue Zielgruppe auserkoren hat, boomt der Markt für diesen Lebensstil. Dem Lohaistischen Konsumverhalten wird nämlich gerade zugrunde gelegt, dass bei der gezielten Produktauswahl die Gesundheit und Nachhaltigkeit gefördert werden will. Es sind somit nicht die Preise, die „seine Kaufentscheidung diktieren“! Der Kunde hat eine Wahl.

Gegen die lifestyligen Lohas gibt es inzwischen jedoch auch genügend – und durchaus berechtigte – Kritik. Ein hervorragendes Buch hat hierzu Kathrin Hartmann mit „Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt“ geschrieben. Die wahren Lohas müssen nämlich nicht ihren Konsum ökologisch schön reden, sondern den Konsumverzicht lernen. Im „Das konsumistische Manifest” bringt es Tobias Becker auf den Punkt:

Der Markt regelt die Probleme des Planeten nicht selbst, der Mensch kennt kein Genug. Nicht Konsumanreize sind daher das Gebot der Stunde, sondern Konsumschranken.

Ob man sich als Unternehmen auf einem Markt also nur erfolgreich bewährt, indem man im Sinne einer Wirtschafts-Fatwa jede „Gewinnmöglichkeit“ nutzt, sei nochmals dahingestellt. Vielmehr wird es in Zukunft darum gehen, dass Unternehmen selber Verantwortung für die Konsumenten übernehmen müssen. Wenn der Mensch nämlich „kein Genug“ kennt, dann darf das von nach Bonus gierenden Managern nicht ausgenutzt werden! Aber hierfür werden Kontrollinstanzen benötigt. Und nicht Medien, die wie Cicero die Manager auch noch von jeglicher Schuld freisprechen!

Schon länger verfolge ich die Erklärung von Bern (EvB). Und ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass deren Berichte über Menschen und Umwelt verachtende Geschäftspraktiken die betroffenen Unternehmen durchaus äußerst unter Druck setzen. Ein schlechtes Firmenimage schlägt sich unmittelbar auf den Umsatz nieder.

Daher bittet Chloe alle SpreeSee-Leser sich mit den Public Eye Awards auseinanderzusetzen. Ihr könnt für die übelsten Unternehmen des Jahres abstimmen. Die Schmähpreise werden in drei Kategorien verliehen: „Global“, „Swiss“ und ab diesem Jahr auch dem „Greenwash Award”, um der inflationär wachsenden Zahl an Institutionen Rechnung zu tragen, die mittels sozial-ökologischer Feigenblätter versuchen, das Image unbelehrbarer Konzerne schön zu färben. Protest kann so einfach sein: Stimmt im Internet ab! (Mein Vorschlag fürs Komitee: Führt doch noch einen Schmähpreis für Journalisten ein!)

Die Menschenrechte der Dritten Generation sehen unter anderem das Recht einer intakten Umwelt vor. Fordert es täglich ein und entschuldigt nicht „die da oben“! Es gibt nämlich inzwischen auch genug Beispiele „da oben“ dafür, dass man die Unternehmenskultur ausdrücklich auf Nachhaltigkeit aufbauen kann. Ein herrliches Buch zum Thema hat der Patagonia Firmengründer Yvon Chouinard mit „Let My People Go Surfing“ verfasst. Patagonia’s Mission Statement hat z.B. rein gar nix mit einer Gewinnmaximierung zu tun, sondern setzt die Umwelt auf die Agenda:

Build the best product, cause no unnecessary harm, use business to inspire and implement solutions to the environmental crisis.

Je mehr Unternehmen an diesem Strang ziehen, desto drastischer geraten andere Management Boards unter Zugzwang ! Es braucht leider noch viel mehr Vorbilder, um einen globalen Kulturwandel einzuleiten.

Aber auch Du kannst täglich ein Vorbild sein: Ob bei einem Shampoo oder Deospray, jede Kaufentscheidung trägt zur Umerziehung bei. Der Wandel fängt bei der eigenen Nase an! Es dürfen niemals allein die Preise sein, die unsere Kaufentscheidung diktieren. Vielmehr muss man in der Alleshabenwollen-Generation wieder lernen richtig zu priorisieren. Sollte ich nämlich nicht genug Geld haben, um mir meinen dekadenten Whiskey UND die teure Zahnpasta zu kaufen, dann sollte ich zugunsten der unterbezahlten Mitarbeiterin im Drogeriemarkt auf den Whiskey verzichten und den fairen Preis für meinen Konsum zahlen. Schlecker zu boykottieren ist doch wirklich keine große Kunst!

Chloe hat mal wieder groß ausgeholt und wollte eigentlich nur in einem kurzen Absatz die Public Eye Awards publik machen. Also nochmals: Stimmt ab!

You know who

Chloe sitzt in einem Prozessmeeting mit zwei neuen Kollegen und kann es mal wieder nicht chlauben, dass dasselbe Spiele wie immer losgeht. Man diskutiert einen Ablauf und die neuen Kollegen versuchen ihr Wissen aus der alten Firma einzubringen. In unserer Branche ist das dann zumeist ein direkter Wettbewerber. Daher eiern alle ewig um den Markennamen herum. Solche Phrasen kann ich nicht mehr hören: „Bei meinem alten Arbeitgeber.“, „In meiner vorherigen Firma.“ Wir wissen doch alle, woher der neue Kollege kommt und wie die alte Firma hieß! Aber wehe es spricht jemand den Namen laut aus. „Bei meinem alten Arbeitgeber, Du weißt schon wer….“Als ich mir mal wieder bei Maya Luft verschaffte ob dieser kindischen Attitüde, kam sie prompt mit einem kindischen Vergleich: Lord Voldemort. Seitdem suche ich neue Kollegen immer auf eine Narbe auf der Stirn hin ab…

Eine Frage bleibt aber offen: Warum kennt Maya Harry Potter??? Wir sind doch beide der Meinung, dass Science Fiction ein absoluter Schmu ist! Sie beichtete mir, dass sie sich sogar ALLE Bände als Hörspiel reingezogen hat. Natürlich um vor dem Schlafengehen ihr Englisch aufzubessern und um bei einem der größten Diskurse unserer Gegenwart mitreden zu können. Das schätze ich so sehr an Maya: Sie unterwirft ihren Schöngeist bewusst dem Trash für ein besseres Verständnis der Welt da draußen. Ohne sie hätte ich ferner nie erfahren, dass sich Lord Voldemort zeitweise in einem albanischen Gebirge versteckt hielt. Irgendwie finde ich das ob meines Migrationshintergrundes sehr lustig. Jedenfalls konnten Maya und Chloe bis zum Schluss nicht klären, ob der Bösewicht Le Chiffre in „Casino Royal“ nicht auch ein Albaner war. Aber schnell fanden wir noch den hermeneutischen Absprung zu einer alten Postkarte aus der albanischen Stadt Vlore, die es bei Ebay zu ersteigern galt. Wie das wiederum passt, das weiß schon wer…

So enden alle unsere Gespräche. Der berufliche Auftakt führt uns zu etlichen Diskursen. Leider macht uns Mayas Telefonakku in letzter Zeit einen Strich durch die Rechnung.

Erkenntnis

Ja, ich neige gerne dazu, mich über Programmierer zu beschweren. Sie rauben mir aber auch jeglichen Geduldsfaden und machen mich manchmal glauben, dass ich eines Tages ob eines falsch abgesprochenen Sonderzeichens von heute auf morgen ergraue.

Und plötzlich stoße ich auf den Spiegel-Artikel „Erfolgreich mit Autisten„, der es mir wie Schuppen vor den Augen fallen lässt: Ich bzw. die Programmierer leben in einer anderen Welt! Die wollen mich und meine Anforderungen an die IT-Tools nicht verstehen, sie können es einfach nicht:

Schwer hingegen fällt ihnen Teamarbeit. Empathie zählt nicht zu ihren Stärken. In einer Arbeitswelt, die Teamfähigkeit meist ganz oben in jedes Anforderungsprofil schreibt, haben sie kaum eine Chance (…)

Das mit der fehlenden Empathie werfe ich dem männlichen Geschlecht ja generell gerne vor. Und prompt bestätigt mich der weise Spiegel in meiner Annahme:

Jungen sind laut dem Verein „Autismus Deutschland“ viermal häufiger betroffen als Mädchen.

Wenn ich so zurückblicke, habe ich in der Tat auch noch nie mit einer XX-Programmiererin zusammengearbeitet. Ist es dann überhaupt förderlich, als Frau in dieser Branche tätig bin? Der nächste Absatz gibt mir zu denken….

Eine ruhige Umgebung ist wichtig. Autisten können Reize, die auf sie einströmen, nicht ausblenden. Sie nehmen alles auf einmal in der vollen Stärke wahr. Auf Dauer strengt das sehr an. Und so sind Autisten meist schon nach ein paar Stunden Arbeit völlig ausgepowert.

Meine laute grelle Stimme, meine Pfennigabsätze und mein stetes Nachfragen „Was machen Sie da gerade und wie lange dauert das denn noch!“ muss eine völlige Reizüberflutung darstellen.

Immerhin nehme ich es nun nicht mehr persönlich, wenn wie beim letzten Mal mein Programmierer nach drei Stunden mit der Begründung „Ich bin nervlich völlig am Ende“ sich wieder ins Hotelzimmer verkriecht. Das ist genetisch, das ist entschuldigt!